Zwei Generationen, ein Problem: Omi Lotti (Cornelia Froboess) und Enkelin Eva (Julia Nachtmann) sind unzufrieden mit ihrer Beziehung. Ob ein Italientrip Abhilfe schafft?

Die Beerdigung ihres ehemaligen Chefs stürzt Omi Lotti (Cornelia Froboess) in eine Sinnkrise. Etwas überstürzt fasst sie den Entschluss, ihr Leben umzukrempeln und sich von ihrem Ehemann Heinz (Willem Menne) zu trennen. Der versteht die Welt nicht mehr. Genau wie ihre Enkelin Eva (Julia Nachtmann). Doch die wird von ähnlichen Sorgen geplagt: Die Beziehung mit ihrem Freund Hannes (Bernhard Piesk) läuft nicht so rund. Und dann wird die junge Physiotherapeutin auch noch von ihrem Patienten Tobias (Ulrich Friedrich Brandhoff) angebaggert. Auch sie fühlt sich hin- und hergerissen und weiß nicht mehr, was sie will. Kurzerhand begleitet sie ihre Omi auf dem Weg nach Usedom, um mal für ein paar Tage zu entspannen. Doch dann wird aus dem geplanten Kurztrip an die Ostsee plötzlich ein Roadtrip nach Italien! Das Erste zeigt "Endlich Gardasee" in einer TV-Premiere.

Nach Meran soll's gehen, schließlich ist der titelgebende Gardasee gar nicht so weit entfernt davon. Omi wollte nämlich immer mal dorthin, eigentlich schon in den Flitterwochen. An Lust mangelte es nicht, nur am Geld – "hat ja immer nur für'n Baggersee gereicht!" Doch Eva unternimmt den Roadtrip nicht nur aus altruistischen Gründen. Während ihr eigentlicher Herzbube gerade ohne sie im Ötztal wandert, weilt ihr neuer zurzeit in Meran...

"Endlich Gardasee!" will eine spritzige romantische Komödie sein – das gelingt nur bedingt. Sicher: Cornelia Froboess, die am 28. Oktober ihr 75. Geburtstag vollendet, macht ihre Sache sehr gut. Man muss schmunzeln, wenn sie sich wieder mal über die heutigen technischen Möglichkeiten wundert. Zum Beispiel über Smartphones mit KI-Assistenz: "Das ist ja wie verhext!" Viele Wortgefechte sind herrlich komisch und rasant, etliche Pointen und One-Liner sitzen. Dafür muss man aber auch Kalauer wie "Hallöchen, Popöchen" ertragen. Und das Klischee vom Mann, der nicht kommunizieren kann, und der Frau, die immer erwartet, wortlos verstanden zu werden.

Regisseurin Ulrike Grote und ihre Autorin Sophia Krapoth scheitern daran, Komik und Dramatik zu einem harmonischen Ganzen zu verknüpfen. Es bricht einem das Herz, wenn Heinz Sätze sagt wie: "Was soll ich denn hier – ganz allein?" – Doch die Emotionalität verpufft, weil durch die fröhliche Musik, die den Film zukleistert, immer suggeriert wird: So schlimm wird's schon nicht! Als ernstgemeintes Drama mit ein paar Gags hätte "Endlich Gardasee" möglicherweise besser funktioniert. Auch Evas innerer Widerspruch hätte viel mehr Potenzial gehabt: Sie will nicht werden wie ihre Großeltern, aber trotzdem hofft sie, dass die beiden zusammenbleiben.

Die Beweggründe des Frauenduos sind oft nicht wirklich nachvollziehbar, alles bleibt holzschnittartig, fadenscheinig. Konflikte werden zu leicht gelöst oder überhaupt nicht. Man möchte den Figuren zurufen: So redet doch miteinander! Besonders fragwürdig: Letztendlich steht wieder die Frau als die Dumme oder die Böse da. Das ältere Ehepaar rauft sich natürlich wieder zusammen – war ja alles nur ein Missverständnis! -, und Generation Y weiß mal wieder nicht, was sie will. Das ist biederes Zielgruppen-Fernsehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst