Als Rosa Roth die Flure eines Berliner Gerichts betritt, um im Mordprozess gegen den russischen Waffenhändler und Großunternehmer Nikolai Raskow, mit dem sie es schon einmal, in ihrem allerersten Fall vor knapp 20 Jahren, zu tun hatte, auszusagen, ahnt sie noch nicht, dass dieser Fall auch ihr letzter sein wird. Im Zentrum der Ermittlungen steht aber zunächst gar nicht die Mordanklage gegen Nikolai Raskow, sondern die rätselhafte Entführung von Maria Fassner. Sie ist die Gattin des Speditionsunternehmers Fassner. Ein Unbekannter hat sie seit drei Tagen in seiner Gewalt und fordert ein Lösegeld von 100 000 Euro. Rosa Roth und Markus Körber können nicht verhindern, dass es dem Täter auf überaus raffinierte Weise gelingt, bei der Lösegeldübergabe unerkannt mit seiner Beute zu verschwinden. Die Indizien deuten bald darauf hin, dass es sich bei dem Entführer um den Taxifahrer Stefan Gruber handelt. Er hat mit Teilen des Lösegeldes Flugtickets für sich und seine kleine Tochter Deborah, die bei der Familie Deinhardt als Pflegekind lebt, gekauft, um sich mit dem Kind in die USA abzusetzen. Bei der nächtlichen Verhaftung des mutmaßlichen Entführers kommt es zu einer Verkettung tragischer Umstände. Als Rosa Roth und Markus Körber Grubers Haus mit gezogenen Waffen betreten, überschlagen sich die Ereignisse. Dann fällt ein Schuss auf Körber, Rosa schießt zu dessen Verteidigung in die Richtung des Schützen und trifft Grubers Tochter Deborah. Ihre Verletzung ist so schwer, dass es mehr als zweifelhaft erscheint, ob das Mädchen überleben wird. Für Rosa ist von diesem Moment an nichts mehr, wie es war. Sie flüchtet wie in Trance an die Ostsee, um wenigstens für ein paar Momente ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen, bevor sie sich der Internen Ermittlung stellen muss …

Bereits im Oktober 2012 teilte Iris Berben mit, dass sie nach reiflicher Überlegung beschlossen habe, das Kapitel "Rosa Roth" zu beenden. "An der Spitze des Erfolges sollte man aussteigen", sagte seinerzeit die vielfach ausgezeichnete Darstellerin. "Wir haben Rosa enorm lange am Leben erhalten. Ich wollte einen klaren Strich ziehen – das hat auch etwas mit dem Respekt vor der Rolle zu tun." Fast 20 Jahre stand sie als Berliner Kriminalhauptkommissarin vor der Kamera und konnte all die Jahre solide Quoten vorweisen, auch Dank der Regie von "Rosa Roth"-Dauerregisseur Carlo Rola, der nach einem Streit mit Produzent und Berben-Sohn Oliver für weitere gemeinsame Arbeiten nicht mehr zur Verfügung stand. Zwar hatten sich zwischenzeitlich immer wieder auch Längen und Wiederholungen eingeschlichen, doch dieser letzte, 31. Fall von Krimiroutinier Hannu Salonen ("Verbrechen nach Ferdinand von Schirach - Fähner", "Tatort - Eine Handvoll Paradies") nach einem Drehbuch von Thorsten Wettcke ("Tatort - Auf der Sonnenseite", Rosa Roth - Das Angebot des Tages") zeigt Iris Berben noch einmal von ihrer besten Seite. Mal verletzlich, mal zupackend beweist Berben noch einmal die unterschiedlichen Facetten ihres schauspielerischen Könnens. Gelungen ist auch die intelligente Verknüpfung mit dem ersten Fall "Rosa Roth - In Liebe und Tod".

Foto: ZDF/Stephanie Kulbach