Der Schnee im Deer Valley ist perfekt. Fein pulvrig lockt er Skifahrer auf die breiten Pisten in dem Skiresort im Wasatch-Gebirge im US-Staat Utah, eine Dreiviertelstunde von Salt Lake City entfernt. Skiführer Tate Shaw zeigt die schönsten der 100 Routen, begleitet die Liftfahrten zu den fünf Gipfeln, die jeweils annähernd 3000 Meter hoch liegen, und stellt dabei das Luxus-Skigebiet vor. „Die Villa da vorne hat zehn Millionen Dollar gekostet“, sagt er. Dann zeigt er ins Tal. Ganz unten, weit entfernt, leuchtet blau der Jordanelle-Stausee. Von vielen der 15 Skigebiete in Utah hebt sich Deer Valley durch einen gehobenen Anspruch ab, der sich im hochwertigen Ambiente von Restaurants und Skiverleihen ebenso offenbart wie an Details, etwa den Boxen mit Papiertaschentüchern an den Liftstationen.

Exklusivität hat natürlich ihren Preis: Die Tageskarte kostet im Februar bis zu 200 Dollar. Dafür hat man kein Gedränge bei der Abfahrt oder am Lift. Ob luxuriös oder normale Kategorie – für alle Gebiete werben die Tourismus-Experten des Staates damit, dort oben in den Rocky Mountains den "besten Schnee der Welt" zu bieten. Das sei sogar wissenschaftlich erwiesen und beruhe auf klimatischen Besonderheiten. Der trockene Pulverschnee entstehe, wenn die Feuchtigkeit des Salzsees auf trockene Wüstenluft trifft. Sicher mit ein Grund, warum man gerne die Olympischen Winterspiele 2002 in der Region abhielt.

Utah im Winter – ein in vielerlei Hinsicht besonderes Erlebnis, nicht nur zum Skifahren. Im Süden des Staates hat man die im Sommer von Millionen Touristen bevölkerten Nationalparks und Canyons praktisch für sich allein. So begegnet man im Bryce Canyon nur wenigen Wanderern, wenn man zwischen den beeindruckenden Hoodoos spaziert und die Fantasie in den braunen Gesteinstürmen mal Orgelpfeifen, mal eine Marktfrau mit Kindern erkennt. Tagsüber sind die Temperaturen auch im Winter meist im Plus, ohne die Hitze ertragen zu müssen, die im Sommer häufig auf dem Südwesten der USA lastet. Ob Zion Canyon oder Capitol Reef-Park mit ihren majestätischen Felsen, umherwandernden Rehen und Steinböcken oder der Kodachrome Basin-Park mit seinen Sandstein-Kaminen – all diese Naturwunder im Südwesten lassen sich günstig erkunden mit dem US-weit gültigen Jahrespass für 35 Dollar pro Fahrzeug.

Und manche Dinge kann man nur im Winter erleben, zum Beispiel mit Schneeschuhen im Sundance Mountain Resort wandern. Das beschauliche Midway im Heber Valley bietet weitere Winterattraktionen: Im Soldier Hollow Nordic Center kann man Biathlon lernen, Schießübung inclusive. Abends ist ein Spaziergang durch die Ice Castles reizvoll, wenn die begehbaren Eisräume illuminiert sind. Romantisch wird es beim Yurt Dinner, einem Abendessen am Lagerfeuer oder im Jurte-Zelt.

Midway eignet sich zudem gut als Ausgangspunkt sowohl für Touren in die Skiresorts rund um Park City als auch in der Gegenrichtung nach Sundance. Beide Orte sind Ende Januar/Anfang Februar Zentren eines weiteren Winter-Highlights: Das vom Schauspieler Robert Redford gegründete Sundance Film Festival, eine international beachtete Präsentation unabhängiger Filmproduktionen, zieht dann Publikum aus aller Welt an. Wenn immer noch Zeit übrig ist, lohnt sich ein Brauereibesuch. Ja, in Utah. Im Staate der Mormonen trinken Strenggläubige keinen Alkohol. Doch die früher allgemeingültigen strikten Regeln wurden gelockert. Und so konnte Clint Jones, der sich einst als Skispringer einen Namen machte, seinen Traum verwirklichen und in Heber Valley eine Craftbeer-Brauerei gründen. Sie laufe sehr erfolgreich, sagt der 35-Jährige.