Man kriegt es kaum auf die Reihe: Weil ein Junge einen Schmetterling fangen will und vor ein Auto rennt, das bremsen muss, kommt die Frau des Kommissars zu spät auf ihre Bank, gerät dort in einen Überfall und wird erschossen ... Und das ist erst der Anfang!

Ein animierter blauer Schmetterling flattert durchs Bild, ein Junge rennt ihm auf der Straße nach – und verursacht einen Auffahrunfall, in dessen Folge die Frau eines Kommissars zu spät zu einem Banktermin kommt. Löst der Schmetterling eine Kette von Wirkungen aus? Fällt in China etwa ein Reissack um? – Das nicht gerade, aber die Frau gerät durch die Verspätung in einen Banküberfall und kommt ums Leben. Ihr Mann, der Kommissar Richard Lenders (Alex Brendemühl), fühlt sich schuldig an ihrem Tod.

Zeitverschiebungen sind in High-Tech-Zeiten eigentlich keine Seltenheit. Wenn also der Kommissar seine Mailbox an macht und seine Frau "Ich plane gerade unsere Reise" sagen hört, ist die Frau vielleicht schon tot. Das Kino kann das sowieso – Zeiten wechseln, Ungleichzeitiges gleichzeitig machen – der Regisseur (und Autor) Johannes F. Sievert wendet solche "Tricks" in seinem Debütfilm "Rewind – Die zweite Chance" (2016, ARTE-Erstsendung) gerne an. Doch er verlässt auch die gewohnten Wege, er will mehr als alles, was das Kino sonst so kann. Der üblichen Aufklärunhgsarbeit eines Kriminalkommissars wird hier jede Menge Science-fiction beigemischt.

Sieben Monate nach dem Schock, den der Tod seiner Frau in ihm verursacht hat, nimmt Lenders seine Arbeit wieder auf. Das Opfer seines neuen Mordfalls heißt Daniel Tiede. Aber was hat das schon zu bedeuten, wo das Opfer doch in der "linken Gehirnhäfte" einen Chip trägt, der auf eine ganz andere Identität schließen lässt. So viel jedenfalls haben wir unter anderem aus "The Bourne Identity" gelernt. Und dann erst die Festplatte, die im Wald vergraben ist und merkwürdige Formeln birgt: Was, ja was hat das alles zu bedeuten?

Die Nachforschungen treiben den armen Richard Lenders und seinen Partner Marc (Max von Pufendorf) in einen ganz anderen Film hinein, in dem es um Quantenphysik, um die Überwindung von zeitlichen Dimensionen geht (um das gute alte Wort "Zeitreise" einmal nicht zu gebrauchen). Marc und Richard landen jedenfalls in einem Labor, in dem sie die Quantentheorien nur so um die Ohren gehauen bekommen. Theoretisch sei ja alles möglich – die ganze Welt offensichtlich eine einzige Relativitätstheorie. Der Nutzen? – Geschenkt. Aber vielleicht könnte man wenigstens den Mord in der Bank rückgängig machen, indem man Zeit und Welt auf Reset stellt.

Die Physik-Nerds im Unikeller in ihren weißen Kitteln machen ihre Sache durchaus gut, besonders Sylvia Hoeks, einst Europas Nachwuchs-Shootingstar wirkt recht vertrauenserweckend, wenn sie mit ihrem holländischen Akzent in der Alexa-Stimme die Reise der Teilchen und Körper durch die Zeit erklärt. Dabei sind die Experimente am selbstgebauten Teilchenbeschleuniger durchaus rührend. Mal gibt's eine Explosion wie im Labor von Frankenstein, mal wird mit dem Bleistift ein Apfel durchbohrt, um die Quantenphysik zu erklären.

Aber so recht wollen die Erklärungen der netten Physiker und die Ermittlungen der Kommissare nicht zusammenkommen. Dem Plot fehlt es an Logik, aber auch die angepeilte Genre-Ironie kommt zu wenig rüber. Ein bisschen mehr Lego-Baukasten hätte da nicht gestört. Bleibt am Ende doch wieder nur die gute alte Kinodramaturgie wie in "Lola rennt". Tatsächlich wird die Zeit zurückgedreht. Jetzt ist der Kommissar das Opfer, seine Frau indessen überlebt. – Ein teils fesselndes, aber auch irgendwie verstörendes Film-Experiment, dessen Ergebnis in keinem rechten Verhältnis zum optisch durchaus bewundernswerten Aufwand steht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst