Ivan Desny

Galan und Film-Bösewicht mit besten Manieren: der
französische Kosmopolit und Schauspieler Ivan Desny Vergrößern
Galan und Film-Bösewicht mit besten Manieren: der französische Kosmopolit und Schauspieler Ivan Desny
Ivan Nikolai Desnitskij
Geboren: 28.12.1922 in Peking, China
Gestorben: 13.04.2002 in Ascona, Schweiz

Internationales Flair und weltmännische Eleganz zeichneten den Sohn eines russischen Botschaftssekretärs in Peking und einer Schwedin aus. Sein markanter Schnäutzer und die grau-melierten Schläfen unterstrichen das Bild vom perfekten Gentleman. So wurde der Weltenbürger mit französischem Pass seit seinem Filmdebüt in "Madeleine" (1949) zum gefragen Darsteller, wenn es galt, den Liebhaber und Frauenschwarm, den Offizier und honorigen Botschafter, Grafen, Baron oder den Film-Bösewicht aus den oberen Etagen zu spielen, der sich die Finger nicht schmutzig macht.

Mit seinem unverkennbaren Akzent war der elegante Franzose, der sich in den Sechzigern in Deutschland niederließ, im "Tatort" zu sehen (etwa: "Tod im Jaguar" 1996, "Eulenburg" 1997, "Tod vor Scharhörn" 2001). Den bekanntesten Einsatz in dieser Krimi-Reihe aber hatte Desny als Sievers - ein Krimineller mit vorzüglichen Manieren und ein halbes Dutzend Mal Gegenspieler von Zollfahnder Kressin (so u.a. in: "Tatort - Kressin stoppt den Nordexpress". Nie gelang es dem gehetzten Sieghardt Rupp, den "feinen Pinkel, der andere die Drecksarbeit machen lässt", dingfest zu machen. Beinahe so wie Fernando Rey seinen Widersacher "Popeye" Gene Hackman eine Zeit lang in "Brennpunkt Brooklyn" an der Nase herumführte. Auf rund 150 Rollen hat es der verhinderte Jura-Student und frühere Kostümzeichner und Dekorateur mit Schulbildung in Teheran, Washington, Brisbaine und Paris gebracht. Die Vaterrolle in "Scheidung mit Hindernissen" (2001) und der Gastauftritt in der flotten Anwaltsserie "Edel & Starck - Wunderkinder" (2002) gehörten zu seinen letzten im deutschen Fernsehen.

Nach Schauspielausbildung in Paris und einer Rolle am "Théâtre de la Michodiére" wurde Regisseur David Lean 1949 auf ihn aufmerksam und gab ihm die Rolle des sprachgewandten Kosmopoliten in "Madeleine" (1949). Der ihm wie auf den Leib geschriebene Part ließ Desny schnell zum Schwarm der Kinobesucherinnen werden. Michelangelo Antonionis "Die große Rolle", "Lola Montez" (1955) von Max Ophüls und der Fernsehfilm "Schicksalssinfonie" (1961) sind weitere nennenswerte Filme, in denen Desny in den 50er und 60er Jahren mitspielte. In Deutschland beeindruckte er auf der Leinwand erstmals in der Satre-Verfilmung "Die ehrbare Dirne" (1953) als junger, labiler Amerikaner, der sich als politisches Werkzeug zur Vertuschung des Mordes an einem Farbigen missbrauchen lässt. Zu Desnys besten deutschen Filmrollen zählen sein russischer Exilant in "Weg ohne Umkehr" (1953) und sein russischer Offizier Minski in "Dunja"(1955).

Als das tragende Unterhaltungskino von der flotteren "Nouvelle Vague" überholt wurde, ging Desny auf Theatertourneen, unter anderem mit Nadja Tiller, und begann verstärkt für das Fernsehen zu arbeiten. In den Siebzigerjahren trat er in Nebenrollen dann auch wieder auf der Leinwand hervor. Zu Highlights seiner späteren Karriere zählten Auftritte in Rainer Werner Fassbinders "Welt am Draht" und "Die Ehe der Maria Braun" (1978) sowie in der vielbeachteten Serie "Berlin Alexanderplatz" (1980). In Jeannine Meerapfels Spielfilm "Malou" (1980) übernahm Desny neben Ingrid Caven die Hauptrolle. Als Grandseigneur neben Catherine Deneuve und Daniel Auteuil in André Techinés Psychodrama "Diebe der Nacht" (1996). Auftritte in Fernsehkrimis und Serien wie "Das Traumschiff" ergänzten sein Repertoire. 1980 erhielt Desny das Filmband in Gold für sein langjährig hervorragendes Wirken im deutschen Film. Der Franzose lebte seit 25 Jahren bis zu seinem Tod als Hobbymaler im Tessin und war fester Bestandteil der Asconeser Künstlerkreise.

Weitere Rollen in: "Geständnis unter vier Augen" (1954), "Die goldene Pest" (1954), "Herr über Leben und Tod" (1954, nach Carl Zuckmayr), "Mädchen ohne Grenzen" (1955), "Der Postmeister" (1955), "Rosen für Bettina", "Anastasia - Die letzte Zarentochter", "Anastasia" (alle 1956), "Wie ein Sturmwind" (1957), "Skandal in Ischl" (1957), "Alle Sünden dieser Erde" (1958), "Petersburger Nächte" (1958), "Das Leben zu Zweit" (1958), "Ein Frauenleben" (1958), "Der Tag und die Nacht" / "Der zweigesichtige Spiegel" (1958), "Heiße Ware" / "Interpol greift ein" (1958), "Nur wenige sind auserwählt" (1959), "Zarte Haut in schwarzer Seide" (1961), "Geständnis einer Sechzehnjährigen" (1960), "Champagner in Paris" (1962), "Meuterei" (1962), "Sherlock Holmes und das Halsband des Todes" (1962) , "Ist Geraldine ein Engel?" (1963), "Jack und Jenny" (1963), "Der Unsichtbare" (1963), "Frühstück mit dem Tod" (1964), "Geheimnis der Schlangeninsel" (1965), "Heiße Spur Kairo-London" (1965), "Das Liebeskarussell" (1965) "Der Satan lockt mit Liebe" (1960), "Die Dame ohne Kamelien" (1966), "Geliebter Schuft" (1966), "Kriminalmuseum - Die Briefmarke" (1967), "Der Tod eines Doppelgängers" (1967), "Liebesnächte in der Taiga" (1967), "Heißes Spiel für harte Männer" (1968), "Mayerling" (1969), "Tatort - Kressin und der tote Mann im Fleet" (1971), "Die Tote aus der Themse" (1971), "Tatort - Kressin und der Laster nach Lüttich" (1971), "Nocturno" (1971), "Tatort - Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer", "Tatort - Kressin und die Frau des Malers" (beide 1972), "Dem Täter auf der Spur - Kein Hafer für Nicolo" (1972), "Das Phantom mit der Stahlmaske" (1973), "Falsche Bewegung" (1975), "Papiertiger" (1975), "Eroberung der Zitadelle" (1977), "Halbe-Halbe" (1977), "Das Phantom im Mädchenpensionat" (1986), "Blutspur" (1978), "Bestellt - geklaut - geliefert" (1980), "Ich hasse Blondinen" (1980), "Fabian" (1979), "Ein gutes Land" (1982), "Die wilden Fünfziger" (1983), "Flügel und Fesseln" (1985), "Jimmy Allegretto" (1986), "Mrs. Harris fährt nach Moskau" (1987), "Motten im Licht" (1987), "Der Himmel ist fern" (1988), "Schneller als das Auge" (1989), "Guten Abend, Herr Wallenberg" (1990), "Die Entzauberte" (1988), "Die Kupferfalle" (1990), "Ich küsse nicht" (1991), "Mrs. Harris und der Heiratsschwindler" (1991), "Tatort - Gefährliche Freundschaft" (1993), "Tatort - Laura, mein Engel" (1994), "Weihnachtsfest mit Hindernissen" (1994), "Verliebte Feinde" (1995), "Die Eisprinzessin" (1995), "Das Mädchen Rosemarie" (1995), "Sünde einer Nacht" (1996), "Ein Schutzengel auf Reisen" (1997), "Priester im Einsatz" (1997), "Der kleine Dachschaden" (1998), "Rot wie das Blut" (1998), "Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz" (1999), "E-m@il an Gott" (1999), "Anwalt Abel - Der Voyeur und das Mädchen" (2000), "Mister Boogie" (2000).


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