Anthony Perkins

Ich bin doch kein Mörder! Anthony Perkins in
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Ich bin doch kein Mörder! Anthony Perkins in seiner Paraderolle als Norman Bates
Anthony Perkins
Geboren: 04.04.1932 in New York City, USA
Gestorben: 12.09.1992 in Hollywood, Kalifornien, USA

Anthony Perkins, der schüchterne, große Junge mit dem nervösen Mundwinkelzucken, gehört zu einer Reihe psychisch angeschlagener oder gebrochener Jungmänner Hollywoods, die das althergebrachte Männerbild à la John Wayne in den 50er Jahren nachhaltig in Frage stellten. Der Mann fiel plötzlich aus der Rolle des "starken Geschlechts", Gregory Peck, James Dean, Marlon Brando oder Anthony Perkins durften plötzlich weinen, konnten Vater- oder Mutter-Probleme haben, daran zugrunde gehen oder nicht. Der Auftritt jener oft neurotisch gestörten, jungen Anti-Helden markiert einen bedeutsamen Wendepunkt in der öffentlichen Bewusstseinsgeschichte: die Zerrüttung des herkömmlichen maskulinen Rollenbilds; und zugleich mit dem Siegeszug der Erkenntnisse Sigmund Freuds den Eintritt der Psychoanalyse ins Gemeinwissen.

Keiner hatte die Invasion der seelischen Störung ins Alltags- oder Bürger-Leben perfider und raffinierter ausgemalt als Hitchcock: In "Psycho" (1960) ist ihm Anthony Perkins die höchst willkommene Kristallisationsfigur für einen mörderischen Ödipus-Komplex. Von diesem seinem verstörend größten Erfolg hat sich Perkins offenbar nie ganz lösen können. Einmal auch als Regisseur spielt und dreht er die Fortsetzungen Psycho II (1982), Psycho III (auch Regie, 1986) und IV (1990) wie ein Besessener, bis der Stoff ausgewrungen ist auf den letzten Tropfen.

Geboren wird er 1932 in New York als Sohn des Broadway-Schauspielers Osgood Perkins. Dieser stirbt früh, die enge Beziehung des Kindes Anthony zu seiner Mutter soll ihm die Beziehung zum anderen Geschlecht erschwert haben. Perkins studiert, spielt schon früh auf der Bühne und im Fernsehen. 1954 hat er einen großen Erfolg in dem Drama "Tea and Sympathy", einem Stück, das sich mit damaliger Vorsicht das Problem Homosexualität zum Gegenstand nimmt. Sein erster bedeutender Film, "Lockende Versuchung" von William Wyler, bekommt 1955 in Cannes eine Goldene Palme.

Sympathisch, verletzlich und scheu, spielt er meist Männer in Extremsituationen, und zwar häufig in außer amerikanischen Milieus. "Das letzte Ufer" (1959, mit Fred Astaire) ist in Australien angesiedelt, nach dem die andere Hemisphäre verwüstenden Atomschlag. "Lieben Sie Brahms?" (1960, mit Ingrid Bergman und Yves Montand) hat - nach einem Roman von Françoise Sagan - Paris als Schauplatz. In Frankreich dreht Perkins ferner "Am Ende aller Wege" und "Die dritte Dimension", bis Orson Welles ihn ebenfalls dort für eine Hauptrolle in "Der Prozess" nach Kafka besetzt.

"Brennt Paris?","Der Champagner-Mörder" und "Der zehnte Tag" sind ebenfalls französischer Provinienz; "Mord im Orient-Express" nach Agatha Christie selbstverständlich britisch. 1976/77 steht Perkins als Psychiater auf der Bühne in Peter Shaffers Drama "Equus". Zwar hat Perkins immer wieder bedauert, dass er aufs Rollenfach des schüchternen Mörders festgelegt worden sei, doch hat er seine Berufung als Schauspieler auch einmal als "Zuflucht" bezeichnet: "Ich wollte nicht selbst etwas werden, aber ich fühlte mich wunderbar glücklich, jemand anders zu sein."

1990 hat man bei Perkins, der mit einer Fotografin verheiratet war, - seine Söhne heißen Osgood und Elvis - das AIDS-Virus gefunden. In einer Erklärung vom Sterbebett formuliert Perkins: "Es gibt viele, die diese Krankheit für eine Rache Gottes halten. Aber ich glaube sie wurde gesandt, um die Menschen Liebe, Verständnis und Mitgefühl füreinander zu lehren. Ich habe von den Menschen, die ich in diesem großen Abenteuer AIDS kennengelernt habe, mehr über die Liebe, Selbstlosigkeit und menschliches Verständnis gelernt als in der mörderischen Ellenbogengesellschaft, in der ich mein Leben verbracht habe." (Zitat nach Sebastian Feldmann)

Weitere Filme mit Anthony Perkins: "Theaterfieber" (1953), "Der Einsame" (1956), "Der Stern des Gesetzes", "Die Nacht kennt keine Schatten", "Fear Strikes Out" (alle 1957), "Heiße Küste", "Die Heiratsvermittlerin", "Begierde unter Ulmen" (alle 1958), "Green Mansions", "Je länger, je lieber" (1959), "Phaedra" (1961), "Une ravissante idiote" (1964), "The Fool Killer" (1965), "Evening Primrose" (1966, TV), "Der Engel mit der Mörderhand" (1967), "Catch 22 - Der böse Trick", "Der Mörder hinter der Tür", "How Awful About Allan" (TV), "Machenschaften" (alle 1970), "Das war Roy Bean", "Play It As It Lays" (beide 1972), "Aus Liebe zu Molly" (1974), "Mahogany" (1975), "Am Anfang weint man", "Die Elenden", "Du wirst noch an mich denken" (alle 1978), "Philadelphia Clan", "Das schwarze Loch", "Zwei Frauen", "Sprengkommando Atlantik" (alle 1979), "Killer aus dem Dunkel" (1980), "Verbannt in die Hölle" (1982), "Die Morde des Dorian Gray" (1983), "China Blue bei Tag und Nacht", "Handlanger des Todes" (beide 1984), "Napoleon and Josephine: A Love Story" (1987, TV-Mehrteiler), "Der Dicke und die Schöne... zum Fressen" (nur Regie), "Schatten des Todes" (beide 1988), "Blut an den Lippen", "Edge Of Sanity - Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (beide 1989), "Im Banne des Grauens", "Ghost Writer" (beide 1990), "Der Mann nebenan", "Los Gusanos no llevan bufanda" (beide 1991) und "Schreie im Wald" (1992).

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