Deutsche Weinbaugebiete bieten weit mehr als nur das ein oder andere Glas

Griechischer Wein ist laut Schlagersänger Udo Jürgens "so wie das Blut der Erde". Der deutsche Rebensaft ist nicht mit einem derartigen Pathos befrachtet. Gleichwohl wussten die alten Römer genau, was sie taten, als sie auf der Suche nach geeigneten Anbaugebieten im Tal der Mosel fündig wurden. Gute Böden und eine durch die Höhenzüge der Mittelgebirge geschützte Lage versprachen gute Qualität und Erträge. Ähnlich klimatisch begünstigt sind die Anbaugebiete an Ahr, Nahe und Saar. Und was für den Weinstock gut ist, weiß auch der Mensch zu schätzen.

Insbesondere die alte Kulturlandschaft entlang der Mosel ist eine beliebte Ferienregion, die sich mit ihrem Abwechslungsreichtum auch für Kurzreisen eignet. Ein Abstecher an die Mosel steht für Entspannung in einer wunderschönen Flusslandschaft mit spektakulären Aussichten, dazu die historischen Städtchen, die Weinberge an der Mittelmosel und die Burgen an der unteren Mosel. Für jeden Geschmack und jedes Alter ist am idyllischsten Fluss Deutschlands etwas zu finden – und für jeden Geldbeutel.

Raus ins Freie und vielfältige Aktivitäten genießen – zwischen dem Deutschen Eck in Koblenz und Trier kommen Naturliebhaber auf ihre Kosten. Ein Kurzurlaub an der Mosel bedeutet mehr als Wanderungen in den Weinbergen. Idyllische Landschaften, romantische Winzerorte und mit Trier die älteste Stadt Deutschlands laden dazu ein, aus dem täglichen Trott auszubrechen und einen klaren Kopf zu bekommen. Und hinter fast jeder Flussbiegung erheben sich historische Burgen, die die lange Geschichte der Region lebendig werden lassen: Eltz, Pyrmont, Cochem , Bernkastel-Kues …

Gerade Bernkastel-Kues bietet als einer der beliebtesten Urlaubsorte an der Mosel viele Möglichkeiten für einen erlebnisreichen Kurzurlaub. In einer malerischen Altstadt voller Geschichte und Kultur warten an jeder Ecke gemütliche Weinstuben, in denen prämierte Weine aus berühmten Lagen ausge

schenkt werden. Winzer laden zu Weinproben ein und bieten Führungen durch ihre Steillagen an. Genießen lässt sich der edle Tropfen im Übrigen auch bei einer Schifffahrt an Bord eines Mosel-Dampfers.

In Sachen Wein und Natur steht die Ahr dem in nichts nach. Wenn von Mitte August bis Ende September bei der Lese in den Weinbergen zwischen Altenahr und Bad Neuenahr reger Betrieb herrscht, zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite. In herbstliche Farben getaucht präsentiert sie ein spektakuläres Schauspiel, das vielfach mit dem „Indian Summer“ in Kanada verglichen wird. Die ausgedehnten Wälder prägen die Landschaft entlang des Flusses, der in Blankenheim im Keller eines Fachwerkhauses entspringt. Von dort schlängelt sich die Ahr durch ein teilweise tief eingeschnittenes Flusstal an steilen Weinbergen und schroffen Felsen vorbei bis zur Mündung in den Rhein bei Sinzig nahe Remagen.

Auf ihrem 89 Kilometer langen Weg von der Quelle bis zur Mündung hat sie dabei kaum ein größeres Gefälle zu überwinden. Radfahrer und Wanderer müssen somit an ihrem Ufer nicht mit anstrengenden Steigungen rechnen. Wer allerdings den Panoramablick über das Ahrtal genießen möchte, muss sich auf kurvenreiche Anstiege einstellen. Ansonsten begleiten idyllische Flussauen und waldige Hänge die Wege zwischen den malerischen Orten, die sich an die Weinbergtrassen schmiegen.

Nicht weniger malerisch sind die nahe der Nahe liegenden Kurstädte Bad Kreuznach mit dem größten Freiluftinhalatorium Europas, Bad Münster am Stein, Ebernburg und Bad Sobernheim. Doch das Nahe-Tal hat Kurzurlaubern noch einen ganz anderen Schatz zu bieten: Edelsteine. Idar-Oberstein gehört zu den größten Zentren der Edelsteinindustrie in Deutschland. Die Faszination der kleinen Steine kann in Museen und Ausstellungen entlang der Edelsteinstraße an der Nahe erlebt werden – oder der Besucher wird in der frei begehbaren Edelsteinmine Schaukelberg selbst zum Schatzsucher.

Ein Schmuckstück ist auch die erst Ende August an der Deutschen Edelsteinstraße eröffnete Nationalpark-Traumschleife "Kirschweiler Festung". Der Premium-Rundwanderweg ist 9,3 Kilometer lang und überwindet dabei nur 300 Höhenmeter. In gut drei Stunden ist die Strecke zu schaffen. Wanderer sollten allerdings etwas mehr Zeit einplanen, um die Aussichtspunkte auf den Quarzitfelsen der Kirschweiler Festung genießen zu können – ganz zu schweigen von einem weiteren Höhepunkt der Wanderung: der ehemaligen keltischen Befestigungsanlage Ringskopf.

Kurzurlauber mit einem Hang zum Besonderen werden auch im Weinanbaugebiet an der Saar mit der Saarschleife und dem Aussichtspunkt "Cloef" fündig. Kein Wahrzeichen steht mehr für das Saarland, der Ausblick bleibt vielen Besuchern für immer in Erinnerung. Wer in der Nähe ist und ihn nicht genossen hat, wird es bereuen. Von der "Cloef" aus liegt dem Betrachter ein Naturwunder zu Füßen, das ihm den Atem raubt. Selbst vom Wasser und Ufer aus ist die Saarschleife sehenswert.

Gänzlich unvergesslich wird das Naturschauspiel bei Mettlach, wenn es als "Cloefhänger" erlebt wird. Zwischen Juni und September kann jeweils samstags in einem Hängezelt auf dem Aussichtspunkt übernachtet werden. Der Schlafplatz hängt zwischen Bäumen zwei Meter über dem Boden – direkt an der Kante der Saarsteilhänge. Ein Erlebnis, das sonst nur Alpinisten vorbehalten ist.