Ed Harris

Mal zart, mal hart: Ed Harris. Vergrößern
Mal zart, mal hart: Ed Harris.
Fotoquelle: Jaguar PS/shutterstock.com
Ed Harris
Geboren: 28.11.1950 in Tenafly, New Jersey, USA

Eine kleine Rolle in Michael Crichtons bitterbösem Organspende-Albtraum "Coma" (1978) machte sein Gesicht unter den Talentsuchern bekannt: der Mann mit dem kantigen Gesicht und den stechenden Augen ist der Prototyp für die Rolle des kaltschnäuzigen Killers, des entschlossenen Militärs, der bis zum Letzten geht oder aber des Unentschiedenen, der sich leicht beeinflussen lässt, vor allem, wenn es um Vorteile geht.

Und solche Rollen spielt er auch: in Roger Spottiswoodes eindringlichen Politthriller "Under Fire" (1982) ist er der Söldner Mulkey Oates, der für Rebellen, Terroristen und Diktatoren gleichermaßen arbeitet, das heißt für den, der am meisten zahlt. In Louis Malles "Alamo Bay" (1985) ist er der Fischer Shang, der sich den Ku-Klux-Klan-Leuten anschließt und Jagd auf vietnamesische Ansiedler macht.

Als der Abenteurer, Arzt und Anwalt William "Walker" in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als Söldnerführer angeheuert wird, um in Nicaragua amerikanische Befriedung einzuleiten, errichtet dieser eine Schreckensherrschaft, macht sich selbst zum Präsidenten und führt die Sklaverei ein. Die Nachbarn reagieren: Costa Ricas schickt seine Armee, der Auftraggeber schneidet die Versorgung ab und die Briten, deren Kolonialismus Walker ins Gehege kommt, liefern ihn an Honduras aus, wo man ihn hinrichtet. So schrecklich vordergründig der Film (1987) des ehrgeizig talentierten Alex Cox ("Repoman" und "Sid and Nancy") und des Außenseiters Rudolf Wurlitzer ("Asphaltrennen", "Candy Mountain") ist, Ed Harris ist als Walker ausgezeichnet.

Im Rahmen seines Spielraums überrascht er immer wieder durch ganz zarte, weiche Züge, die sich ganz rasch verhärten und im Abstoßenden enden können. Das spürt man auch in David Jones' "Jacknife - Vom Leben betrogen" (1988), wo er als Gegenspieler von Robert De Niro und Kathy Baker einen Vietnam-Veteranen spielt, der nur noch von Hass und Verbitterung getrieben ist. In James Camerons Sciencefiction-Schocker "Abyss - Abgrund des Todes" (1989) ist er der heroisch entschlossene U-Boot-Kapitän, der sich sich eben so cool gegen einen Irre gewordenen Untergebenen behauptet, wie gegen die zahlreichen möglichen Katastrophen und die Begegnung mit Außerirdischen.

In Peter Weirs hochgelobter TV-Satire "Die Truman Show" (1998) gibt Harris eine ausgezeichnete Vorstellung als zynischer Regisseur: Ein junger Mann (Jim Carrey) weiß nichts davon, dass sein ganzes 30-jähriges Leben bislang eine Nonstop-TV-Show war, die nach einem festen Drehbuch abläuft. Als er zu ahnen beginnt, dass er in einem riesigen Studio lebt, rebelliert er. Harris als sein Regisseur setzt alle Mittel ein, um die quotenträchtige Soap am Leben zu erhalten. Ed Harris hat an der Staatlichen Oklahoma-Universität Schauspielunterricht belegt und ging dann ans California Institute of the Arts. Am Off-Broadway hat er großen Bühnenerfolg und mehrere Preise gewonnen. Verheiratet ist der wenig skandalträchtige Harris bereits seit 1982 mit Kollegin Amy Madigan, mit der er eine Tochter hat.

Mit dem Drama "Pollock" gab Ed Harris 2000 schließlich sein Regiedebüt, in dem er auch den eigenwilligen Maler Jackson Pollock verkörperte. Für sein brillantes Spiel wurde er 2001 für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert, musste sich aber Russell Crowe in "Gladiator" geschlagen geben. Zuvor war er bereits zweimal für den wichtigsten Filmpreis nominiert gewesen: 1996 als bester Nebendarsteller in Ron Howards "Apollo 13" und 1999 für seine oben bereits erwähnte Rolle in "Die Truman Show". 2003 folgte erneut eine Nominierung als bester Nebendarsteller, dieses Mal für sein Spiel in Stephen Daldrys Drama "The Hours" (2002), doch wieder ging Harris leer aus. Seine zweite Regiearbeit inszenierte er schließlich 2008 mit einem lang ersehnten Wunschprojekt, dem Western "Appaloosa".

Weitere Filme von Ed Harris: "Howard Hughes - Eine Legende" (1977), "Die Aliens kommen", "Der Grenzwolf" (beide 1980), "Ritter auf heißen Öfen", "Dream On" (beide 1981), "Creepshow" (1982), "Der Stoff, aus dem die Helden sind", "Liebe auf Zeit" (beide 1983), "Ein Platz im Herzen", "A Flash of Green" (beide 1984), "Codename: Emerald", "Der süße Traum vom großen Glück" (beide 1985), "Der Mörder im Zwielicht" (1987), "Der Priestermord" (1988), "Im Vorhof der Hölle", "Tollwütig" (beide 1990), "China Moon - Eine heiße Affäre", "Glengarry Glen Ross" (beide 1991), "Dirty Tricks" (1992), "Die Firma", "Needful Things - In einer kleinen Stadt" (beide 1993), "Im Sumpf des Verbrechens", "Stephen King's The Stand", "Taschengeld" (alle 1994), "Nixon - Der Untergang eines Präsidenten", "Eye For An Eye - Auge um Auge" (alle 1995), "The Rock - Fels der Entscheidung", "Absolute Power", "Lassiter - Erbarmungslos und gefährlich" (1996), "Seite an Seite" (1998), "The Third Miracle" (1999), "Waking the Dead", "The Prime Gig", "Duell - Enemy at the Gates" (alle 2000), "Buffalo Soldiers", "Just a Dream" (Erzähler), Ron Howards A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", "Army Go Home!" (alle 2001), "The Human Stain", "Sie nennen ihn Radio", "Der menschliche Makel" (alle 2003), "Empire Falls" (2004), "A History of Violence", "Ein Winter in Michigan" (beide 2005), "Dirt Nap", "Klang der Stille" (beide 2006), "Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel", "Das Vermächtnis des geheimen Buches", "Cleaner - Sein Geschäft ist der Tod" (alle 2007), "The Way Back - Der lange Weg" (2010), "Ein riskanter Plan" (2011), , "Pain & Gain", "Snowpiercer" (beide 2013).


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