England im Jahr 1909: Maurice beginnt sein Studium am altehrwürdigen College in Cambridge. Als er den smarten Clive kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf in ihn. Die beiden jungen Männer geben sich ihren homoerotischen Schwärmereien hin. Auf Wunsch von Clive bleibt die Beziehung jedoch rein platonisch, da er sich vor gesellschaftlicher Ächtung fürchtet. Auch nach dem Studium halten die Freunde engen Kontakt. Dies ändert sich schlagartig, als ein gemeinsamer homosexueller Bekannter wegen Sittenverstoßes verhaftet und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird. Aus Angst vor einem ähnlichen Schicksal distanziert sich Clive von Maurice und flüchtet sich in eine standesgemäße Heirat ...

Ein Jahr nach dem Erfolg von "Zimmer mit Aussicht" verfilmte James Ivory erneut einen Roman von Edward Morgan Forster und wurde dafür mit dem Silbernen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet. Die Thematik von "Maurice" ist brisant: Die Geschichte der Selbstfindung eines jungen homosexuellen Mannes in einer Zeit, in der Homosexualität als Sittenwidrigkeit geahndet wurde, hat stark autobiografische Züge. Nicht ohne Grund hielt Forster den in den Jahren 1913 bis 1914 geschriebenen Roman ein halbes Jahrhundert vor der Öffentlichkeit geheim und verfügte dessen posthume Veröffentlichung. Er widmete das Buch "einer glücklicheren Zeit". Die ausführlichen Beschreibungen der Gefühle und Gedanken des Romanhelden Maurice zeugen von der persönlichen Betroffenheit des Autors. Hervorragend sind auch die beiden Hauptdarsteller Hugh Grant und James Wilby, die in Venedig jeweils als beste Schauspieler gekürt wurden.

Foto: Kinowelt