Judy Winter

Immer ein wenig geheimnisvoll: Judy Winter Vergrößern
Immer ein wenig geheimnisvoll: Judy Winter
Beate Richard
Geboren: 04.11.1944 in Friedland, Oberschlesien (heute Polen)

Herrlich herb wirkt die Offizierstochter mit den apart schräg gestellten, Augen und dem müde-desillusioniertem Blick unter langen Wimpern. Schonungslose Charakterdarstellungen von der schroff-spröden Oma bis hin zur unterkühlt-arroganten Zicke und undurchsichtige, mitunter leicht blasierte Frauen sind ihr Fach. Aber auch in der Komödie mit hintergründigem Lächeln - schneidender als bei Loriot-Filmpartnerin Evelyn Hamann - ist die vielseitige Schauspielerin zu hause. Sie bringt es inzwischen auf über 100 Rollen in Film, Fernsehen und auf der Bühne.

Ihre Mutter war Tänzerin. Und auch Tochter Beate, die sich nach den verehrten Schauspielerinnen Judy Garland und Shelly Winters den Künstlernamen Judy Winter zulegte, stand zuerst auf der Bühne. Mit 15 Jahren für kurze Zeit als Ballett-Tänzerin, dann, nach Ausbildung in Stuttgart und Vorsprache bei Peter Zadeck in Ulm, als Bühnendarstellerin (Bremen, Trier, London) und seit 1968 auch als Musical-Star ("My Fair Lady", "Hello Dolly", "Schwere Jungs - leichte Mädchen", "Chicago" am Thalia Theater Hamburg). Denn außer mit ihrer dunkel-festen Stimme und verklärter Mimik weiß die Bühnenkünstlerin auch durch Tanz und Gesang zu überzeugen.

1998 schließt sich dieser Kreis auf herausragende Weise. Wahlberlinerin Judy Winter, die es nach dem Krieg nach Hannover, Bielefeld und Heidelberg verschlagen hatte, spielt am Residenztheater und in Gastspielen den gefeierten Weltstar Marlene Dietrich. Die Kritiker überschlagen sich. Judys Interpretation der alternden Diva zu mehr als einem Dutzend Marlene-Liedern, zieht das Publikum seit Jahren in ihren Bann. Nach dem Theater-Erfolg in Wedekinds "Frühlings Erwachen" in London 1966 war Judy Winter kurzzeitig für den deutschen Film und schließlich ungleich mehr für das Fernsehen gefragt. Erste Filmrolle: "Drei Tage bis Mitternacht" (1967). Es folgten der Krimi "Inspektor Perrak greift ein" (1970), "Der Lord von Barmbeck" und die Simmel-Verfilmungen "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (1971) und "Liebe ist nur ein Wort" (1971). Ferner: "Angst" (1978), nach einer Erzählung von Stefan Zweig. Im Fernsehen sieht man Judy Winter vorzugsweise im TV-Spiel und Krimi-Serien wie "Derrick", "Der Kommissar" und in "Tatort"-Folgen, etwa: "Tatort - Reifezeugnis" oder "Tod eines Einbrechers" (1975). 1981 spielt sie mit Lilli Palmer in "Kinder" und die Titelrolle in "Frau Dr. Johnson". 1982 ist sie Cäcilie in Goethes "Stella" und 1983 übernimmt sie die Rolle der Florence in dem Krimi "Die Falle" (1983). Dann dreht sie "Das schöne Ende dieser Welt" (1983), einen Science-Thriller von Rainer Erler.

1985 übernahm sie in der Komödie "Unser Haus reicht nur für drei" die Rolle der Tochter Gisela. 1986 agierte sie als italienische Produzentin in "Jimmy Allegretto". Als Cosima in dem ARD-Fünfteiler "Ausgestoßen" (1986), der sich um einen in der Parfumbranche tätigen südfranzösischen Familienclan drehte. Ende Juli 1986 begannen mit Judy Winter die Dreharbeiten zur zwölfteiligen Serie "Der Schatz im Niemandsland". Anfang 1987 kam sie ins Erste mit "Brücke am schwarzen Fluss". Im selben Jahr übernahm sie die weibliche Hauptrolle im TV-Spiel "Ein ungleiches Paar". 1992 zeigte das ZDF den zweiteiligen Fernsehfilm "Tod auf Bali" mit Judy Winter in der Rolle der Psychologin Senta Frensdorff und 1994 war Judy Winter in den TV-Produktionen "Ein unvergessliches Wochenende... auf Capri" zu sehen.

Judy Winter setzt sich seit vielen Jahren für HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen in ganz Deutschland ein. 1999 adoptierte sie einen 28-jährigen Schauspielkollegen als Sohn und späteren möglichen Vormund. Als Synchronsprecherin lieh sie ihre Stimme u.a. Liv Ullmann, Faye Dunaway, Annie Girardot, Mireille Darc und Vanessa Redgrave.

Weitere Filme: "Die Weibchen" (1970), "Das gelbe Haus am Pinnasberg" (1970), "Hamburg Transit" (1970), "Sonderdezernat K1 - Kassensturz um Mitternacht" (1972), "Sonderdezernat K1 - Sackgasse" (1972), "... aber Jonny!" (1973), "Im Zeichen der Kälte", "Van der Valk und die Reichen" (beide 1973), "Derrick"-Episoden "Das Bordfest", "Hoffmanns Höllenfahrt" (beide 1974), "Frau von Bebenburg" (1974), "Im Hause des Kommerzienrates", "Schließfach 763" (beide 1975), "Die Eingeschlossenen" (1978), "Ein Kongreß in Berlin", "Glücksucher", "Nathan, der Weise" (alle 1979), "Der Mann, der sich in Luft auflöste", "Das Traumhaus" (beide 1980), "Der Fall Maurizius" (1981), "Ein Fall für zwei" bei den Episoden: "Alte Pistolen", "Dr. Margarete Johnsohn", Die Stunde des Löwen", "Der Auslöser" (alle 1982), "Ärztinnen", Thriller "Der Besuch", "Geschichten aus Kalmüsel - Zwei schwarze Schafe" (alle 1984), "Le Paria" (1985, neben Charles Aznavour), "Die Brücke am schwarzen Fluss", "Die Fräulein von damals", "Vicky und Nicky" (alle 1986), "Die aufrichtige Lügnerin" (1988), "Tam Tam oder Wohin die Reise geht" (1989), "Dornröschen" (1990), "Gelegenheit macht Mörder", "Vater braucht eine Frau", "Glückliche Reise - Südafrika", "König & Consorten" (alle 1993), "Das fremde Herz" (1994), als gemein-verrrückte Großmutter Dorothea Thorwald in "Wem gehört Tobias?"/"Mit aller Gewalt - Mein Sohn gehört mir", "Club Las Piranjas", "Sterne des Südens" (alle 1995), "Willkommen in Kronstadt", "Ehebruch - Eine teuflische Falle!" (beide 1996), "Alphateam - Die Lebensretter im OP: Rettet mein Kind", "Schmetterlingsgefühle", "Rosenkavalier", "Durch Dick & Dünn" (alle 1997), "Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen: Die Eisprinzessin" (1999), "Kill me softly - Frauenmord in Frankfurt" (2000), "SOKO 5113 - Nach dreißig Jahren", "Sommernachtstod" (beide 2001), "Auch Erben will gelernt sein", "Das böse Mädchen" (beide 2002), "Brücke zum Herzen" (2005), "Neues vom Wixxer" (2007), "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Ein Sommer mit Paul", "Das Echo der Schuld" (alle 2008), "Eine Nacht im Grandhotel" (2010), "Mutter muss weg" (2012).

Zur Filmografie von Beate Richard
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