Sind sich noch nicht ganz grün: Harald Schmidt (l.) 
und Thomas Gottschalk  
Sind sich noch nicht ganz grün: Harald Schmidt (l.) 
und Thomas Gottschalk  

Late Show

KINOSTART: 25.02.1999 • Komödie • Deutschland (1998)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Late Show
Produktionsdatum
1998
Produktionsland
Deutschland
Regie
Kamera
Schnitt
Der Sender Tele C steckt im Quotenloch. Besonders die allabendliche Late Show mit Ober-Proll Nick Meyer ist ein echter Schandfleck. Da hört Programmdirektor Conrad Scheffer eines Nachts den Radiomoderator Hannes Engel und engagiert ihn vom Fleck weg. Das aber ist Engels Freundin Maria ein Dorn im Auge, denn sie ist als Schauspielerin soeben von Scheffers rechter Hand Carla gefeuert worden. Engel nimmt den Job an und hat Erfolg, doch eine penetrante Verehrerin und die böse Boulevard-Presse schießen quer...

"Na, jetzt haben wir's dem bösen, bösen Fernsehen aber gegeben!" muss sich Helmut Dietl, Hätschelkind der deutschen Filmkultur, gedacht haben, als er sein fertiges Werk "Late Show" bestaunte. Nein, wie mutig, einen Film über die große Verlogenheit der Talkshows zu drehen und einzudreschen auf Auswüchse der Quotenkultur. Nach der angeblichen Zielscheibe Münchner Schickeria ("Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief") hat sich Dietl diesmal eine noch billigere Spielwiese gemietet, eine, auf der er noch leichter punkten kann. Und weil das Ergebnis ja Gott weiß wie bitterböse ist, lässt sich natürlich die TV-Prominenz, die hier angeblich vorgeführt werden soll, auch nicht lange bitten und spielt die Hauptrollen. Der Film ist sozusagen eine Katastrophe mit Lichtblicken. Denn handwerklich ist das tadellos gemacht, und Harald Schmidt erweist sich als überraschend guter, teilweise sogar großartiger Schauspieler. Jasmin Tabatabai ist ein hinreißendes Biest. An den Dialogen hat Dietl hörbar lange gefeilt, doch das ist kein Lob: So wie hier, mit Nebensätzen der x-ten Ordnung und perfekt ausformulierten Bonmots, redet kein Mensch, das ist reines Papier. Künstlich bleibt auch die Story-Konstruktion, bei der viele Figuren einfach überflüssig sind. Das ärgerlichste ist, dass hier über das Thema Fernsehen nichts Neues gesagt wird, dass sich Klischees breitmachen, dass kein Gag wirklich da sitzt, wo er hingehört: in der Magengrube. Dafür müßte man schon ein Könner sein, wie etwa Sidney Lumet, ("Network", 1976) oder Claude Chabrol ("Masken", 1986). Dietl produziert dagegen nur heiße Luft. Mal ehrlich: Wie kritisch kann eine TV-Satire sein, die a) zuerst als Fernsehfilm geplant ist, bei der b) wesentliche Aushängeschilder der TV-Kultur mitspielen und - last but not least - c) die einzigen, die bei der Pressevorführung lachen, die Mitarbeiter der Harald-Schmidt-Show sind (über die ach so köstlichen Insider-Gags nämlich). Mit diesem Film, einer Art "Rossini 2", hat sich Helmut Dietl endgültig als Hauptvertreter einer selbstgefälligen Pseudo-Satire etabliert.

Darsteller
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