Sängerin Alexa Feser veröffentlicht ihr drittes Album. Ein Gespräch über Melancholie, Poesie und Karriere.

Nach "Ich gegen mich" und der Erfolgsplatte "Gold von morgen" veröffentlicht Alexa Feser am 24. Februar ihr drittes Album "Zwischen den Sekunden". Im Interview mit prisma spricht die 1979 in Wiesbaden geborene Sängerin über Melancholie, ihre Zusammenarbeit mit dem Rapper Curse und die Frage, wie man Geschichten und Emotionen in Songtexte verpackt.

Frau Feser, warum so traurig?

Traurig? Das ist ja komisch! Wieso traurig?

Wenn man Ihr neues Album hört, kann man diesen Eindruck schon bekommen. Das hat etwas sehr Melancholisches.

Aber melancholisch ist doch nicht traurig!

Für dieses Album sind Sie, wie auch schon für das letzte, umgezogen – und es heißt, für das nächste hätten Sie das auch wieder vor. Warum ist das wichtig für Sie?

Ich weiß gar nicht, ob das so wichtig ist. Ich hab das jetzt einfach mal so gemacht und weiß auch nicht, ob ich das immer so machen werde. Ich entscheide da relativ spontan, wobei ich als Künstlerin Bewegung als wichtig empfinde. Bequemlichkeit forciert Stillstand.

Jetzt sind Sie an den Alexanderplatz gezogen. Warum ausgerechnet dahin?

Ich finde die Wohnung erstmal schön – ich finde den Platz aber auch generell sehr spannend. Sehr viel Geschichte, sehr viel, was da passiert ist und noch passiert. Es ist auch nicht immer bequem, da zu leben, und man muss als Künstler auch unbequeme Situationen erfahren, um in Bewegung zu bleiben.

Apropos in Bewegung bleiben: Für das neue Album haben Sie auch mit dem Rapper Curse zusammengearbeitet. Warum ausgerechnet mit ihm?

Ich finde es gut, wenn jemand einen Gegenpart zu mir bildet – auch stimmlich. Ich finde aber, dass er inhaltlich durchaus mit mir auf einer Wellenlänge ist, auch er hat etwas Poetisches in seinen Texten. Dazu kommt, dass er ein sehr spiritueller Mensch ist, sehr bei sich, eine sehr angenehme Person, die man gerne um sich hat.

Was die Poesie angeht, sagen Sie ja auch, dass es das eine sei, Geschichten und Emotionen zu erleben, das Schwierige aber, sie in Texte zu verpacken. Wie geht das?

Das ist ein einsamer Prozess, oder ein Prozess mit Steve van Velvet zusammen, den ich schon seit zehn Jahren kenne, aber wie genau wir das machen, das verrate ich nicht. Das ist ein sehr emotionaler Prozess. Da gibt es auch keinen Masterplan, wie es auch für das Leben keine Anleitung gibt.

Heißt das denn, dass Sie erlebt haben müssen, worüber Sie schreiben und singen?

Sowohl als auch, das kann auch fiktiv sein. Das kommt auf die Stimmung drauf an, auf die Situation, darauf, wie man zu diesem Gefühl kommt. Aber ein Gefühl muss da sein, nur Wörter aneinanderreihen ergibt keinen Sinn.

Sie haben ja schon einiges gemacht, vom Zeitungenaustragen über Jobs als Flugbegleiterin bis hin dazu, dass Sie als Weintraube verkleidet auf Messen gearbeitet haben. Klingt nach einem bunten Leben, aber nicht nach einfacher, steiler Karriere.

Ich finde, das klingt gar nicht bunt. Das ist doch das, was jeder macht, um sein Studium zu finanzieren. Das sind Nebenjobs, mit denen ich mir meine Musik finanziert habe. Das Märchen von jemandem, der auf der Straße entdeckt wird und dann zum Superstar wird, existiert nicht. Fans erarbeitet und erspielt man sich, niemand wird über Nacht berühmt. Talent, Ausdauer, Hingabe und ein starker Wille sind da entscheidend.

Florian Blaschke führte das Interview.