In der ziemlich unübersichtlich gewordenen Serienlandschaft kündigt sich mal wieder ein Highlight an: Staffel zwei des HBO-Renommierproduktes "Westworld", das beim amerikanischen Abo-Sender auch einige Zuschauerrekorde brach. Die 100 Millionen Dollar teure erste Staffel erhielt bei den Emmys 2017 rekordverdächtige 22 Nominierungen – konnte abseits minder wichtiger Kategorien wie "Sound", "Special Effects" und "Hairstyling" allerdings nichts gewinnen. Dabei bietet "Westworld" auch in Staffel zwei Tiefgang, Philosophie und Schauspiel vom feinsten – neben viel Blut, nackter Haut und tollen Bildern. Der grundlegende Plot, ein Vergnügungspark mit menschenähnlichen Robotern, die sich seltsam verhalten, ist indes überholt. Das neue "Westworld" ist ein "Wasteland", welches eher an "The Walking Dead" und "Mad Max" erinnert.

Das Autoren-Ehepaar Jonathan Nolan ("The Dark Knight", "Interstellar") und Lisa Joy ("Pushing Daisies") griff für die im Herbst 2016 bei HBO gestartete Serie "Westworld" Michael Crichtons gleichnamigen Filmklassiker von 1973 auf. Der dystopische Science Fiction-Streifen mit dem eindrücklichen Yul Brynner als rebellierendem Roboter in schwarzer Cowboykluft erzählte von einem Freizeitpark, in dem menschengleiche Maschinen finanziell gut gepolsterten Touristen als Duellpartner oder Saloon-Huren dienen.

An diesem verheißungsvollen Plot-Vorbild orientierten sich auch Nolan und Joy in Serienstaffel eins. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Roboter wie Farmerstochter Dolores (Evan Rachel Wood) oder Bordellbetreiberin Maeve (Thandie Newton) waren jene Charaktere, mit denen sich der Zuschauer identifizierte. Gequälte künstliche Intelligenzen, die viel mehr Haltung und Schönheit in ihrem Geist aufblitzen lassen als ihre menschlichen Schöpfer.

Menschen werden zum Freiwild

Am Ende der ersten Staffel präsentierten die Macher nach viel philosophischem Gedankengut zur Frage, was eigentlich Leben ist, ein apokalyptisches Gemetzel. Mit dessen Ergebnis arbeitet die Serie nun in zehn neuen Folgen weiter (ab 22. April 2018, immer montags, um 20.15 Uhr, bei Sky Atlanic HD oder jederzeit bei Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand). Im Vergnügungspark "Westworld" sind die verbliebenen Menschen zum Freiwild der entfesselten künstlichen Intelligenz geworden. Der Kontrollraum, von dem früher Updates eingespielt, Handlungen gestoppt oder Einsatzteams in weißen Schutzanzügen in den Park geschickt wurden – er ist leer.

Dabei ist das Personal der Serie gegenüber Staffel eins bis auf (voraussichtlich) Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") und Sidse Babett Knudsen ("Borgen") dem Mensch-Maschinen-Disput treu geblieben. Dem "Mann in Schwarz" (Ed Harris) gefällt es, dass alle Taten im neuen Park nun auch echte Konsequenzen haben. Dolores und Maeve sind als Racheengel zu neuen Zielen ihrer künstlichen Existenz aufgebrochen, und Chefprogrammierer Bernard (Jeffrey Wright) kämpft weiterhin mit seiner Zwitterrolle zwischen Maschine und menschlicher Schöpferkaste.

"In der ersten Staffel war noch alles ruhig", sagte Autorin Lisa Joy bei den Emmys 2017 auf die Frage, was sich in der zweiten Staffel verändern würde. "Dass jene Phänomene, die sich in den Robotern abspielten, zu einer Art Ausbruch führen könnten, ahnte man da bereits. In Staffel zwei ist dieser Ausbruch geschehen, wir finden den Park in einem ganz anderen Zustand vor. Staffel zwei hat ein komplett anderes Set-up."

Nach Ansicht der ersten, 70 Minuten langen Folge, muss man konstatieren, dass die Macher zumindest zu Beginn der zweiten Staffel auf spektakuläre Action setzen: Futuristische Fahrzeuge mit Schutztruppen und Roboteranalysten sind nach "Westworld" eingedrungen und versuchen, die Kontrolle wiederzuerlangen. Das Ganze erinnert ein bisschen an "Terminator", die zahlreichen, blutigen Gemetzel an "The Walking Dead" und das Ganze vor der Wüsten-Optik auch ein wenig an "Mad Max". Die Philosophie kommt indes nicht zu kurz. Für ein Vieraugengespräch zwischen Mensch und Maschine, an deren immer schwieriger werdenden Unterscheidung die Serie weiter arbeitet, nimmt man sich immer noch genug Zeit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst