Linda Fiorentino

Eine Schönheit, die weiß, was sie will: Linda Fiorentino Vergrößern
Eine Schönheit, die weiß, was sie will: Linda Fiorentino
Linda Fiorentino
Geboren: 09.03.1960 in Philadelphia, Pennsylvania, USA

Ohwohl sie noch nicht den Sprung zum Superstar geschafft hat, gehört Linda Fiorentino zweifelsohne zu den ganz großen Könnerinnen und Frauenpersönlichkeiten der amerikanischen Filmszene. Für Regisseur John Dahl stand sie in dem hochgelobten Erotik-Thriller "Die letzte Verführung" (1993) vor der Kamera, in dem der Fleisch gewordene Albtraum aller Ehefrauen ab 50 reihenweise ihre Geliebten ins Jenseits befördert. Ihre Oscar würdige Darstellung der cleveren und durchtriebenen Femme fatale brachte Linda Fiorentino eine Auszeichnung von den New Yorker Filmkritikern als beste Schauspielerin ein.

Ihr Filmdebüt gab Linda Fierentino an der Seite von Matthew Modine in Harold Beckers "Crazy For You" (1985). In Martin Scorseses "Die Zeit nach Mitternacht" (1985) spielt sie eine umtriebige Künstlerin und in Alan Rudolphs nostalgischem Intellektuellendrama "Wilde Jahre in Paris" (1988) eine Frau, die ihrem Ehemann den Laufpass gibt. In William Friedkins nicht gerade gelungenem Erotik-Thriller "Jade" (1995) war sie glatt verschenkt. Den bislang nachhaltigsten Eindruck beim großen Publikum machte sie 1997 in dem weltweitem Top-Hit "Men in Black" an der Seite von Tommy Lee Jones und Will Smith. Ihre Rolle in dem Blockbuster gewann sie angeblich bei einer Pokerpartie mit Regisseur Barry Sonnenfeld, dem sie außerdem 1200 Dollar abgeknöpft haben soll.

Danach folgte die Krimikomödie "Ein heißer Coup" (1999) mit Paul Newman. Fiorentino spielte die Altenpflegerin Carol, die vom langweiligen Kleinstadtleben inklusive Ehemann die Nase voll hat. Als der Schlaganfall-Patient Henry (Newman) vom überfüllten Gefängnis in ihr Altenheim überführt wird, ahnt Carol sofort, dass der angeblich fast komatöse Ex-Bankräuber sich in Wirklichkeit bester Gesundheit erfreut. Doch erst nachdem die Pflegerin ihn samt Rollstuhl in einen Fluss geschubst hat, erwacht Henry zu neuem Leben und Carol entdeckt mit ihm ihre kriminelle Ader. Gemeinsam versuchen sie, die Beute aus dem letzten Coup des Gangsters aufzutreiben. Als dieser Versuch scheitert, wird kurzerhand ein neuer Raubzug geplant. Und Carol nimmt skrupellos Henrys Tod in Kauf, als sie ihn fast ersäuft ...

"Ja, na und?" bekundet Fiorentino Verständnis für ihre Filmfigur. "Sie wusste, dass er wieder auftaucht, das war weibliche Intuition", erklärte sie seinerzeit mit hintergründigem Grinsen. Da ist er wieder, der Albtraum – um kurz darauf in einem herzlichen Lachen zu verschwinden. Apropos Traum, die Schauspielerin leidet seit Jahren unter Schlaflosigkeit. Ihr Image nährte sie dabei konsequent mit Äußerungen der provokanten Art: "Wenn Paul Newman nicht verheiratet wäre, hätte ich definitiv mit ihm geschlafen." Oder: "Wer je einen Orgasmus hatte, täuscht keinen mehr vor." Wahrscheinlich ist es der Widerspruch in ihrer Person, der sie so attraktiv macht. Denn trotz derber Sprüche hat Linda Fiorentino keine Probleme, sich zu ihrer Kindheit als brav katholisches Mädchen zu bekennen: "Ich konnte nicht mal einen Kaugummi klauen. Das hätte ja gegen die Zehn Gebote verstoßen."

Weil die italienisch-stämmigen Eltern Angst hatten, ihre Kinder könnten durch einen Akzent sozial benachteiligt werden, war die Muttersprache zu Hause verboten. Mit dem Ergebnis, dass Linda zwar perfekt Englisch spricht, aber "in Rom gerade mal einen Cappuccino bestellen könnte". Auch ihr weiterer Werdegang war zunächst konsequent auf Erfolg im amerikanischen Wertesystem ausgerichtet. Darum studierte sie Politik und Jura. Und glaubt heute noch, dass sie eine bessere Anwältin als Schauspielerin geworden wäre. Nur glaubt ihr das keiner.

Zu ihren weiteren Filmen gehören: "Gotcha! Ein irrer Typ" (1985), "Wildfire" (1988), der TV-Zweiteiler "Stadt der Spieler" (1989), "Stundenplan einer Verführung", "Shout", "Geboren in Queens" (alle 1991), "Chain of Desire", "Jenseits des Gesetzes" (beide 1992), "Rosen sind tot" (1993), "The Desperate Trail", "Charlie's Ghost Story" (beide 1994), "Mörderischer Striptease" (1995), "Unforgettable" von John Dahl, Howard Franklins "Die dicke Vera" (beide 1996), der Actionfilm "Body Count" (1998) von Robert Patton-Spruill, Kevin Smiths "Dogma" (1999), der Kiminalfilm "Ein ganz gewöhnlicher Dieb - Ordinary Decent Criminal" (1999) mit Kevin Spacey, Mike Nichols' Sciencefiction-Komödie "Good Vibrations - Sex vom anderen Stern" (2000), "Liberty stands still - Im Visier des Mörders" (2002), "Once More with Feeling" (2009).

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