Der Traum von einem schlanken Körper macht auch vor dem Alter nicht halt. Aber der Wunschzustand kann gefährlich werden. Warum?

Eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Wer abnimmt, vermindert zunächst seine Muskelmasse und nicht das Körperfett. Wer sich dann auch noch wenig bewegt, erhöht sein Sturzrisiko. Es steigt somit die Gefahr von Knochenbrüchen. Dazu kommt, dass sich bei Diäten schnell eine Mangelernährung einstellt. Das beobachte ich bei vielen Patienten.

Bei einer Diät kommt es schnell zu einer Unterversorgung mit Vitaminen und Proteinen. Neben Diäten kann es aber noch andere Gründe für Mangelernährung im Alter geben: Geschmacksverlust, Medikamente, veränderter Tagesablauf, ja sogar eine nicht passende Zahn-Prothese. Aber auch Vereinsamung sowie Erkrankungen des Körpers oder der Psyche können eine Ursache sein.

Bei einer Diät kommt es schnell zu einer Unterversorgung mit Vitaminen und Proteinen

Durch den BMI (Body-Mass-Index) wird das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße bestimmt. Liegt der BMI bei einem älteren Menschen unter 20, sprechen Experten bereits von Mangelernährung. Ideal ist im Alter ein Body-Mass-Index von 21 bis 30. Geringes Übergewicht hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Im Gegenteil. Studien zeigen, dass Menschen mit leichtem Übergewicht eine geringere Sterblichkeitsrate aufweisen als Normalgewichtige. Erst wenn Menschen deutlich übergewichtig sind (BMI über 30), stellt dies wieder ein Risiko dar.

Ernährung im Alter sollte deshalb ausgewogen sein. Und immer einen Kompromiss zwischen "bedarfsgerecht gesund" und "bedürfnisgerecht lecker" darstellen. Mein Tipp: einfach großzügig würzen, denn das Geschmacksempfinden nimmt im Alter ab. Da man süß am längsten schmeckt, sei das Stück Kuchen daher nicht nur empfohlen, sondern auch gegönnt. Also: lieber genießen und ein leichtes Übergewicht haben als eine sinnlose und krankmachende Diät halten.