Derek Jarman

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Kultfigur aus Großbritannien: Derek Jarman
Michael Derek Elworthy Jarman
Geboren: 31.01.1942 in Northwood, Middlesex, England, Großbritannien
Gestorben: 19.02.1994 in London, England, Großbritannien

Er war einer der originellsten Filmemacher des Neuen Britischen Kinos, Kultfigur der internationalen Schwulenszene und für viele Zeitgenossen wahrscheinlich Großbritanniens visionärster Filmemacher seit Michael Powell: Derek Jarman. Ob in seinen intimen, scheu-subversiven Kostümdramen oder in seinen experimentellen Kinogedichten: Jarmans Werk war immer ein Gegen-Entwurf zur englischen Tradition der Meisterwerkverfilmungen und eine Inspiration für seine Generation.

Jarman studierte zunächst Malerei an der Slade School in London. Sein Interesse an Kostüm- und Bühnenbilddesign brachte ihn zunächst zum Royal Ballet, danach zum Coliseum, wo er 1968 an einer Don-Giovanni-Inszenierung beteiligt war. Seine erste Filmarbeit wurde das Produktionsdesign von Ken Russells "Die Teufel" (1970). 1975 schließlich gab er mit "Sebastiane" sein Regiedebüt, 1977 folgte "Jubilee", der auch auf den Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde. "The Tempest", eine eigenwillige Adaption von Shakespeares "Der Sturm", lief 1979 auf der Berlinale.

Anfang der Achtzigerjahre drehte Jarman mehrere Kurzfilme, u.a. ein Musikvideo für Marianne Faithfull. 1984 veranstaltete das Londoner Institute of Contemporary Arts eine Retrospektive mit Jarmans Bildern, im gleichen Jahr entstand der durch eine Reise in die Sowjetunion angeregte Kurzfilm "Imagining October". Außerdem stellte er Entwürfe für ein Ballett von Micha Bergese fertig und veröffentlichte sein erstes Buch, das autobiografische "Dancing Ledge".

1986 feierte "Caravaggio" auf der Berlinale seine Uraufführung und gewinnt einen Silbernen Bären für seine künstlerische Gestaltung. Die Vorbereitung und Realisierung dieses Projekts kostete Jarman sieben Jahre, brachte ihm aber auch erstmals internationale Beachtung, vor allem in den USA, wo er danach als wichtigster innovativer Filmemacher gefeiert wurde. Im gleichen Jahr erfuhr Jarman von seiner HIV-Infektion. Auf den berüchtigten Clause 28 der Thatcher-Regierung (Verbot der Förderung von Homosexualität in öffentlichen Kontexten) reagierte er mit einer gesteigerten Behandlung des Themas in seinen Filmen.

Im folgenden Jahr entstand "The Last of England" (gleichzeitig als Buch und als Film). Der Film gewann den L.A. Critics Award. 1988 inszenierte Jarman "War Requiem" nach dem Werk Bejamin Brittens, der letzte Leinwandauftritt von Laurence Olivier. 1989 entwarf Jarman die Bühnenshow der Pet Shop Boys-Tour. Es folgte die Produktion von "The Garden", die auch Thema seiner gesammelten Tagebücher ist, die unter dem Titel "Modern Nature" im selben Jahr veröffentlicht wurden und auch verstärkt Jarmans Kampf gegen die Auswirkungen seiner Infektion behandelten. Sein filmisches Werk wurde davon allerdings wenig beeinträchtigt: in den nächsten drei Jahren schaffte er es, in einem einzigartigen Energieausbruch drei Filme fertig zu stellen: "Edward II." (1991), "Wittgenstein" (1992) und "Blue" (1993).

Der letzte entstand trotz einer fortschreitenden Aids-bedingten Erblindung als eine Art "Hörfilm" – die Leinwand bleibt 70 Minuten lang einfach blau. Bei der Uraufführung während des New York Film Festivals im November 1993 erhielt Jarman eine minutenlange stehende Ovation. Am 19. Februar 1994 starb Derek Jarman an den Folgen von Aids.

Foto: Salzgeber


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