07.07.2020 ReiseLaune

Fischland-Darß-Zingst: Leuchtturm am Wald, Hirsche am Meer

Von Ekkehart Eichler
Der Leuchtturm Darßer Ort.
Der Leuchtturm Darßer Ort. Fotoquelle: Bild von Denny Franzkowiak auf Pixabay

Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist ein Urlaubsparadies par excellence. Mit einzigartiger Symbiose aus Natur und Kultur.

Fischland-Darß-Zingst: Bei diesen Namen schnalzen Kenner mit der Zunge. Wegen der Ostsee vor der Brust und dem Bodden im Rücken, die sich beide manches Mal fast berühren. Wegen der Puderzuckerstrände, die nahtlos ineinander übergehen. Wegen zigtausender Kraniche, die jedes Jahr hier Zwischenstopps einlegen zum Tanken und Tanzen. Wegen der Kunst- und Fotoszene, die ihren Ursprung einst in der Künstlerkolonie Ahrenshoop hatte und Fans aus aller Welt anzieht. Wegen der rostbraun getakelten Zeesboote, die zu Törns um die Halbinsel und auf Regatten um den Sieg segeln. Und nicht zuletzt wegen diverser Hotels und Lokale, die auch verwöhnten Schlummerern und Schlemmern ein seliges Lächeln auf die Lippen zaubern.

Kurzum: Auf dem von Stürmen und Wellen modellierten schmalen Streifen Land findet so ziemlich jeder sein persönliches Urlaubsglück. Ob Baden oder Segeln. Surfen oder Kiten. Radeln oder Wandern. Futtern oder Fasten. Vögel gucken oder Fische fangen. Landschaft knipsen oder Landschaft malen. Seele baumeln oder Körper schwitzen lassen. Mit Familie urlauben oder Solo. Mit Hund oder sogar Pferd – die Möglichkeiten zum Urlaub nach Maß sind hier schier grenzenlos.

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Natur ist Trumpf

Natur ist hier Trumpf und ihr As der Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft". Bis auf die neun Bade- und Erholungsorte steht praktisch die gesamte Halbinsel unter Schutz. Mit Raritäten wie Windwatt, Sandhaken und Nehrungen. Mit dem berühmten Weststrand und Bäumen, die bizarr verdreht vor dem Wind "flüchten". Oder mit dem Darßer Ort, der unaufhörlich wächst durch angespülten Sand – vor 300 Jahren stand der Leuchtturm am Wasser, jetzt liegen zwei Kilometer Wald zwischen ihm und der Spitze im Norden.

Ein Paradies auch für Ornithologen – im Nationalpark brüten sage und schreibe 130 Vogelarten. Und zweimal im Jahr wird die Begeisterung zum Massenphänomen – wenn 60.000 Kraniche einfliegen zum Tanken und Tanzen. Dann rücken Heerscharen von Fans an auf der Jagd nach dem ultimativen Schnappschuss. Und noch ein fantastisches Extra spendiert der Herbst: mit röhrenden Hirschen in Dünensand und mit Meerblick – so etwas gibt es nirgendwo sonst.

Inspiration für Künstler und Fotografen

Kein Wunder, dass das Idyll stets auch kreative Geister anzog. Die ersten kamen 1889 und verliebten sich so unsterblich, dass sie für immer blieben. Um all das zu malen, was sie so sehr faszinierte: die Weite der Landschaft. Die Launen des Meeres. Die Dramen der Wolken. Den Zauber des Lichts. Dünen und Steilküste. Bauernkaten und Scheunen. Fischer und Segelboote. Die Wiesen am Bodden und die Wälder am Darß. Die 1892 gegründete Künstlerkolonie Ahrenshoop wird zum Sehnsuchts-, Wallfahrts- und Zufluchtsort. Heute, 127 Jahre später, ist sie einer der größten kulturellen Schätze der Halbinsel und das Kunstmuseum ein europaweit funkelnder Edelstein.

Natur als Modell ist auch Maß aller Dinge für Fotografen aus aller Welt, die sich in Zingst regelmäßig die Klinke in die Hand geben. Dort hat sich das Max Hünten Haus in atemberaubenden sechs Jahren einen Spitzenplatz in der Welt der Fotografie erobert. Als einzigartiges Medienzentrum mit XXL-Printstudio, Technikausleih und Beratung. Als Fotoschule mit jährlich 150 Workshops. Als Hotspot für Foto-Shows und Multimediavorträge renommierter Foto-Künstler. Und als Organisator gefeierter Fotowettbewerbe und Großveranstaltungen wie den jährlichen Fotoherbst. Absoluter Höhepunkt: das Umweltfotofestival "horizonte zingst", das immer im Mai zwei Wochen lang großartige Ausstellungen, Fotoworkshops, Multivisionsshows sowie Begegnungen mit Klasse-Fotografen im Portfolio hat.

Viele Punkte, an denen Künstler einst Inspiration fanden, sind auf thematischen Touren Schritt für Schritt zu entdecken: So kann man auf dem Kunstpfad in Ahrenshoop zu beliebten Maler-Motiven wandern. Auf dem Postkartenpfad in Wieck historische Ansichten des Ortes mit der Gegenwart vergleichen. In Zingst auf dem FotoKunstPfad echte Kunstwerke als Impuls für fantasievolle Selbstinszenierungen nutzen und in Prerow dem Darßer Haustürenpfad folgen. Dieser hat die bunt bemalten und verzierten Holztüren zum Thema, die schon vor über 200 Jahren vom Wohlstand erfolgreicher Seefahrer kündeten.

Asse im Hinterland

In der Schatzkiste von Fischland-Darß-Zingst steckt jedoch noch mehr. Im Küstenvorland zum Beispiel mäandert die Recknitz ganz und gar malerisch durch die romantische Wildnis uralter Torfmoore. Ein Flüsschen, das urwüchsige Natur in frappierender Einsamkeit und Stille offenbart. Und ein Paddelrevier, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann: mit Weiden und Schilfinseln. Mit Trollblumen und Orchideen. Mit Libellen und Moorfröschen. Mit Fischottern und Molchen.

Berühmt ist Fischland-Darß-Zingst auch für das "Gold des Nordens". Besonders in Ribnitz-Damgarten, dem Tor zur Halbinsel, kann man das in erstaunlicher Masse und Klasse erleben. Hier residiert im atmosphärischen Backsteinkloster das "Deutsche Bernsteinmuseum" und präsentiert Europas schönste Bernsteinausstellung mit 1600 ausgesuchten Exponaten. Und in der Schaumanufaktur von Ostdeutschlands größtem Schmuckproduzenten spielt Bernstein ebenfalls eine herausragende Rolle – auf drei Etagen des beeindruckenden Bauwerks.

Zum regionalen Superstar freilich hat sich in den letzten 20 Jahren eine Einrichtung gemausert, in der man Störchen begegnet und Steppenadlern, Uhus und Kakadus, Marabus und Pinguinen, Säbelschnäblern und Brandenten – der großartige Vogelpark Marlow. Hier leben Tiere aus allen Kontinenten in außergewöhnlichen Anlagen wie zum Beispiel begehbaren Riesen-Volieren. Einmalig etwa der Nachbau des Nationalparks oder die Küstenvogelvoliere, wo man Austernfischern, Eiderenten, Kormoranen und Lachmöwen zur Brutzeit sogar direkt ins Nest schauen kann. Neuester Clou: In Baumpfahlhäusern kann man direkt im Vogelpark übernachten, eins davon steht sogar mittendrin im Storchenrevier.

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