Die schöne wie selbstsichere Philosophiedozentin Paule steht mit beinahe 50 Jahren auf einmal alleine da. Ihre Schwester drängt sie, sich auf einer Internet-Dating-Plattform namens "Verwandte Seelen" anzumelden. Entgegen der Erwartungen verhält sie sich nicht wie eine gereifte Akademikerin, sondern akzeptiert diese Welt der Begegnungen mit Männern, die sentimentaler und romantischer sind als sie. Paule begibt sich in eine virtuelle Welt, an die sie selbst nicht glaubt und die sie als ein Spiel betrachtet, zunehmend fasziniert von den ungeahnten Möglichkeiten mit ständig wechselnden Partnern ihren persönlichen und sexuellen Horizont zu erweitern. Sie trifft auf einen stummen "Alten Atypic 44", einen sanften Psychoanalytiker, einen Unternehmer aus einem Provinzdorf, einen Einwanderer, der von der Tuareg stammt, und auf einen scheinbar perfekten Don Juan. Es sind Männer die, wie Paule, nicht wissen, wohin ihr Leben sie führt ...

Hatte sich Regisseurin Anne Villacèque in ihrem Psychodrama "Riviera" noch gekonnt mit einem Mutter-Tochter-Duo beschäftigt, das sich an der Côte d'Azur unter die Schönen und Reichen mischt, nimmt sie sich in dieser Tragikomödie einer nicht mehr ganz jungen Frau an, die von ihrem Mann verlassen wurde und nun ihre sexuellen Bedürfnisse mit Internet-Bekanntschaften stillen will. Da ist stellenweise zwar komisch und grotesk, dann aber wieder platt und reines Kopfkino. Denn allzu oft fragt sich der Zuschauer, ob die scheinbar zügellose Protagonistin das Geschehene wirklich erlebt, oder ob es nur eine Ausgeburt ihrer Fantasie ist. Derartige Geschichten hat man schon häufiger gesehen, lediglich die französische Charakterdarstellerin Anne Consigny ("Die Frau des Leuchtturmwärters", "36 - Tödliche Rivalen", "Man muss mich nicht lieben", "John Rabe") in der Rolle der Paule gibt dem fürs Fernsehen entstandenen Film ein wenig Tiefe.

Foto: arte F/Jean-Claude Moireau