Seit dem bayerischen Volksbegehren "Rettet die Bienen!" redet ganz Deutschland über die fleißigen Pflanzenbestäuber. Fünf junge Männer aus Hamburg haben gehandelt und bereichern mit der Bienenhaltung auf den Dächern ihrer Stadt die Natur in der Metropole.

Normalerweise steht am Anfang eines Projekts die Idee. Bei Thomas Canton (30), Sebastian Domaingue (30), Jean-Baptiste Gros (29), Paul Gros (31) und Benjamin Puech (30) war das anders: Die Jungs, der Karriere wegen nach Hamburg gezogen und über Arbeit sowie Freunde miteinander bekannt, wollten sich gemeinsam sinnvoll engagieren. "Es musste doch andere Freizeitbeschäftigungen geben, als am Wochenende in Cafés und Bars abzuhängen. Aber wir hatten zunächst keine klare Vorstellung, was das sein könnte", schildert Jean-Baptiste Gros. Bis ein Verwandter aus Frankreich zu Besuch kam und ihnen von seinem Hobby erzählte: der Imkerei und der Welt der Bienen.

Der Funke sprang über, in der Folge machten sich die fünf mit dem Thema vertraut. Dabei lernten sie auch eine Menge über das Leben der Bienen – und ihr Sterben. "Wir möchten dazu beitragen, den Menschen die Thematik näherzubringen", sagt Gros. "Und wir möchten mehr Lebensraum für die Bienen schaffen." Wo? Auf den Dächern ihrer Wahlheimat. Entsprechend lautet der Name ihrer Initiative: "There is a bee on the roof " – "Auf dem Dach ist eine Biene".

Das Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll: Hoch über den Straßen Hamburgs stellen die Hobbyimker Bienenstöcke auf . Ende März 2017 eröffneten sie das erste Bienendach. Derzeit betreuen sie drei Standorte in den Stadtteilen Eimsbüttel, Neustadt und Rotherbaum. "Die Dächer müssen geeignet sein. Wir pflanzen nichts extra. Hamburg hat sehr viele Pflanzenarten, aus deren Blüten sich die Bienen versorgen können", sagt Gros. "Es klingt ironisch, aber tatsächlich ist die Vielfalt in Städten oft größer als auf dem Land, wo auf Monokulturen gesetzt wird. Außerdem gibt es im urbanen Raum viel weniger Pestizide, die auch ein Grund für das Bienensterben sind."

Menschen brauchen Bienen

Rund fünf Stunden ihrer Freizeit verbringen die Hobbyimker jede Woche bei den Bienenstöcken, in denen kurz vor der Honigernte bis zu 160.000 emsige Hautflügler summen. Bisher produzierte das Team mehr als 200 Kilogramm Honig – von der Pike auf gelernt von anderen Imkern. Die Gläser verkaufen sie in zwei lokalen Geschäften. "Es ist krass, dass oft Honig aus verschiedenen Ländern gemischt wird. Wir bieten ein lokales Produkt an", sagt Gros. Zwischen März und September wächst das Bienenvolk. Dann stellen die Hamburger zusätzliche Kisten auf. Außerdem pflegen sie die Insekten. "Menschen brauchen Bienen. Und Bienen brauchen leider inzwischen auch Menschen."

Buchhaltung sowie Kommunikation via Facebook und Instagram gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Hobbyimker. Auf Letzteren teilen sie unter anderem Geschichten aus ihrem Alltag mit den Bienen. "Wir haben sogar ein kleines Ranking, wer die meisten Stiche hat", sagt Gros. Sollte "There is a bee on the roof" weiterhin erfolgreich sein, könnte das Projekt in weitere Städte expandieren. Gros ist überzeugt: "Das kann funktionieren. So oder so ist es toll, etwas gemeinsam auf Dächern hoch über der Stadt zu machen – erst recht bei gutem Wetter."