Günther Kaufmann

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Günther Kaufmanns letzter Filmauftritt in "Kleine Morde"
Fotoquelle: StudioCanal
Günther Kaufmann
Geboren: 16.06.1947 in München, Deutschland
Gestorben: 10.05.2012 in Berlin, Deutschland

Bei den Dreharbeiten zu Volker Schlöndorffs Fernsehverfilmung "Baal" nach dem Theaterstück von Bertolt Brecht traf Günther Kaufmann 1969 auf den angehenden Regisseur und Schauspieler Rainer Werner Fassbinder. Dies war der Auftakt zu einer engen Freundschaft, die die beiden bald verbinden sollte. Gemeinsam arbeiteten sie an rund einem Dutzend Filmprojekte, die den deutschen Film revolutionierten. Bereits ein Jahr nach ihrem Kennenlernen stand Kaufmann unter der Regie seines engen Freundes in "Götter der Pest" mit Hanna Schygulla und Margarethe von Trotta vor der Kamera. Egal was Fassbinder produzierte, Kaufmann war ein Teil davon. Dabei verkörperte er sowohl Nebenrollen wie in "Die Niklashauser Fart", als auch Hauptfiguren, wie etwa in dem Melodram "Whity" (beide 1970).

In den folgenden Jahren war der 1,86 Meter große Mime jedoch nicht nur in Filmen, sondern auch in diversen TV-Serien vertreten. So in "Der Kommissar - Ein rätselhafter Mord" (1971), "Der kleine Doktor - Die Notbremse" und "Das Blaue Palais - Das Medium" (beide 1974). Durch seine Auftritte in der Krimiserie "Derrick" (1977-1998) wurde Kaufmann auch einem breiten TV-Publikum bekannt. Mehr Aufmerksamkeit erregte er 1980 in der 13-teiligen Miniserie "Berlin Alexanderplatz", ein Meisterwerk von Fassbinder mit Xaver Schwarzenberger an der Kamera und musikalischer Untermalung von Peer Raben. Es folgten Rollen in erfolgreichen Werken wie der Gesellschaftssatire "Lola" (1981) und dem Melodram "Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982). Das Drama "Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel" (1982) sollte die letzte Zusammenarbeit von Fassbinder und Kaufmann sein. Kurze Zeit darauf verstarb Fassbinder im Alter von nur 37 Jahren.

Der Tod seines engen Vertrauten markierte für Kaufmann zugleich den Umschwung in seiner bislang vielversprechenden Karriere. Die Rollenangebote gingen zurück und mit Filmen wie "Otto - Der Film" (1985) und "Whopper-Punch 777" (1986) konnte der Sohn einer Deutschen und eines US-Soldaten in kleinen, bescheidenen Rollen nur wenig glänzen. Meist war Kaufmann nur noch in Gastrollen in TV-Serien wie "Ein Schloß am Wörthersee" (1991) , "Küstenwache" (1997), "Schwarz greift ein" oder "Die Straßen von Berlin - Blutwurst und Weißwein" (beide 1999) zu sehen. Erst in dem Thriller "Mayday! Überfall auf hoher See" spielte der Schauspieler 2001 wieder für die Leinwand.

Kaufmanns künstlerische Blütezeit schien vorbei zu sein, kaum einer erinnerte sich an seine aufstrebende Karriere an der Seite Fassbinders. Sein absoluter Tiefpunkt folgte noch im selben Jahr, als er für seine sterbenskranke Frau ein falsches Geständnis ablegte und zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Als die wahren Täter gefasst wurden, wurde Kaufmann nach über zwei Jahren im Gefängnis freigesprochen. Da er zwei Unschuldige in seinem falschen Geständnis als Komplizen angegeben hatte, wurde er wegen schwerer Freiheitsberaubung aufgrund falscher Verdächtigung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zurückblickend auf sein Leben hatte er einst gesagt: "Es gibt eine erste Garnitur Gottes - das sind Menschen, mit denen Gott es besonders gut gemeint hat. Ich halte mich für die zweite Garnitur."

Seine schwärzeste Zeit verarbeitete Kaufmann in einer Autobiografie, die 2004 mit dem Titel "Der weiße Neger vom Hasenbergl" erschien. Der Titel ist eine Anspielung auf den Spitznamen, den Fassbinder ihm seinerzeit gab. Bereits ein Jahr zuvor wurde Günther Kaufmann für die Bremer Inszenierung "Die zehn Gebote" engagiert. In dem Musical "Robin Hood" verkörperte er von 2007 bis 2008 Bruder Tuck im Berliner Schillertheater. Mit der Zeit kamen mehr Rollenangebote, die Schauspielkarriere bekam neuen Aufschwung. So gab er 2007 den Vater von "Leroy" neben Constantin von Jascheroff und Arnel Taci. Ein Jahr später stand er für die Krimikomödie "Mord ist mein Geschäft, Liebling" mit namhaften Schauspielgrößen wie Bud Spencer, Rick Kavanian und Nora Tschirner vor der Kamera.

Den Höhepunkt stellte die Castingshow "Bully sucht die starken Männer" dar. Comedian Michael 'Bully' Herbig suchte in diesem Format nach der richtigen Besetzung für seine Abenteuerkomödie "Wickie und die starken Männer" (2009). Kaufmann sprach eigentlich für die Rolle des Faxe vor, nahm jedoch das Angebot für die Rolle des Schrecklichen Sven an, die, laut eigener Aussage, die Rolle seines Lebens war. Die Zusammenarbeit mit Bully erinnerte ihn an vergangene Tage: "Der hat eine Gabe wie Fassbinder: das genaue Gefühl für Menschen und Pointen." Auch in dem Nachfolger "Wickie auf großer Fahrt" (2011) setzte er diese Rolle fort.

An der Seite von Josefine Preuß und Elyas M'Barek war Kaufmann ein Jahr später in "Türkisch für Anfänger" im Kino zu sehen. Zur gleichen Zeit erlitt er einer Herzmuskelentzündung. In dem Drama "Kleine Morde" (2012) mimte er seine letzte Rolle als Zeuge neben Ann-Kathrin Kramer und Uwe Ochsenknecht. Im Mai 2012 verstarb Günther Kaufmann mit 64 Jahren während eines Spaziergangs in Berlin. Zuvor hatte er geplant, sein Leben mit sich selbst in der Hauptrolle zu verfilmen. Der Titel sollte "Die zweite Garnitur Gottes" lauten.

Weitere Filme mit Günther Kaufmann: "Warum läuft Herr R. Amok?" (1969), "Das Kaffeehaus", "Rio das mortes", "Pioniere in Ingolstadt" (alle 1970), "Ludwig II - Requiem für einen jungfräulichen König" (1972), "Der Sieger von Tambo", "Im Auftrag von Madame" (TV-Serie, beide 1973), "1 Berlin-Harem" (1974), "Depressionen" (1975), "Mulligans Rückkehr", "Es muss nicht immer Kaviar sein" (TV-Serie, beide 1977), "Aussagen nach einer Verhaftung auf Grund des Gesetzes gegen Unsittlichkeit", "In einem Jahr mit 13 Monden", "Die Ehe der Maria Braun" (alle 1978), "Die dritte Generation" (1979), "Der Alte - Schwarzer Montag" (1981), "Kamikaze 1989", "Die wilden Fünfziger" (beide 1982), "Der eiserne Weg" (TV-Serie, 1985), "Beim nächsten Mann wird alles anders" (1988), "Harry & Sunny" (TV-Serie, 1993), "Unsere Schule ist die Beste" (TV-Serie, 1994-1995), "Der Kapitän" (TV-Serie, 1996), "Tierarzt Dr. Engel" (TV-Serie, 1997), "Der König - Dr. med. Mord" (TV-Serie), "Wie stark muss eine Liebe sein" (beide 1998), "Jahrestage" (TV-Miniserie, 1999), "Café Meineid - Die Anderen" (TV-Serie, 2000), "Der Elefant - Mord verjährt nie" (TV-Serie, 2005), "Weiße Lilien" (2007), "SOKO Leipzig: Verloren in Afrika" (2008), "Für meine Kinder tu' ich alles" (2009), "Homies", "Jerry Cotton" (beide 2010), "Scharfe Hunde" (TV-Serie, 2011).

Text: Maren Selbst


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