Ricky (Moritz Bleibtreu, rechts) und Rafael (Edin Hasanovic) müssen den Überfall alleine durchziehen.
Moritz Bleibtreu spielt in Özgür Yildirims "Nur Gott kann mich richten" den fast geläuterten Kriminellen Ricky.

Nur Gott kann mich richten

KINOSTART: 25.01.2018 • Drama • D (2017) • 100 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Nur Gott kann mich richten
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
100 Minuten

Filmkritik

In den Fängen des Milieus
Von Christopher Diekhaus

Düstere deutsche Genrefilme haben auf heimischem Terrain seit Jahrzehnten einen schweren Stand. Zu selten gibt es echte Perlen zu entdecken. Zu sporadisch ist die Produktion an hiesigen Thrillern oder Horrorwerken. Und zu gering das Interesse des Publikums, wenn sich nicht gerade – wie im Fall von "Who Am I - Kein System ist sicher" – eine Riege angesagter Stars die Ehre gibt. Vor diesem ernüchternden Hintergrund muss man Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim umso mehr Respekt zollen, da er seit seinem Durchbruch mit der Gangsterballade "Chiko" unermüdlich versucht, dem Zuschauer abgründige Geschichten schmackhaft zu machen.

Im Kino war der Deutschtürke zuletzt mit der Romanadaption "Boy 7" vertreten, einem temporeichen Teenager-Thriller, der in einer nahen Zukunft spielt. Seine neue Arbeit hört auf den bedeutungsschwangeren Titel "Nur Gott kann mich richten" und führt Yildirim mit einer rauen, nihilistischen Unterwelt-Story zu seinen Ursprüngen zurück. Statt Hamburg dient dieses Mal Frankfurt und sein berüchtigtes Bahnhofsviertel als Tummelplatz für zwielichtige, gebrochene Figuren, die auf ihrer verzweifelten Suche nach etwas Glück viele falsche Entscheidungen treffen.

Ein angeblich todsicherer Coup

Ein fehlgeschlagener Überfall hat Ricky (kraftvoll: Moritz Bleibtreu) vor fünf Jahren in den Knast gebracht, den er nun mit dem Wunsch verlässt, eine eigene Bar zu eröffnen. Was fehlt, ist das nötige Kleingeld, um den Traum in die Tat umsetzen zu können. Praktischerweise erzählt ihm sein alter Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) von einem angeblich todsicheren Coup: Zum Schein sollen die beiden für albanische Gangster bei einer Drogenübergabe den Stoff entwenden und ihn anschließend wieder an die Besitzer übergeben.

Obwohl er äußerst skeptisch ist, lässt sich Ricky breitschlagen, sieht sich allerdings schon bald mit ernsthaften Problemen konfrontiert. Unerwartet kann Latif nicht an dem fingierten Raub teilnehmen, weshalb Ricky seinen Bruder Rafael (eindringlich: Edin Hasanovic) um Hilfe bittet, der eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Zähneknirschend greift er Ricky unter die Arme und zahlt dafür einen hohen Preis. Denn nach dem Überfall geraten die Geschwister an die Polizistin Diana (charismatisch: Birgit Minichmayr), die in Schwierigkeiten steckt und die erbeuteten Drogen unterschlägt.

Ein loyaler Gangster, der aus dem Gefängnis kommt und sich nach einem anständigen Leben sehnt. Ein letztes Ding, das anders als geplant verläuft. Finstere Unterweltgestalten, die knallhart auf Entschädigung pochen. Und eine Mutter, die ihrer herzkranken Tochter um jeden Preis eine Operation ermöglichen will. "Nur Gott kann mich richten" würfelt zahlreiche Klischees und Standardsituationen zusammen, entfacht zuweilen aber einen enormen Sog. Packend und nervenaufreibend präsentiert sich etwa der missglückte Überfall zu Beginn, der Ricky auf direktem Weg hinter Gitter bringt. Den Handlungsort Frankfurt taucht Yildirim in düstere Farben und erzeugt mit seiner Konzentration auf schummrige Bars, alte Fabrikgebäude, Spielhallen und schäbige Hinterhöfe eine durchdringend bedrohliche Atmosphäre.

Arg schematische Drehbuch-Konstruktion

So stimmungsvoll die grimmige Gangstermär auch sein mag und so mitreißend manche Passagen auch ausfallen, mischen sich vermehrt Irritation in die positiven Eindrücke. Emotionale Zwischentöne will der Regisseur vor allem über die Szenen zwischen Ricky und seinem demenzkranken Vater (Peter Simonischek) hervorrufen, verfährt dabei allerdings etwas plakativ und taucht nie richtig unter die Oberfläche. Als größtes Problem erweist sich die arg schematische Konstruktion des Drehbuchs, dessen Seiten man mit zunehmender Dauer deutlich rascheln hört.

Haarsträubende Zufälle sind immer häufiger vonnöten, um eine weitere Eskalation zu gewährleisten. Und auch das Verhalten einiger Figuren – besonders auffällig: die Polizistin Diana – nimmt zuweilen arg wundersame Ausmaße an. Dass Yildirim ohne Kompromisse auf ein Inferno zusteuert, ist angesichts der oftmals weichgespülten deutschen Kino-Geschichten absolut erfreulich. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl für die Zeichnung seiner Protagonisten und den Aufbau seiner schicksalhaften Erzählung wäre allerdings mehr möglich gewesen als ein "bloß" ordentlicher Unterweltreißer.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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