Die Schönheit der Mecklenburgischen Seenplatte fasziniert viele Besucher – auch unseren Autor, der ihre Idylle vom Wasser aus erkundet hat.

Im Südosten der Müritz, im gleichnamigen Hafendorf, besteigen meine drei Begleiter und ich die Aquino 1190. Das gecharterte Hausboot ist genau das richtige Fortbewegungsmittel für einen Kurztörn auf Deutschlands größtem Binnensee – ein schwimmendes Wohnmobil mit Kombüse, Kajüten, Salon und Sonnendeck. Bevor es losgeht, weist uns ein gestandener Schiffsführer in die Grundlagen des Navigierens ein. Wir erfahren, dass Steuerbord "rechts" und Backbord "links" ist, und lernen die Bedeutung von grünen, roten und gelben Tonnen kennen. Wer ein Hausboot oder eine Motorjacht bis zu 15 Metern Länge lenken möchte, braucht in den Revieren des Mecklenburger Großseenlands keinen Bootsführerschein. Bis zu 12 Reisende dürfen an Bord, die maximale Geschwindigkeit beträgt 12 Kilometer pro Stunde.

Nach dem Ablegen entscheiden wir uns für einen Kurs nach Nordwesten gen Röbel am Westufer der Müritz. Backbord wie steuerbord die Weite des Müritzsees. "Ein See wie ein Meer", befand schon Theodor Fontane über das ausgedehnte Binnengewässer. Nach dem Anlegen in Röbelhafen führt der Landgang in die Altstadt von Röbel auf den Turm der St.-Marien-Kirche. Dort belohnt uns ein grandioser Blick über die Müritz und eine Landschaft, die aus unzähligen schillernden blauen Farbtupfern zu bestehen scheint.

Durch den Nationalpark

Am nächsten Morgen geht es auf dem Wasser weiter nach Waren, wo uns die markanten Spitzen der Georgen- und Marienkirche als wertvolle Navigationshilfen dienen. Charmante Häuser, Restaurants und Kneipen umsäumen den Bilderbuchhafen. Neben einem Altstadtbesuch bietet sich Waren auch als Ausgangspunkt für eine Exkursion durch den Müritz-Nationalpark an. 400 Kilometer Rad- und Wanderwege führen durch das Naturparadies, in dem unter anderen Seeadler, Schwarzstorch und Eisvogel heimisch sind. Wir bleiben auf dem Wasser und fahren quer über die Müritz nach Süden, der Müritz-Havel-Wasserstraße entgegen. Auf der blauen Verkehrsader herrscht reger Betrieb. Motor-, Haus- oder Segelboote überholen stressfrei kleine Paddelboote oder Kanus. Langsamkeit ist angesagt, Hektik hat keine Chance.

Kurz vor Mirow überwinden wir per Schleuse 350 Zentimeter Höhenunterschied. Auf der Suche nach einem Ruheplatz für die Nacht fahren wir in den Vilzsee ein, wo wir auf einen Anleger stoßen, der wie bestellt ist: kein Boot in der Nähe und absolute Ruhe, nur unterbrochen vom Kreischen einiger Möwen. Am nächsten Tag machen wir Station in Mirow und schlendern am Schloss vorbei zur malerischen Liebesinsel. Wir drehen noch eine Abschiedsrunde über den Mirower See, vorbei an blühenden Seerosen und emsigen Paddlern. Langsam tuckern wir schließlich auf der Müritz-Havel-Wasserstraße zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Hafendorf Müritz. Nach einem kräftigen Frühstück im Captains Inn nehmen wir Abschied von unserem Boot, mit dem wir einen wunderschönen Abschnitt der Mecklenburgischen Seenplatte erkundet haben.