Mit der Sängerin Arndís Halla unterwegs in Island, dem vielleicht letzten verwunschenen Ort auf diesem Planeten.

Island hat 330.000 Einwohner – offiziell. Doch die Isländer sind davon überzeugt, dass es doppelt so viele sind. Nur zeigen sich die anderen nicht jedem. Es ist das "Huldufólk", das "versteckte Volk", und das nimmt in der isländischen Kulturgeschichte und im heutigen Alltag ebenso viel Platz ein wie die Weite der isländischen Landschaft. Elfen sind jedoch keine feenartigen Mini-Wesen, die durch die Gegend flattern, sondern menschengleiche Gestalten. Nur dass sie deutlich besser angezogen sind ...

"Die Menschen glauben auch heute noch an Elfen", sagt Arndís Halla (sprich: Hadla). Sie muss es wissen. Die isländische Opernsängerin, deren Heimatstadt Hafnafjördur den Beinamen "Stadt der Elfen" trägt, hat gerade mit ihren Mitstreitern (Musikern verschiedener Genres) das Album "Álfadans" veröffentlicht – Elfentanz.

Das ist eine Zusammenstellung isländischer Volksgeschichten, mystisch-rhythmisch und modern arrangiert für ein Projekt, mit dem die Künstler ihre Heimatinsel per Musik erklären. "Für mich ist Gesang die reinere Sprache der Gefühle", sagt Halla. Im titelgebenden Song (selbstgeschrieben) singt die Sopranistin davon, wie man in die Elfenwelt gelangt – man folge den Polarlichtern.

Weil die Natur so mächtig ist

Der Anblick von Polarlichtern in isländischen Winternächten lässt in der Tat jeden Zweifel an der Existenz von Elfen verblassen. Wenn der Himmel in Grün versinkt, sich ein eingefärbter Lichtnebel am Horizont zeigt, dann ist das so unwirklich schön, dass man einfach glauben möchte, dort feierten gerade Elfen einen ausgelassenen Ball.

"Elfen", erklärt Arndís Halla, die in Berlin an der Hochschule der Künste studiert und 18 Jahre in Deutschland gelebt, an Opernhäusern und auch als Sängerin bei der Pferdeshow "Apassionata" gearbeitet hat, "vertreten den Schutz der Natur. Und das ist positiv".

So wird in Island durchaus schon mal eine Straße anders gebaut als geplant, wenn ein "Elfenhügel" im Weg steht.

Vielleicht auch, weil die Natur so mächtig ist auf der Insel im Atlantik. Es ist ein Ort, an dem die Erde blubbert und grummelt und dampft. An dem immer die Gefahr besteht, dass Vulkane Lava oder Asche spucken. Auch darum drehen sich die Lieder auf dem Album "Álfadans": "Fagurt er í fjördum" etwa erzählt von der Schönheit der Fjorde im Sommer, die indes auch regelmäßig Menschenleben fordern, nicht nur im harten Winter.

Island hat viel zu bieten, und das möchte Arndís Halla, die auch als Touristenführerin arbeitet, den Menschen näherbringen. In Form von Musik, denn zu singen hat große Tradition auf Island. Bei jeder Feier, bei jedem Geburtstag stimmt irgendwer ein Lied an. Die Lieder sind so facettenreich wie die Insel selbst. Es gibt dort unendliche Weiten, die den Blick auf schneebedeckte Bergketten eröffnen.

Es gibt kilometerweite Felder erkalteter Lava, die sich im heißen Zustand ausgebreitet hat und nun, längst erstarrt, von Moos eingenommen wird. Es gibt Geysire, die Wasser aus der Erde schießen, als habe jemand einen Springbrunnen eingeschaltet.

Auf der Halbinsel Reykjanes, südöstlich der Hauptstadt Reykjavík gelegen, findet sich versteckt zwischen Bergen der See Kleifarvatn im Naturschutzgebiet Krysuvík. Ein See, der sich ständig verändert; so war nach einem Erdbeben im Jahr 2000 das Wasser komplett verschwunden.

Ganz in der Nähe ist der Seltún-Geysir, wo Dampf die Sicht vernebelt und es nach Schwefel riecht zwischen den sandbraunen Felsen. Arndís Halla hat als Kind häufig dort gespielt; es ist eines der geothermalen Gebiete, an denen man die Finger ins Wasser halten kann, weil es nicht kochend heiß ist.

Irische Volksmusik, nur in Moll

Wer die Lieder von "Álfadans" hört, arrangiert als stimmungsvolle Crossover-Mischung verschiedener Genres, der bekommt einen Eindruck von der Natur, selbst wenn er die Sprache nicht versteht.

Aber die Weite ist auch so zu hören, die Schönheit der Insel und auch ihre Melancholie.

"Ich sage immer, isländische Musik erinnert mich an irische Musik. Nur in Moll", sagt Arndís Halla und lacht. Die Musik von "Íslanda" fließt, so wie einst Lavaströme über das Land geflossen sind.

"Wenn ich komponiere und singe, dann sehe ich Bilder vor mir", sagt Arndís Halla, Hauptstimme des Projekts. "Das ist wie eine Geschichte mit einem Bühnenbild – aber sie spielt immer draußen in der Natur." Es ist nicht nur Hallas Film, der da über Töne transportiert wird – den Zauber des Landes hört auch derjenige, der sich der Musik hingibt. Wer genau aufpasst, vernimmt die Stimmen der Elfen.