Ende der 1950er Jahre herrscht in Deutschland das Wirtschaftwunder und die Menschen fühlen sich nach den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren wieder gut, zumal die viele Gräuel der Nazis mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Doch eines Tages taucht der Journalist Thomas Gnielka am Frankfurter Gericht auf und will einen ehemaligen Auschwitz-Wärter anzeigen, der nun offenbar völlig unbehelligt als Lehrer unterrichtet. Der Journalist kommt mit seiner Anzeige nicht weit. Allerdings ist das Interesse des jungen Staatsanwalts Johann Radmann geweckt. Er ist der Einzige, der die Vorgänge aufklären möchte, zumal ihm - wie den meisten anderen Bundesbürgern dieser Zeit - nicht bewusst ist, was einst in Auschwitz geschah.

Rückendeckung von Generalstaatsanwalt

Damit er weiter gegen Nazi-Verbrecher ermitteln kann, bekommt Radmann Rückendeckung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der ihm sogar die Leitung der Ermittlungen überträgt. Während Radmann in seiner neuen Aufgabe völlig aufgeht, vernachlässigt er sein Privatleben.

Die Jagd nach Nazis in Amt und Würden fordert bald Radmanns ganze Aufmerksamkeit. Doch in schier undurchdringlich wirkenden Dickicht aus Lügen, Verleugnung, Schweigen und Verdrängung droht der Jurist sich komplett zu verlieren ...

Georg Friedrich Vogel und Joachim Kügler gewidment

Heutzutage ist es kaum vorstellbar, dass es deutsche Bürger gibt, die nicht wissen, was die Nazis in den KZs getrieben haben. Dieser Umstand ist aber tatsächlich erst jenen Juristen, namentlich Georg Friedrich Vogel und Joachim Kügler als leitende Ermittler, zu verdanken, denen dieser Film gewidmet ist und die im Auftrag des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer erstmals die unvorstellbaren Taten der Nazis gegen enorme Widerstände in den Gerichten öffentlich machten. Eine Vergangenheitsbewältigung innerhalb der deutschen Bevölkerung hätte vielleicht ohne sie nie stattgefunden.

Dass nun dieser Film, der noch einmal die Schrecken des Nationalsozialismus vor Augen führt, erst jetzt in die Kinos kommt, ist immerhin aller Ehren wert. Kinodebütant Giulio Ricciarelli - er inszenierte bislang lediglich vier Kurzfilme - ist hier nach wahren Begebenheiten ein bemerkenswertes Historiendrama gelungen, das nicht nur den Holocaust und dessen Handlanger thematisiert, sondern auch versucht, ein Zeitbild vom Deutschland der Wirtschaftswunder-Zeit zu entwerfen.

Positives Gesamtbild

Dabei greifen zwar die Requisiteure ab und an daneben (zu moderne Möbel oder das Monopoly-Spielgeld aus den Spät-70ern), können aber das positive Gesamtbild des stark gespielten und fotografierten, aber manchmal auch etwas ausufernden Werkes nur geringfügig schmälern. Ein später, aber wichtiger Film, der die Geschichte der jungen Bundesrepublik in einem interessanten Licht zeigt.