Carol

  • Meisterlich: Todd Haynes inszenierte mit "Carol" eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen zu einer in dieser Hinsicht undenkbaren Zeit: den 50er-Jahren in den USA. Vergrößern
    Meisterlich: Todd Haynes inszenierte mit "Carol" eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen zu einer in dieser Hinsicht undenkbaren Zeit: den 50er-Jahren in den USA.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Die erste Begegnung zwischen Carol (Cate Blanchett, rechts) und Therese (Rooney Mara) im Kaufhaus: Es knistert! Vergrößern
    Die erste Begegnung zwischen Carol (Cate Blanchett, rechts) und Therese (Rooney Mara) im Kaufhaus: Es knistert!
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Carol (Cate Blanchett) sucht in der Spielzeugabteilung nach einem Geschenk für ihre Tochter. Vergrößern
    Carol (Cate Blanchett) sucht in der Spielzeugabteilung nach einem Geschenk für ihre Tochter.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Harge (Kyle Chandler) will seine Frau nicht kampflos aufgeben und bringt die Tochter mit ins Spiel. Vergrößern
    Harge (Kyle Chandler) will seine Frau nicht kampflos aufgeben und bringt die Tochter mit ins Spiel.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Therese (Rooney Mara) hat sich in die schöne Carol verliebt. Vergrößern
    Therese (Rooney Mara) hat sich in die schöne Carol verliebt.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Carol (Cate Blanchett, rechts) ist verzweifelt. Ihr Mann will das alleinige Sorgerecht für ihr gemeinsames Kind. Therese (Rooney Mara) steht ihr bei. Vergrößern
    Carol (Cate Blanchett, rechts) ist verzweifelt. Ihr Mann will das alleinige Sorgerecht für ihr gemeinsames Kind. Therese (Rooney Mara) steht ihr bei.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Die Liebe zwischen zwei Frauen im Amerika der 50er-Jahre ist eigentlich verboten. Doch Carol (Cate Blanchett, rechts) und Therese (Rooney Mara) treffen sich trotzdem. Vergrößern
    Die Liebe zwischen zwei Frauen im Amerika der 50er-Jahre ist eigentlich verboten. Doch Carol (Cate Blanchett, rechts) und Therese (Rooney Mara) treffen sich trotzdem.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
  • Therese (Rooney Mara, rechts) und Carol (Cate Blanchett) begeben sich auf eine gemeinsame Reise. Vergrößern
    Therese (Rooney Mara, rechts) und Carol (Cate Blanchett) begeben sich auf eine gemeinsame Reise.
    Fotoquelle: ARD Degeto / DCM Film
Spielfilm, Liebesdrama
Törichte Herzen
Von Diemuth Schmidt

Infos
Audiodeskription
Originaltitel
Carol
Produktionsland
Großbritannien / USA
Produktionsdatum
2015
Kinostart
Do., 17. Dezember 2015
ARD
Di., 21.08.
22:45 - 00:35


Todd Haynes inszeniert mit dem Film "Carol" Gefühlskino jenseits des Kitsches mit zwei wunderbaren Hauptdarstellerinnen als Liebespaar.

Wenn Blicke und Gesten die Dialoge ersetzen, dann können gute Schauspieler ihre Kunst erst richtig zeigen. "Carol" (2015) von Todd Haynes ist ein solches Meisterwerk. Das Drama dreht sich um etwas im Amerika der 50er-Jahre Unaussprechliches: die Liebe zwischen zwei Frauen, die es eigentlich nicht geben darf. Und die auch Carol (Cate Blanchett) und Therese (Rooney Mara) so unbegreiflich scheint, dass sie zunächst keine Worte dafür finden. Erst nach fast zwei Stunden wird er endlich gehaucht, der Satz: "Ich liebe Dich". Der Film wird nun erstmals im Free-TV im Ersten ausgestrahlt.

Was wäre wenn – diese Frage stellte sich 1948 eine noch unbekannte amerikanische Autorin in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses in Manhattan. Die Verkäuferin Patricia Highsmith jobbte dort, als es zu einer bedeutsamen Begegnung kam: Eine elegante Dame im Nerzmantel kauft eine Puppe und macht einen solchen Eindruck auf die junge Frau, dass sie Jahre später sagte, sie habe damals kurz vor einer Ohnmacht gestanden. In ihrem 1952 unter Pseudonym veröffentlichten Roman "Salz und sein Preis", auf dem Todd Haynes' Film beruht, träumt sie von einem Wiedersehen mit der Frau, das in Wirklichkeit nie stattfand.

Die Erscheinung heißt Carol und gehört zur besseren Gesellschaft New Yorks. Im Augenblick des Zusammentreffens im Kaufhaus befindet sie sich in einer schwierigen Phase. Sie will die Scheidung von ihrem Mann Harge (Kyle Chandler) und damit die Befreiung aus einer Ehe, die sie nicht erfüllt. Doch dann trifft sie Therese (Rooney Mara), und es knistert zwischen ihnen. Dieses unausgesprochene Etwas, das zumindest die unerfahrene Therese nicht einordnen kann, kostet Regisseur Todd Haynes genüsslich aus. Es beginnt mit einem Blick, den die umwerfende Cate Blanchett alias Carol der Verkäuferin Therese beim Hinausgehen aus dem Kaufhaus zuwirft. Später wiederholt sie bei einem gemeinsamen Mittagessen – ein Dankeschön für die Zusendung der beim Einkaufen vergessenen Handschuhe – den Vor- und Nachnamen der jungen Frau in einem lasziv-spöttischen Tonfall.

Die Brünette wirkt dabei wie die Unschuld vom Lande, die von einer Raubkatze als nächstes Opfer auserkoren wurde. Doch so einfach macht es sich diese Geschichte nicht. Therese mag zwar rund 20 Jahre jünger sein, doch ihr Einsatz in diesem Spiel der Gefühle ist lange nicht so hoch wie der von Carol. Denn deren Ehemann will seine Gattin so leicht nicht aufgeben. Und er hat einen Trumpf im Ärmel: die gemeinsame Tochter.

Independent-Regisseur Haynes ("Velvet Goldmine", "Dem Himmel so fern", "I'm Not There") hinterfragt in seinem Filmen immer wieder etablierte Ansichten von Identität und Sexualität. Mit "Carol" hat er ein Drama inszeniert, das sich rein optisch perfekt in die Geschichte der großen Hollywoodfilme der 50er-Jahre einreihen könnte – inhaltlich wäre es jedoch undenkbar gewesen. Dieser Ungehörigkeit schlägt dann auch geballte männliche Feindseligkeit entgegen vom Ehemann, dem Anwalt und dem Privatdetektiv, der Carol Sittenwidrigkeit nachweisen soll. Die Frauen scheinen keine Chance zu haben, und doch überrascht der Film mit einem glaubwürdigen Fast-Happy-End.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Carol" finden Sie hier.


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Der Trailer zu "Carol"

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