Mùi zieht 1951 als Zehnjährige vom Land in die Stadt Saigon, wo sie im Haus einer Kaufmannsfamilie als Dienstmädchen arbeitet. In der alten Dienstmagd Trung findet Mùi eine treue Freundin, die sie mit gewissenhafter Strenge in die Hausarbeit einweist. Für die Mutter, die vor kurzem ein Kind verloren hat, wird die beflissene Mùi bald zum Tochterersatz. Dennoch bleibt das Leben für Mùi beschwerlich. Die Söhne piesacken das Dienstmädchen mit rüden Späßen, und als der lethargische Vater wieder einmal die Ersparnisse mit anderen Frauen durchbringt, muss die ganze Familie Hunger leiden. Von den Turbulenzen um sie herum kaum berührt, empfindet Mùi große Freude daran, ihre kleine Welt in Haus und Garten genau in Augenschein zu nehmen. Sie beobachtet Ameisen und Frösche und verwendet besondere Sorgfalt auf die Zubereitung der grünen Papaya. Als sich die finanzielle Situation der Familie zuspitzt, wird die nun 20-jährige Mùi an den wohlhabenden jungen Komponisten Khuyen vermittelt. Der Musiker ist vom stillen Wesen M is fasziniert, verliebt sich in sie und ermöglicht ihr so den gesellschaftlichen Aufstieg.

"Der Duft der grünen Papaya" war das Regiedebüt des in Frankreich lebenden Vietnamesen Tran Anh Hung ("Cyclo") und wurde auf dem Filmfestival in Cannes mit der Caméra d'Or ausgezeichnet. Der von der Kritik als "reine Kinopoesie" gefeierte Film besticht durch seine ruhige Kameraführung. Genau und detailliert beobachtete Bilder der nächsten Umgebung, in denen visuelle Strukturen von Holz, Stoffen und üppig grünen Blättern intensiv ausgekostet werden, spiegeln auf spannende Weise das Innenleben der Charaktere.

Foto: Prokino