Der kleine Léolo wächst in einem Armenviertel in Montreal auf. Der dicke Vater, die liebevoll übermächtige Mutter, die einfältigen Schwestern, der ängstliche Bruder Fernand und der cholerische Großvater - sie alle geben ihm Geborgenheit, engen ihn aber zugleich ein. Und da ist das italienische Nachbarmädchen Bianca, das Léolo aus der Ferne liebt. Um seiner Familie mit ihrem verrückten Marotten zu entkommen, schreibt Léolo sich in eine Traumwelt hinein und hängt seinen Gefühlen zu Bianca nach. Bis eines Tages auch ihn der seltsame Wahnsinn seiner Familie einzuholen droht...

Mit seinem zweiten Spielfilm "Léolo" - nach "Night Zoo" (1987) - erregte der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Jean-Claude Lauzon international Aufsehen und errang bei Kritikern und Publikum gleichermaßen einen durchschlagenden Erfolg. Aufgewachsen ist Lauzon in dem Armenviertel Montreals, in dem auch "Léolo" spielt. Doch statt einer Autobiographie schuf der Regisseur eine autobiographische Phantasie, in der er mit skurriler Übertreibung, sehr bizarren Details - man denke nur an den toten Hund im Hafenbecken, neben dem Léolo seine Tauchkünste zeigt - und schwarzem Humor sich seine Kindheit neu erfand. Triste Realität und surreale Traumsequenzen verbinden sich bei Lauzon zu einem atmosphärisch dichten Bilderrausch voller eigentümlicher und grotesker Momente. Anfang August 1997 stürzte Jean-Claude Lauzon in seiner Cessna bei einem Unwetter ab. Er wurde nur 44 Jahre alt.