Peter Schamoni

Peter Schamoni
Geboren: 27.03.1934 in Berlin, Deutschland
Gestorben: 14.06.2011 in München, Deutschland

Schon als Kind spielte Peter Schamoni Theater- und Filmrollen. Das Abitur machte er in Münster, um danach in München Literatur, Kunst- und Theatergeschichte zu studieren. Es folgen Dramaturgie- und Regieassistenzen an den Staatstheatern in Stuttgart und München. Sein erster Kurzfilm "Moskau" (1957) erhielt von Bundespräsident Theodor Heuss den Photokinapreis im Wettbewerb "Jugend filmt". Nach seinem Spielfilmdebüt "Schonzeit für Füchse" (Silberner Berliner Bär 1966) sah der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Peter Schamoni, wie er es in einem Interview von 1984 formulierte, keinen Grund mehr. "das Publikum mit meiner eigenen Nabelschau zu belästigen." Der Unterzeichner des Oberhausener Manifests von 1962 ("Opas Kino ist tot") entschloss sich, "das eigene Unbehagen nicht weiter filmisch zu reproduzieren."

Vielleicht eine Motivation, sich der seelischen Disposition anderer, vor allem Kunstschaffender, zuzuwenden: Schon 1963 hatte Schamoni, Sohn eines der ersten Filmwissenschaftler Deutschlands und Bruder des 1998 verstorbenen Regisseurs Ulrich Schamoni, einen Kurzfilm über Max Ernst gedreht. Ein Thema, das er 1991 mit der langen Dokumentation "Max Ernst: Mein Vagabundieren - Meine Unruhe" erneut aufnahm. Schamoni, der auch als Produzent von Kinoerfolgen wie "Zur Sache Schätzchen" (1968) und den Filmen seines Bruders Ulrich "Alle Jahre wieder" (1967) und "Quartett im Bett" (1969, mit "Insterburg & Co"), arbeitete, hat immer wieder mit Kurz- und Dokumentarfilmen seine herausragende Qualität als detailbesessener, kluger und einfühlsamer Dokumentarist bewiesen.

1972 coproduzierte er Niki de Saint Phalles experimentellen Spielfilm "Daddy" und drehte 1974 mit der französischen Künstlerin den Kurzfilm "Drei Nanas für Hannover". Sein Porträt "Hundertwassers Regentag" wurde 1973 von der Academy für den Oscar nominiert. Sechs Jahre vor der Wende wurde seine Zusammenarbeit mit der DEFA an dem Spielfilm "Frühlingssinfonie" (1982) als "kleine Kulturrevolution" bezeichnet. Schamoni realisierte die Liebesgeschichte zwischen Robert Schumann und Clara Wieck an Originalschauplätzen in der DDR.

Zwei Jahre später setzte er die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der DEFA fort und vereinte für seinen Spielfilm "Caspar David Friedrich" Schauspieler aus Ost- und Westdeutschland. 1987 entstand "Die letzte Geschichte von Schloss Königswald", eine Hommage an die alten deutschen Kinostars wie Camilla Horn, Carola Höhn, Marianne Hoppe oder Marika Rökk. Stets interessierten Schamoni "die Selbstzerstörung und Selbstbehauptung des Künstlers". 1995 schuf er den international viel beachteten Dokumentarfilm "Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster ... Du oder ich?" über die schöpferische Liebesgeschichte zwischen Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely.

1998 wurde Peter Schamoni von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste mit der Wilhelm-Hausenstein-Ehrung als "einer der herausragenden Filmemacher unserer Zeit" ausgezeichnet. Aus der Begründung: "Peter Schamoni hat in seinem so umfangreichen wie vielseitigen Lebenswerk bewiesen, dass man auch als Filmemacher pädagogische Absichten und intellektuelle Anspruche verfolgen kann, ohne den Zeigefinger zu erheben und die Aufmerksamkeit seines Publikums zu verlieren." Im Herbst 2000 kam Peter Schamonis Dokumentarfilm "Majestät brauchen Sonne" in die Kinos. 2004 sah man ihn in einer kleinen Rolle in Uli Lommels "Daniel, der Zauberer" an der Seite von "Superstar" Daniel Küblböck. Gelungen ist allerdings Schamonis Dokumentarfilm "Botero - Geboren in Medellin" (2007), der 2008 in die Kinos kam.


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