Mehr als zwei Dutzend neue Schiffe und eine ungebrochene Nachfrage: Kreuzfahrten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Ein Kreuzfahrtschiff mit einer Achterbahn an Bord – was nach Science-Fiction-Film klingt, wird im Sommer 2020 Realität. Wenn die Mardi Gras ab August auf hoher See ist, wird sie eine rund 220 Meter lange Achterbahn an Deck haben. Die Passagiere können in einem Motorradartigen Wagen die Aussicht über das Meer genießen. Das Besondere: Die Achterbahnwagen werden elektrisch betrieben, und die Mardi Gras wird komplett mit dem umweltfreundlicheren Flüssiggas (LNG) statt mit Schweröl angetrieben.

Mehr als zwei Dutzend neue Kreuzfahrtschiffe stechen in diesem Jahr in See. Nicht alle davon sind so luxuriös und hochmodern ausgestattet wie die Mardi Gras. Doch eins beweist die lange Reihe der Indienststellungen: Die Faszination Kreuzfahrt ist ungebrochen. Trotz häufig diskutierter Umweltbelastung und Folgen durch Massentourismus zieht es die Menschen auf See. 2018 unternahmen laut Branchenverband Clia (Cruises Lines International Association) insgesamt 2,23 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt. Pünktlich zur ITB im März sollen die neuen Zahlen vorgestellt werden. Der Verband erwartet eine weiterhin positive Entwicklung.

Wer eine Kreuzfahrt bucht, muss nicht zwangsläufig ein schlechtes Gewissen haben. Immer mehr Reedereien setzen auf nachhaltigere Schiffsreisen. "Die Kreuzfahrtindustrie nimmt ihre Verantwortung für die Umwelt sehr ernst. Sie ist Vorreiter im maritimen Umweltschutz, obwohl sie weniger als ein Prozent der weltweiten Schifffahrt ausmacht", sagt Helge Grammerstorf, National Director von Clia Deutschland. Weltweit habe die Kreuzfahrtindustrie bereits mehr als 20 Millliarden Euro in neue Technologien und sauberere Kraftstoffe gesteckt, um die Luftemissionen der Schiffe deutlich zu reduzieren. "So investiert die Branche beispielsweise in Technologien wie Abgasreinigungssysteme, Katalysatoren und Filter oder entwickelt gänzlich neue Antriebskonzepte“, sagt Grammerstorf. Hurtigruten stellt mit der Fridtjof Nansen ab April beispielsweise einen Neubau mit Hybridantrieb über Akkupacks in Dienst. Die Hotelkette Ritz Carlton präsentiert im Februar eine von drei neuen Jachten: die Evrima, die dank ihrer geringen Größe auch kleinere Stadthäfen ansteuern kann.

Zu den beliebtesten Zielen zählt laut Clia nach wie vor Nordeuropa. Knapp 30 Prozent der Kreuzfahrttouristen entscheiden sich für eine Reise Richtung Skandinavien. Das westliche Mittelmeer folgt mit rund 25 Prozent. Im Schnitt dauert eine Kreuzfahrt neun Tage. Dass sich Kreuzfahrten längst nicht mehr nur bei Rentnern großer Beliebtheit erfreuen, ist auch den Anbietern bewusst. "Aktuell liegt das Durchschnittsalter der deutschen Kreuzfahrtpas sagiere bei 49 Jahren. Aber wir sehen, dass Kreuzfahrten gerade bei jungen Menschen der Generation Z immer beliebter werden", sagt Helge Grammerstorf.

Es werden verstärkt spezielle Touren für Alleinreisende, Instagram-Touristen und Frauengruppen angeboten. Es besteht zudem die Möglichkeit, auf Expeditionsschiffen bei Forschungsreisen dabei zu sein. Das mit Wind- und Sonnenenergie betriebene Eco Ship, das im April 2020 an den Start gehen soll, ermöglicht die Teilnahme an derartigen umweltschonenden Bildungsreisen. Doch so ganz ohne Superlative geht es nicht, wenn man die Kreuzfahrtbranche betrachtet. Bereits für das kommende Jahr wurde eine weitere Sensation angekündigt: Mit der Global I soll das größte Kreuzfahrtschiff der Welt in See stechen. Und das natürlich auch mit einer Achterbahn an Bord.