Xaver Schwarzenberger

Lesermeinung
Geboren
21.04.1946 in Wien, Österreich
Alter
75 Jahre
Sternzeichen
Biografie
Unter all den subtilen Kameraleuten, die ins Regiefach wechseln, hat sich bei Xaver Schwarzenberger Profession und Neigung am stärksten ausgeprägt. In seiner ersten Regiearbeit, "Der stille Ozean" (1982), erzählt er die Geschichte vorwiegend in Bildern: Ein Mann kommt in ein Dorf, allein, er steht mit den Koffern am Bahnsteig. Nebelschwaden durchziehen die Landschaft, wenige, kahle Häuser, in eines, das er gemietet hat, zieht er ein. Er sitzt und starrt in sein Mikroskop. Ganz allmählich erfährt der Zuschauer: Der Mann hat als Arzt einen sogenannten Kunstfehler begangen. Sein Leben ist an einem Punkt, wo er sich selbst und die anderen neu wahrnehmen muss. Klare, bestechende Bilder geben Empfindungen preis. Ein Film, der sehr genau beobachtet. Wenig Sprache, einfache Gesten und Zeichen. Ruhe in der Bewegung der Kamera, eine Landschaft, die so weit ist, dass sich die Menschen darin verlieren können, wo jeder jeden beäugt, ohne dass ein wirklicher Kontakt hergestellt wird.

Xaver Schwarzenberger beginnt als Volontär und Kameraassistent bei verschiedenen Produktionsfirmen. Nach 1970 ist er freischaffender Kameramann, vorwiegend für Dokumentarfilmer. Beschäftigung findet er vor allem beim Fernsehen in Österreich und der Bundesrepublik. Auffällig ist sein unaufdringlicher Formalismus: Kontrast- und Schärfenwechsel, wie man es vom deutschen Stummfilm her kennt. In den Siebzigerjahren fotografiert er etliche TV-Filme, auch eine "Tatort"-Folge ("Wohnheim Westendstraße") für den renommierten Regisseur Axel Corti.

Regisseure, die mit ihm als Kameramann arbeiten, sind erstaunt, wie vieles man an Dialog weglassen kann, wenn er Bilder "macht". Dieter Berner spürt das, als er 1977/78 mit Peter Turrini die "Alpensaga" in vier Teilen fürs Fernsehen inszeniert. Die grau-braune Eintönung des Bildes, die Farb-, Kontrast- und Lichtänderungen geben der Geschichte einerseits einen realistischen, dann wieder distanziert-verfremdeten Touch. 1980 siedelt Schwarzenberger nach München über und löst Michael Ballhaus als Hauskameramann bei Rainer Werner Fassbinder ab. Bei "Berlin Alexanderplatz" beginnt eine sehr intensive, eindringliche Zusammenarbeit: Die poetische Stilisierung wird vielfach von der Kritik bemängelt. "Zu dunkel" nennt man Fassbinders Film. Doch "Berlin Alexanderplatz" ist nur zwangsweise ein TV-Film. Seine ganze Faszination und die Bildkraft kommen nur im Kino voll zur Geltung.

Die glatten, unwirklichen Bilder von "Lili Marleen" (1980), die an Melodramen von Douglas Sirk erinnernde Künstlichkeit in "Lola" (1981), die visuelle Faszination der Jean-Genet-Verfilmung "Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel" (1982), - das alles ist Schwarzenbergers Verdienst. Im gleichen Jahr fotografiert er auch für Fassbinder den Schwarzweißfilm "Die Sehnsucht der Veronika Voss". 1994 und 1996 dreht er eine Reihe von TV-Arbeiten mit Senta Berger. Sie ist Frau Dr. Martin in der Serie "Dr. Schwarz und Dr. Martin", von denen er zwei Folgen inszeniert und alle fotografiert. 1988 fotografiert er Loriots "Ödipussi" und 1991 Helmut Dietls erfolgreiche Komödie "Schtonk".

Als Regisseur nimmt Xaver Schwarzenberger gerne Drehbuchvorlagen seiner Frau Ulli Schwarzenberger, so 1984 bei dem Melodram "Donauwalzer", 1994 bei "Die Nacht der Nächte", 1996 bei "Bella Ciao" und bei "Lamorte". "Gewitter im Mai" dreht Schwarzenberger 1987 nach einem Drehbuch von Jörg Graser, der vor allem mit seinem selbst inszenierten Heimatfilm "Der Mond ist nur a nackerte Kugel" schon bewiesen hat, dass man in diesem Genre auch etwas anderes als heile Welt und dräuende Natursymbolik zeigen kann. Die Romanvorlage stammt von Ludwig Ganghofer. Daneben hat sich Schwarzenberger auch mit Auftragskomödien seine Brötchen verdient. 1985 und 1987 inszeniert er "Otto - Der Film" und "Otto - Der neue Film", 1988 die Beziehungskomödie "Beim nächsten Mann wird alles anders". 1992 entsteht der dürftige "Tafelspitz" mit Otto Schenk und Christiane Hörbiger.

Weitere Filme mit Schwarzenberger: "Franza" (1986), "Ödipussi" (1987), "Souterrain", "Der Rausschmeißer" (beide 1989), "Ein anderer Liebhaber" (1990), "Duett" (1992), "Die skandalösen Frauen" (1993), "Tonino und Toinette" (1994), "Fesseln", "Zum Glück gibt's meine Frau" (beide 1995), "Lovers", "Das Kapital", "Ein Mann in der Krise" (alle 1996), "Das Siegel", "Single Bells" (beide 1997), "Fever", "Krambambuli" (beide 1998), "Stella di mare - Hilfe, wir erben ein Schiff!", "Otto - Der Katastrophenfilm", "Vino Santo" (alle 1999), "Happy Hour oder Glück und Glas ...", "O Palmenbaum" (beide 2000), "Edelweiß", "Ein Hund kam in die Küche" (beide 2001), "Andreas Hofer", "Eine Liebe in Afrika" (beide 2002), "Dinner for Two", "Annas Heimkehr", "Zuckeroma" (alle 2003), "Meine schöne Tochter" (2004), "Margarete Steiff" (2005), "Muttis Liebling", "Mein süßes Geheimnis", "Feine Dame" (alle 2006), "Die Liebe ein Traum", "Und ewig schweigen die Männer" (beide 2008), "Detektiv wider Willen", "Sisi" (beide 2009), "Die Verführerin Adele Spitzeder" (2011), "Clarissas Geheimnis", "Stille" (beide 2012).

Weitere Filme mit Schwarzenberger nur als Kameramann: "Das Ass der Asse" (1982) und "Der Außenseiter" (1983, beide mit Jean-Paul Belmondo), "Kamikaze 1989" (1982) von Wolf Gremm, "Der Schüler Gerber" (1981) und "Momo" (1985).

Foto: ARD Degeto/Zoela Film/Petro Domenigg

Filme mit Xaver Schwarzenberger
1976
Tatort
Krimi
1980
Berlin Alexanderplatz
Literaturverfilmung
1980
Hanna Schygulla glänzt in der Rolle der Lili Marleen
Lili Marleen
Drama
1981
Lola
Gesellschaftssatire
1982
Das Ass der Asse
Actionkomödie
1982
Die Sehnsucht der Veronika Voss
Melodram
1982
Kamikaze 1989
Sciencefiction-Krimi
1982
Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel
Drama
1983
Der Außenseiter
Actionfilm
1985
Momo
Kinderfilm
1986
Allein - die Welt hat mich verlassen! Elisabeth
Trissenaar als Franza
Franza
Literaturverfilmung
1987
Gewitter im Mai
Heimatfilm
1987
Loriot mit Sketch-Dauerpartnerin Eveyln Hamann
Ödipussi
Komödie
1988
Schau einmal hin, da kommt der nächste Mann! Antje 
Schmidt (l.) und Billie Zöckler  
Beim nächsten Mann wird alles anders
Komödie
1989
Der Rausschmeißer
Melodram
1990
Wilfried Klaus und Karlheinz Hackl stecken in einer 
undurchsichtigen Sache  
Ein anderer Liebhaber
Kriminalfilm
1991
Legal, illegal, scheißegal! Götz George (l.) und Uwe Ochsenknecht<br> wittern die große Knete
Schtonk
Satire
1992
Duett
Kriminalfilm
1993
Tafelspitz
Komödie
1994
Tonino und Toinette
Fernsehfilm
1995
Fesseln
Thriller
1996
Ich werde aus dem Leben scheiden! Nicole Heesters
Lamorte
Fernsehfilm
1996
Lovers
Komödie
1997
Das Siegel
Kriminalfilm
1997
Gaukeln wir nicht eine heile Welt vor? Erwin 
Steinhauer und Inge Konradi
Single Bells
Komödie
1998
Krambambuli
Literaturverfilmung
1999
Stella di mare - Hilfe, wir erben ein Schiff!
Komödie
1999
Schönes Leben hier in Italien! Helen Zellweger (l.) 
und Nicole Marischka verstehen sich
Vino Santo
Komödie
2000
Der gefällt mir! Martina Gedeck als Greta Steinwendner
Happy Hour oder Glück und Glas ...
Beziehungsdrama
2000
Otto - Der Katastrofenfilm
Komödie
2001
Edelweiß
Gesellschaftsdrama
2002
Andreas Hofer
Historienfilm
2002
Leidenschaft in Afrika: Julia Stemberger und
Heiner Lauterbach
Eine Liebe in Afrika
Melodram
2003
Annas Heimkehr
Geschichtsdrama
2003
Hoffentlich hält er sich an die Diät! Marianne
Mendt (l.) und Gisela Schneeberger sind skeptisch
Dinner for Two
Komödie
2003
Noch können sie lächeln: Nora Heschl, Bibiana
Zeller, Matthias Stein (v.l.)
Zuckeroma
Komödie
2004
Meine schöne Tochter
Melodram
2005
Margarete Steiff
Filmbiografie
2006
Feine Dame
Schwarze Komödie
2006
Mein süßes Geheimnis
Komödie
2006
Wo bleibt denn das Wolferl? Monica Bleibtreu als
Mutter Maria
Muttis Liebling
Schwarze Komödie
2008
Copacabana
Familiendrama
2008
Der Bär ist los!
Komödie
2008
Die Liebe ein Traum
Melodram
2008
Und ewig schweigen die Männer
Ehedrama
2009
Detektiv wider Willen
Krimikomödie
2009
Sisi
Historiendrama
2011
Kann sich noch im Spiegel anschauen: Birgit
Minichmayr als Adele
Die Verführerin Adele Spitzeder
Historiendrama
2012
Clarissas Geheimnis
Familiendrama
2012
Stille
Drama

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