Die Stadt in den USA ist nicht nur für Autoliebhaber einen Besuch wert. Es gibt viel zu entdecken. Ein Reisebericht von einer Detroit-Kennerin.

Detroit – eine Stadt, die es verlässlich einmal im Jahr in die Schlagzeilen deutschsprachiger Medien schafft. Immer dann, wenn die größte Automobilausstellung der Welt stattfindet: die NAIAS, die North American International Autoshow. Und auch mich hatte die NAIAS einst in die Stadt gespült. Doch der kurze Aufenthalt sollte ausreichen, um mich so für diese Stadt zu begeistern, dass ich im Laufe der nächsten Jahre immer wieder zurückkehren würde. Bei einer meiner letzten Einreisen wurde ich für gut drei Stunden abgeführt und verhört, nachdem ich erklärt hatte, ich würde als alleinreisende Frau eine Woche Urlaub in der Stadt machen.

Das war zu unglaubwürdig. Detroit ist wahrlich kein klassisches Reiseziel für einen Städtetrip. Eine schöne Gelegenheit, etwas "Neues" zu entdecken. In jeglicher Hinsicht. Noch immer steht Detroit für viele als Symbol des Niedergangs. Daher erfindet sie sich immer wieder neu und ist ganz sicher eine Reise wert. Vielleicht gerade weil sie sich nicht so besichtigen und verstehen lässt wie andere Metropolen dieser Welt.

Die Lage

Detroit ist per Nonstop-Flug aus Frankfurt zu erreichen. Aufgrund ihrer Lage ist die Stadt das perfekte Tor zu den Großen Seen: Lake Erie liegt um die Ecke, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior lassen sich wunderbar in ausgiebige Rundreisen integrieren. Selbst der Nachbar Kanada ist flugs über eine Brücke beziehungsweise durch einen Tunnel erreichbar – Toronto oder die kanadische Seite der Niagara Falls sind gerade einmal 250 Meilen entfernt. Drei Tage aber sollte man sich schon nehmen, um auch ein Gefühl für die Motor City zu bekommen.

Die Geschichte

Von der bedeutendsten Industriestadt der Welt zur ersten US-Großstadt, die Insolvenz anmelden musste. Im Jahr 2013 ging der einst blühenden Autometropole Detroit offiziell das Geld aus. Die Stadt war pleite. Probleme wie Arbeitslosigkeit, ein schlechtes Bildungssystem, eine hohe Kriminalitätsrate oder ein nicht vorhandenes öffentliches Transportsystem veranlassten immer mehr Menschen abzuwandern. Sie ließen Häuser, Möbel und Autos einfach zurück. Die Stadt verfiel, ganze Häuserzüge standen plötzlich – und stehen teils heute noch – leer. Für unser Auge ist das schwer greifbar und übt daher auf sehr viele eine hohe Anziehungskraft aus.

Nicht umsonst füllt der sogenannte "Ruinporn" – die Schönheit und Faszination der Ruinen – ganze Bildbände. Die Detroiter hören das nicht gerne, aber natürlich gehören auch sie zu einer Besichtigung der Stadt dazu.

Doch Detroit ist im Wandel, leerstehende Wolkenkratzer – wie es sie noch vor einigen Jahren in Downtown gab – wurden aufgekauft und werden saniert. Die früher teils menschenleere Innenstadt ist nun belebt: Vor den vielen hippen, aus dem Boden schießenden Restaurants bilden sich lange Schlangen, Parkplätze werden rar.

Die Architektur

Der in Deutschland geborene Architekt Albert Kahn prägte das Stadtbild von Detroit wie kaum ein anderer. Einige der schönsten historischen Gebäude entsprangen seinen Entwürfen. Darunter seine erste Autofabrik – die Packard Plant gilt heute als die größte verlassene Fabrik der Welt –, das Fisher Building – ein spektakulärer Wolkenkratzer – sowie hunderte Gebäude, die Kahn im Auftrag von Henry Ford errichtete, wie den Ford River Rouge Complex, die damals größte Industrieanlange der Welt.

Nur einige Beispiele für die vielen beeindruckenden Gebäude in Detroit, die es auch heute noch zu sehen gibt und auf deren Spuren man tagelang wandeln könnte. Auch wenn sie teils durch jahrzehntelangen Verfall geprägt sind, wie die Michigan Central Station, ein seit 1988 leerstehender Bahnhof, der wie kaum ein anderes Gebäude den Aufstieg und Fall der Stadt visualisiert.

Dass seit Ende 2015 der komplette Bahnhof mit 1050 neuen Fenstern ausgestattet wurde, ist sicherlich ein gutes Zeicheen.

Die Sehenswürdigkeiten

Neben den architektonischen Sehenswürdigkeiten und der Portion Ruinporn bietet Detroit Besuchern erstklassige Museen, eine sich stetig verändernde Food-Szene und viel Natur. Auf Belle Isle etwa, einer kleinen im Detroit River gelegenen Insel, lässt sich locker ein ganzer Tag verbringen: am Badestrand, im historischen Aquarium oder beim Picknick mit Blick auf die kanadische Seite des Flusses. Am Campus Martius Park in der Innenstadt ist immer etwas los: Neben Konzerten im Sommer und einer Eislaufbahn im Winter sind ringsum Cafés, Shops und Restaurants verstreut. Das Detroit Institute of Arts bietet eine der größten Kunstsammlungen der USA und im legendären Motown Museum wandeln die Besucher auf den Spuren von Aretha Franklin, Diana Ross oder den Jackson Five. Bei einem Besuch in Detroit beziehungsweise dem benachbarten Dearborn sollten auch das Henry Ford Museum sowie das angrenzende Greenfield Village besichtigt werden, ein Freilichtmuseum, in dem Besucher sich in einem restaurierten Modell T kutschieren lassen können. Nicht zu vergessen der 125 Jahre alte Eastern Market, an dem samstags unzählige Farmer ihre Produkte anbieten, während an Sonntagen Künstler und Handwerker ihre Arbeiten anbieten.

Wer mit Kindern reist, wird große Freude im Detroit Zoo haben, bei einer Fahrt mit dem führerlosen People Mover – einem Hochbahnsystem – oder im Michigan Science Center, einem Wissenschaftsmuseum für Kinder.

Tipps zu Unterkünften

In Detroit lassen sich über den Wohnungsvermittler Airbnb sehr viele und sehr hübsche Unterkünfte finden und buchen, wodurch Besucher leichten Zugang zur Stadt bekommen. Die Hotel-Situation verbessert sich von Jahr zu Jahr: Das Crowne Plaza an der Riverfront bietet bei humanen Preisen Innenstadtlage und Flussblick (mit Glück). Wer mit mehr Budget anreist, findet sicherlich Gefallen am Westin Book Cadillac. Untergebracht in einem historischen Gebäude, das noch bis vor wenigen Jahren leer stand.