Wer eine Fährreise bucht, bekommt mehr als eine entspannte Überfahrt ohne Stau: Mit Restaurants, Bars und unterhaltsamen Abendprogrammen an Bord werden die Überfahrten zu einem maritimen Erlebnis.

Gemächlich schiebt sich das blau-weiße Schiff durch den Oslofjord. 120 Kilometer noch, dann hat die Fähre ihren Zielhafen erreicht. Über Nacht bringt der Mini-Kreuzer seine Passagiere von Kiel nach Oslo. Wer möchte, kann auch sein Auto verschiffen und von der norwegischen Hauptstadt aus auf dem Landweg weiter Richtung Norden fahren. Für alle anderen bietet die Reederei Color Line eine Stadtführung durch Oslo sowie eine Übernachtung inklusive Frühstück im Hotel an, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht.

Die dreitägige Ostsee-Rundfahrt zwischen Kiel und Oslo ist nur eine von vielen Fährreisen, die Reedereien als Mini-Kreuzfahrten vermarkten. Den Süden Schwedens steuert die TT-Line von Travemünde nach Trelleborg und von Rostock nach Trelleborg an. Die Stena Line verbindet Kiel und Göteborg, Finnland erreicht man mit den Finnlines zwischen Travemünde und Helsinki. Auch ins Baltikum und nach Großbritannien bestehen Schiffsverbindungen: Über Nacht bringen Fähren ihre Gäste etwa nach Klaipėda (Litauen), Liepāja (Lettland) oder Newcastle.

Entspannung und Spaß an Bord

Das Programm findet Anklang: Allein in den vergangenen fünf Jahren haben rund 24 Millionen Deutsche eine Fährreise gebucht, das hat der Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF) 2018 in seiner Studie "Das Reiseverhalten von Fähr-Urlaubern" erhoben. Anders als bei herkömmlichen Fähren, die oft nur als schnelles und bequemes Verkehrsmittel fungieren, soll die Verweildauer an Bord bei einer Fährreise zu einem maritimen Erlebnis werden. So bieten die Köstlichkeiten in den Bordrestaurants gemeinsam mit Einkaufsmöglichkeiten und Abendprogrammen wie Kinovorstellungen, Musicalaufführungen und Live-Musik nicht nur eine willkommene Unterbrechung zur Autofahrt – die Mini-Kreuzer schaffen ein echtes Urlaubserlebnis.

Auf Fährschiffen wie der Color Line können sich Reisende zudem im Fitnessstudio auspowern oder im Wellnessbereich entspannen, während sich der Nachwuchs, umgeben von Fontänen und Wasserrutschen, im "Aqualand" austobt. Auch das Haustier darf bei den meisten Anbietern mit an Bord.

Einmal angekommen geht dann alles ganz schnell: Rein ins Auto und auf zur nächsten Destination! In Newcastle etwa nutzen viele Passagiere eine Anschluss-Fähre, um ins circa 90 Kilometer entfernte Schottland zu fahren. Doch auch wer ohne Auto unterwegs ist, kann von den Zielhäfen aus leicht weiterreisen: Oft erwarten Shuttlebusse die Fährgäste und bringen sie zum nächsten Bahnhof. Alle, die vor Ort bleiben wollen, können – je nach Reederei – auch Stadtführungen oder Hotel-Übernachtungen buchen, bevor es zurück an Bord geht.