John Sturges

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Bedeutender Westernregisseur: John Sturges
John Eliot Sturges
Geboren: 03.01.1911 in Oak Park, Illinois, USA
Gestorben: 18.08.1992 in San Luis Obispo, Kalifornien, USA

Die Filmkarriere von John Sturges begann mit dem Eintritt in die Trickabteilung der RKO-Studios; er setzte sie fort als Cutterassistent und stieg dann auf zum Produktionsassistenten von David O. Selznick. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ist er Cutter für Dokumentarfilme. Er schloss sich als Captain dem Signal Corps, später dem Air Corps an, wo er eine Reihe von 45minütigen Dokumentar- und Ausbildungsfilmen inszenierte und/oder schnitt. "Thunderbolt", 1944 gemeinsam mit Lieutenant Colonel William Wyler gedreht, ist einer der bekanntesten. Nach dem Krieg ging Sturges zur Columbia, wo er 1946 seinen ersten Spielfilm "The Man Who Dared" drehte. 1949 entstand sein erster Western, "Treibsand", mit Randolph Scott. Sturges bestand die Feuertaufe in dem schwierigen Genre. In den Folgejahren inszenierte er hier einige seiner besten Filme. "Verrat in Fort Bravo" (1953) mit William Holden begründete seinen Ruhm als Westernregisseur: wie er Kampfsituationen und Bewegungsabläufe rhythmisch meisterte, machte Filmgeschichte. Später in "Zwei rechnen ab" (1957) hat er das noch perfektioniert.

Seit den 50er Jahren galt Sturges neben Anthony Mann, John Ford, Howard Hawks, William A. Wellman, Budd Boetticher und Delmer Daves als einer der besten und wichtigsten Westernregisseure. Arbeiten wie "Das Geheimnis der fünf Gräber" (1956), "Der Schatz der Gehenkten" (1957) und "Der letzte Zug von Gun Hill" (1958) zählen dazu. Auch "Stadt in Angst" {1954) mit Spencer Tracy und Robert Ryan arbeitet mit Westernmotiven. Der Film wird gerne mit "Zwölf Uhr mittags" verglichen. Auch hier steht ein einzelner gegen eine kleine Stadt: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sucht ein kriegsversehrter Rechtsanwalt in Black Rock nach einem alten Japaner, über den niemand Auskunft geben will. Als Tracy herausfindet, dass der Gesuchte während des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor ermordet wurde, will man den unbequemen Anwalt verschwinden lassen. Denn der ganze Ort hat Dreck am Stecken. Sturges konzentrierte sich in seinem Film ganz auf die Psychologie des Helden und seiner Gegenspieler.

Die Geschichte um Doc Holliday, Wyatt Earp, die Clanton-Brüder und die Schießerei am O.K.-Corral erzählte John Sturges gleich zweimal: 1957 in "Zwei rechnen ab" und 1967 in "Die fünf Geächteten". Es geht um einen heruntergekommenen, versoffenen Zahnarzt, einen Sheriff mit schwarzer Weste und eine Gangsterbande, die die Gegend terrorisiert. Der Stoff wird im ersten Film nicht neu gesehen, Wyatt/Burt Lancaster und Doc/Kirk Douglas sind lediglich ein bisschen heroisiert. Aber zusammen mit John Fords "Faustrecht der Prärie" (1946) ist dies der beste Film über die legendäre historische Situation. Zehn Jahre später beweist John Sturges mit der Fortsetzung "Die fünf Geächteten", dass er noch zu den großen Westernregisseuren Hollywoods zählt. Der Showdown in der Pferdekoppel vollzieht sich ganz nebenbei, und die Helden sind zwar keine schwarzen Schafe, doch James Garners Wyatt und Jason Robards Doc unterscheiden sich nicht von ihren Gegnern. Sie sind kleine, armselige Banditen, der eine mit Sheriffstern, der andere tragikomisch, schwindsüchtig dahinsiechend.

Zwischen beiden O.K.-Corral-Filmen drehte John Sturges andere bedeutende Werke: Bei "Die glorreichen Sieben" (1960) mit Yul Brynner und Steve McQueen exerzierte Sturges vier Jahre vor Sergio Leone, was später den Erfolg des Italowestern begründen sollte. Er transportierte einen Samurai-Film (den berühmten "Die sieben Samurai", 1954) des Japaners Akira Kurosawa eins zu eins in den Weste(r)n: Sturges folgte Kurosawa bis in die Typografie der Personen. Aus den sieben Samurai wurden abenteuerlustige Westerner, die einen mexikanischen Grenzort vor Banditen beschützen. In den 60er Jahren drehte Sturges auch Filme wie "Vierzig Wagen westwärts" (1964) über den berühmten 'Hallelujah Trail': 1867 ist den Leuten in Denver der Whisky ausgegangen. Die Bergleute bangen, und einer macht sich auf, vom fernen Julesburg 40 Wagenladungen zu holen. Doch durstige Lakota, resolute Antialkoholikerinnen und andere Widrigkeiten verhindern, dass die wichtige Fracht ihr Ziel erreicht. Hübsche Gags, routinierte Inszenierung, doch manches ist überpointiert oder ausgewalzt: ein nettes Nebenwerk, mehr nicht.

Später konnte sich auch Sturges nicht dem Sog des Italowestern entziehen. In "Sinola" (1972) ist Joe Kid alias Clint Eastwood Söldner und Kopfgeldjäger, für das entsprechende Geld tut er beinahe alles. Der Italowestern hat Form und Inhalte der amerikanischen Pferdeoper verändert. Anders als Don Siegel, der in "Ein Fressen für die Geier" (1969) den Italowestern-Helden Clint Eastwood für ein ironisches Melodram umfunktioniert, werden bei Sturges die Formen und Inhalte auf das Heimspiel übertragen. Das Drehbuch zu "Sinola" schrieb übrigens jener Elmore Leonard, dessen Romane die Basis der witzigen Thriller "Schnappt Shorty!" (1996), "Jackie Brown" (1997) und "Out of Sight" (1998) bilden.

Sturges' Kriegsfilme wie "Wenn das Blut kocht" (1959) und "Gesprengte Ketten" (1962) waren an der Kasse erfolgreich. Im einen Fall geht es um einen amerikanischen Hauptmann, der im Zweiten Weltkrieg in Burma eine einheimische Truppe im Kampf gegen die Japaner anführt, im anderen um den Ausbruch mehrerer Insassen eines Kriegsgefangenenlagers. Doch hier zeigt sich eher die Schwäche von Sturges: Er interessiert sich mehr für formale Dramaturgie und Strukturen als für die Inhalte. So überwiegt das heroische Moment. Das gilt auch für den thematisch interessanten Astronautenfilm "Verschollen im Weltall" (1969) mit Gregory Peck, ein Film, der in einigen Details bereits das spätere Unglück der "Apollo 13" vorwegnahm. Nach dem Spionagedrama "Der Adler ist gelandet" (1976) versuchte Sturges vergeblich, neue Projekte zu lancieren.

Seit "Stadt in Angst" (1954) nutzte der auf Bilder und Formate bedachte John Sturges auf einzigartige Weise die Cinemascope-Formate. Das gilt auch für die Hemingway-Verfilmung "Der alte Mann und das Meer" (1958). Sturges hatte die Regie von Fred Zinnemann übernommen. Das Resultat ist ein einerseits zwar konventioneller Film, bei dem Sturges jedoch optisch ein Höchstmaß an Virtuosität demonstriert. Daneben drehte Sturges auch einige schwächere Filme wie "Geheimagent Barrett greift ein" (1964), "Eisstation Zebra" (1967) oder das müde John-Wayne-Alterswerk "McQ schlägt zu" (1973).

Weitere Filme von John Sturges: "Die Tote in den Dünen", "Der einsame Champion" (beide 1950), "Kind Lady", "Mordprozess O'Hara" (beide 1951), "Frau in Weiß", "Sekunden der Angst" (beide 1952), "Die goldene Galeere" (1954), "Der scharlachrote Rock" (1955), "Und die Nacht wird schweigen" (1960), "Das Mädchen Tamiko" (1961) und "Wilde Pferde" (1973).

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