Wien im Jahr 1987, zur Zeit der Waldheim-Ära: Während der jüdische Emigrant Gebirtig von der Wiener Journalistin Susanne Ressel dazu überredet wird, in seine Heimatstadt zu reisen, um gegen einen ehemaligen KZ-Aufseher auszusagen, muss sich der deutsche Journalist Sachs endlich der quälenden Tatsache stellen, Sohn eines hochrangigen SS-Arztes zu sein. Und der jüdische Kabarettist Danny Demant, in dessen Freundeskreis sich die Kinder von Tätern und Opfern vermischen, besingt seine Heimatstadt: "Einst Welthauptstadt des Antisemitismus, ist Wien heute Vergessenshauptstadt geworden."

1992 erschien der Roman "Gebürtig" des bis dahin nur als Lyriker bekannten österreichischen Autors Robert Schindel, der sich mit seinem Werk in den Olymp der deutschsprachigen Literatur schrieb. "Gebürtig" wurde vielfach ausgzeichnet, unter anderem mit dem "Erich Fried-Preis 1993". Bereits der viel zu früh verstorbene österreichische Regisseur Axel Corti wollte den Roman verfilmen, doch erst sein langjähriger Drehbuchautor Georg Stefan Troller begann 1995 zusammen mit Robert Schindel und Regisseur Lukas Stepanik das Drehbuch zu schreiben. Es basiert im wesentlichen auf der Romanvorlage, lediglich die Figurenvielfalt wurde zugunsten der filmischen Umsetzung zurückgenommen. Wichtig war den Autoren, die stark bildhaft-poetische Sprache des Romans ins Visuelle zu übertragen, was Kameramann Edward Klosinski ("Der große Bellheim", "Sansibar oder Der letzte Grund", "Die Grünstein-Variante") mit eindringlichen und atmosphärisch dichten Bildern gelang.

Foto: Real Fiction