Bruce Beresford

Bruce Beresford meint es oft gut in seinen Filmen Vergrößern
Bruce Beresford meint es oft gut in seinen Filmen
Bruce Beresford
Geboren: 16.08.1940 in Sydney, Australien

Seit seinem Oscar-Gewinn mit "Miss Daisy und ihr Chauffeur" (1989) wird Bruce Beresford recht hoch in der internationalen Filmszene gehandelt. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihm an einem markanten Individualstil mangelt. Auch sind seine Filme oft von einem etwas penetranten Glauben an das Gute im Menschen getragen, so daß sich trotz all der ernsthaften Themen, die Beresford gerade in jüngster Zeit gern aufgreift, immer wieder eine üble Sentimentalität und - man muß es sagen - Langeweile breit macht.

Nach seinem Studium in Sydney begann Beresford in der Werbung, bevor er nach London ging. Nachdem er Mitte der Sechzigerjahre zwei Jahre lang als Cutter in Nigeria tätig war, arbeitete er von 1966 bis 1970 beim British Film Institute Production Board, wo er die Produktionsgelder für wissenschaftliche Kurzfilme und Kurzdokumentarfilme verwaltete. 1971 ging er nach Australien zurück. Dort entstand 1972 mit der Komödie "The Adventures of Barry McKenzie" sein erster Spielfilm. 1974 folgte "Barry McKenzie Holds His Own". In beiden Filmen spielte Barry Humphries (Dame Edna) die Hauptrolle.

"Don's Party" (1976) war die Verfilmung eines satirischen Boulevard-Stücks von David Williamson. Geschildert wird der Verlauf einer Wahlparty in einem Vorort Sydneys. Man hofft auf einen Wahlsieg der Labour-Party, der aber ausbleibt. Aus der harmlosen Party wird wegen der allgemeinen Frustration mit der Zeit eine Sex- und Gewaltorgie. In "Lauras Mädchenjahre" (1977) ging es um die Frage, ob durch ein strenges Erziehungssystem der Mensch gebrochen oder seine Individualität gestärkt wird. Ein historisches Gerichtsdrama nach einem authentischen Fall war "Der Fall des Lieutenant Morant" (1979) über Australier, die im südafrikanischen Burenkrieg in einem manipulierten Verfahren abgeurteilt wurden: Beresfords erste von zahlreichen Auseinandersetzungen mit Kolonialismus.

Im Jahr darauf folgte mit "Schmutziges Spiel" Beresfords bestes Werk, ein Football-Film mit Jack Thompson in der Hauptrolle. In diesem Psycho-Drama über den Kleinkrieg zwischen den ehrgeizigen Club-Funktionären und dem Trainer werden die Mechanismen des modernen Sportbetriebs auf spannende Weise behandelt. "Ein bissiger Film über den Zynismus des Sportgeschäfts." (Ponkie, AZ) "Tender Mercies" (1982) mit Robert Duvall, Tess Harper und Ellen Barkin markierte Beresfords Sprung zum Starkino. Die melodramatische Geschichte handelt von einem verkommenen Ex-Country-Star, der in den Armen einer arbeitsamen Frau vom Alkohol loskommt und schließlich auch wieder singen kann. Hier zeigte sich bereits Beresfords schon genannte Harmoniebedürftigkeit.

Es folgte "König David" (1984) mit Richard Gere. Darin ging es anscheinend um eine Art realistischer Darstellung einer Episode aus dem Alten Testament. Verwirrende Erzählstruktur, Humorlosigkeit und ein fehl besetzter Richard Gere ließen den Versuch scheitern. "Verbrecherische Herzen" (1986) mit Diane Keaton, Jessica Lange und Sissy Spacek zeigte drei unterschiedliche Schwestern, die sich im Haus ihrer verstorbenen Eltern treffen und dort zwischen ausgelassener Wiedersehensfreude und hysterischen Ausbrüchen einige Tage verbringen. Noch ein plakatives Plädoyer für gegenseitiges Verständnis und das Gute im Menschen.

1987 zählte er neben Jean-Luc Godard, Robert Altman oder Nicholas Roeg zu den ausgewählten Regisseuren, die einen Beitrag zu dem Episodenfilm "Aria" drehen durften. Sein Kurzfilm, zu einer Szene aus Korngolds Oper "Die tote Stadt" war bei weitem die einfallsloseste und ödeste Episode in einem Film, der insgesamt ohnehin enttäuschte. "Ninas Alibi" (1988) mit Tom Selleck behandelt die Abenteuer eines Krimi-Autors, der sich die Stoffe seiner Detektivromane einfach aus dem wirklichen Leben holt, indem er sich zum Beispiel einer unter Mordverdacht stehenden Frau als Alibi anbietet. "Zu einem Krimi fehlt es dem Film an Spannung, zu einer Komödie an Lockerheit der Darstellung." (multimedia) Doch fairerweise sei angemerkt, daß es freundlichere Kritiken gibt.

Beresfords größter Erfolg war die rührselige Südstaatengeschichte "Miss Daisy und ihr Chauffeur" (1989), für die er einen Oscar erhielt. Bemerkenswert sind allenfalls die Leistungen der Hauptdarsteller Jessica Tandy und Morgan Freeman. Der wieder einmal allzu plakative Umgang mit der hehren Botschaft störte dagegen. "Mr. Johnson" (1991) mit Maynard Eziashi und Pierce Brosnan spielte in der Kolonialzeit und zeigte einen Schwarzen, der weißer als die Weißen sein will. Wie es sich für Beresford von selbst versteht, wurde nicht mit Botschaft gespart, doch die vorgebliche Komödie war schwerfällig, die Darstellerleistungen unbefriedigend.

In kanadisch-australischer Koproduktion entstand der Indianerfilm "Black Robe - Am Fluss der Irokesen" (1991) mit Sandrine Holt. Ein Missionar will den Indianern zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Christentum bringen. "Dass Beresford sich dabei auf keine der beiden Seiten schlägt, spricht für ihn; dass er die Geschichte schleppend in Szene setzt und gelegentlich mit aufdringlichen Symbolen überlädt, macht den Film streckenweise zur Tortur." (Frank Schnelle, tip, 11/92)

Zurück in den USA, drehte Beresford "Auf der Suche nach dem Glück" (1992) mit Kathryn Erbe, Jill Clayburgh, Albert Finney und Kyle MacLachlan. Bei einer scheinbar heilen Südstaatenfamilie geht es drunter und drüber: Die Mutter ist futsch, der Vater depressiv, die eine Tochter ungewollt schwanger, die andere schlicht verzweifelt, weil ihr die Verantwortung für den ganzen Haufen zufällt.

Zum völligen Debakel geriet "Der letzte Held von Afrika" (1993) mit Sean Connery, Joanne Whalley-Kilmer, Diane Rigg und John Lithgow. Wieder nahm sich Beresford des Themas Kolonialismus an, verbreitete aber ein weiteres Mal nur entsetzliche Langeweile: "Ein handlungsmäßig überfrachteter Film, dem es zur anvisierten Satire an Esprit fehlt. Trotz prominenter Besetzung mangelt es auch an profilierten Figuren" (multimedia). "Stummer Schrei" (1994) mit Richard Dreyfuss und Linda Hamilton hätte ein spannender Kriminalfilm werden können, doch die Geschichte eines autistischen Jungen, der Zeuge eines Mordes wird, bezeichnete sogar die "Variety", der noch niemand eine zu kritische Perspektive vorgeworfen hat, als "gut gemeinte aber ungeschickte und langweilige Synthese aus Fallstudie und Thriller."

Ein weiteres schwergewichtiges Thema halste sich Beresford mit "Last Dance" (1996) auf. Sharon Stone spielt darin eine zum Tode verurteilte Mörderin, die sich nach Jahren in der Todeszelle offenbar charakterlich gewandelt hat, aber dennoch nicht begnadigt wird. "Der mehr an den Klischees des Genres als an einer ernsthaften Auseinandersetzung über den (Un-)Sinn der Todesstrafe interessierte Film verschenkt durch seine indifferente politische Haltung und die schauspielerisch überforderte Hauptdarstellerin viel von seinen aufklärerischen Möglichkeiten" (Zoom, 10/96).

Der Film war aber noch Gold gegen "Paradise Road" (1997) mit Glenn Close, Frances McDormand und Johanna Ter Steege. In einem Frauengefangenenlager des Zweiten Weltkriegs helfen sich die Inhaftierten durch lieblichen Chorgesang. Auszüge aus einem ganzen Stapel von Verrissen: "Unnötiges Pathos und inhaltliche Verharmlosungen schmälern den Gehalt des gut besetzten Films allerdings sehr." (Zoom, 11/97) - "Das alles kommt so harmlos leidensfähig daher, dass man den Eindruck hat, ein aufwendiges Dschungel-Casting für die Heilsarmee mitzuerleben." (ID, tip, 24/97) - "Nach einer authentischen Geschichte gedrehter Film, der Leiden und Elend weitgehend ausspart zugunsten einer pathetisch-sentimentalen Inszenierung. Die klischeehafte Figurenzeichnung und der unsensible Umgang mit dem historischen Kontext sind gleichermaßen für das Scheitern des Films verantwortlich", fand sogar der Katholische "film-dienst" (23/97), der sich sonst für gut gemeinte Filme sehr empfänglich zeigt.

Weitere Filme von Bruce Beresford: "Doppelmord" (1999), "Die Windsbraut" (2000), "Evelyn" (2002), "Pancho Villa" (2003), "The Contract" (2006), "Maos letzter Tänzer" (2009).


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