20.01.2020 Neue ZDF-Serie "Blutige Anfänger"

Larissa Marolt hat Spaß an der Außenseiterrolle

von Lara Hunt
Larissa Marolt (links) spielt in "Blutige Anfänger" die Leonie.
Larissa Marolt (links) spielt in "Blutige Anfänger" die Leonie.  Fotoquelle: ZDF / Conny Klein

Larissa Marolt wurde durch die TV-Castingshow "Germany's Next Topmodel" bekannt. Jetzt spielt sie in der ZDF-Vorabendserie "Blutige Anfänger" eine Polizeianwärterin mit düsterem Geheimnis.

+++ Hinweis: Falls Sie das Interview mit Henry Hübchen lesen möchten, finden Sie es hier. Der QR-Code in der Printausgabe war fehlerhaft. +++

Frau Marolt, Sie sind in der ZDF-Vorabend-Serie "Blutige Anfänger" zu sehen. Darin geht es um eine Gruppe befreundeter Polizeihochschüler, die erste Fälle gemeinsam lösen. Sie spielen Leonie, die nicht ganz Teil der Gruppe ist. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Leonie ist eine Außenseiterin – und das macht sie spannend. Sie ist eine sehr zerrissene Persönlichkeit, die alles mit sich selbst ausmacht. Leonie hat ein Geheimnis. Das finde ich auch schön. Ich mag es, wenn Charaktere etwas Undurchsichtiges haben. In der Serie verliebt sie sich leidenschaftlich in ihren Dekan – und verliert sich auch in dieser Liebe, wodurch ihre Leistung nachlässt und sie ihre Karriere aufs Spiel setzt.

Also lieber Leonie als Teil der Gruppe?

Ich finde es schön, dass sie die Außenseiterin ist. Ich glaube, jede Serie braucht einen, der ein bisschen raussticht. Jemanden, den man nicht ganz einschätzen kann. Sie hat etwas sehr Liebevolles, Gutes, aber eben auch etwas sehr Düsteres.

Angefangen haben Sie bei "Austria's Next Topmodel und "Germany's Next Topmodel". Jetzt sind Sie Schauspielerin in einer ZDF-Serie. Der Werdegang ist eher ungewöhnlich.

Vom Karriereweg her bin ich so etwas wie der Rebell der Branche, weil ich schon so viel gemacht habe und einige Images hatte. Ich komme aus einer Castingshow und hatte 2019 allein zwei riesige Theaterproduktionen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, glaube ich. Und schön, dass das so möglich war.

Das heißt, in einer Castingshow anzufangen, ist eher von Nachteil?

In meinem Fall war es von Vorteil. Ich hab von null angefangen, und diese Castingshows haben mir eine Tür geöffnet. Ich bin total dankbar, dass mir das ermöglicht wurde. Aber geschenkt wurde es mir ja auch nicht. Ich habe hart gearbeitet. Aus einer Klein-Rolle wurde dann irgendwann eine Nebenrolle und aus der irgendwann die Hauptrolle.

Reality-Formate haben Sie mehrere gemacht. Ist damit jetzt ganz Schluss?

Ganz ehrlich: Ich sag niemals nie, und ich mache auch noch immer TV-Formate. Wenn es ein gutes Konzept ist, das niemanden bloßstellt, zu dem ich stehen kann … Warum nicht? Ich fände es schlimm, wenn jemand sagen würde: Du darfst jetzt nur noch Film oder nur noch Serien machen. Warum? Ich finde dieses Schubladendenken anstrengend und bin viel zu sehr Freigeist, als dass ich mich auf irgendetwas festlegen würde, nur, weil die anderen das erwarten. Zumal TV-Formate nützlich sein können, um meine schauspielerischen Tätigkeiten zu bewerben. Die Shows, die ich mache, haben mehrere Millionen Zuschauer. Davon träumt jeder Kinofilm. Ich gucke aber genau, was ich mache: Von fünf Anfragen sage ich bei einer zu.

Gibt es irgendwas, von dem Sie heute sagen würden: Das hätte ich mal besser nicht gemacht?

Nein. Ich stehe zu allen Formaten. Es war so eine tolle, geile Zeit, ich möchte es nicht missen. Es sind Sachen, die man nur einmal im Leben macht..

Was kommt denn dann noch?

Ich denke manchmal auch: Leute, ihr müsst ein paar neue Sachen erfinden (lacht).

Sie waren noch nicht mal volljährig, als Sie mit "Germany's Next Topmodel" ins Rampenlicht gerückt wurden. Und es gab von Fans auch viel negative Kritik. Wie geht man damit um?

Ich glaube, niemand hatte bisher so viele Images wie ich. TV-Unterhaltung zieht mehr Presse an als Film, Serie oder Theater. Wenn ich eine TV-Show mache, Primetime, dann stürzen sich am nächsten Tag die Medien darauf.

Ist das ein Problem für Sie?

Ein Problem sehe ich darin – und mit dem musste ich wirklich lernen, umzugehen. Wenn du ein Unterhaltungsformat machst, wirst du als Persönlichkeit beurteilt und gewertet. Und du hast keinen Einfluss auf den Schnitt. Die Leute sehen das im Fernsehen und denken: Das bist du. Wenn du einen schlechten Tag hast, kann es passieren, dass du zerrissen wirst. Bei Filmen und Serien ist das anders. Da wird deine Rolle beurteilt und du wirst nicht persönlich angegriffen. Bei TV-Unterhaltung gibst du viel Persönliches von dir preis. Und das musste ich lernen. Ich hab mit 15 Jahren angefangen. Das ist ja auch eine Zeit, in der sich deine Persönlichkeit entwickelt. Und das härtet schon ab, wenn du von außen so bewertet wirst und alle glauben, dich zu kennen. Und sie kennen dich null.

Wie äußert sich das?

Ich merke das immer wieder, dass Leute auf der Straße auf mich zukommen, mich umarmen und mich in der Bar ansprechen, weil sie glauben, mich zu kennen. Sie kennen mich nicht. Sie glauben das, was sie im Fernsehen sehen. Sie wissen aber nicht, was mich wirklich ausmacht. Und das ist das Schlimme: Sie glauben wirklich, dass sie mit dir befreundet sind. Da muss man Distanz schaffen und sich abgrenzen. Aber ich wachse ja. Und mein Fokus liegt heute nicht auf TV-Unterhaltung, sondern auf Schauspielerei.

Sie waren im Dschungelcamp. Für viele ist das die Endstation der beruflichen Karriere.

Ich habe schon immer die Regeln geändert. Es gibt den Spruch: "Alle haben gesagt, es geht nicht, bis es einer gemacht hat."

Nochmal zurück zu Ihrer neuen Serie: Wie waren eigentlich die Dreharbeiten?

Wir waren von Anfang an ein echt gutes Team und haben uns auch privat sehr gut verstanden. Dieser Sommer war jedoch für mich eine Doppelbelastung, weil ich zeitgleich auch noch in einer großen Theaterproduktion mitgewirkt habe und sehr wenig Freizeit hatte. Ich bin aber an beiden Projekten sehr gewachsen.

Blutige Anfänger startet am Mittwoch, 29. Januar, um 19.25 Uhr im ZDF.

Das könnte Sie auch interessieren