Henri-Georges Clouzot

Seine Arbeiten wurden oft verrissen: Henri-Georges 
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Seine Arbeiten wurden oft verrissen: Henri-Georges Clouzot
Henri-Georges Clouzot
Geboren: 20.11.1907 in Niort, bei La Rochelle, Frankreich
Gestorben: 12.01.1977 in Paris, Frankreich

Las Piedras in Venezuela, ein Kaff am Ende der Welt. Vier Männer, Außenseiter der Gesellschaft, sind hier auf unwegsamen Gelände mit hochexplosiver Nitroglyzerinfracht unterwegs. Hochkarätig die Namen der vier Desperados, die einer nach dem anderen mit ihrer gefährlichen Fracht in die Luft gehen: Die Franzosen Yves Montand und Charles Vanel, der Italiener Folco Lulli und der Deutsche Peter van Eyck. Und der Regisseur Henri-Georges Clouzot ist ein Meister der spannenden Kinounterhaltung, ganz gleich, was er erzählt.

Zwei Jahre nach diesem ungewöhnlichen Thriller "Lohn der Angst" drehte er das mörderische Drama "Die Teuflischen" mit Simone Signoret, in dem ein Lehrer gemeinsam mit der Geliebten die herzschwache Ehefrau in einen "natürlichen Tod" treiben. Dann schaffte er es, aus einem Dokumentarfilm über den Maler Picasso einen aufregenden Spannungsfilm zu machen: Mit verblüffender Bildtechnik kommt der Zuschauer dem Mysterium "Picasso" (1955) auf die Spur, in dem er dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, dem Meister hinter der Leinwand bei der Arbeit zuzuschauen. Eigentlich war Clouzet das Kino nicht in die Wiege gelegt: Seemann wollte er werden, doch da stand ihm die extreme Kurzsichtigkeit im Weg. Na ja, käme ja noch die Diplomatenlaufbahn in Frage, doch das scheiterte am totalen finanziellen Desaster. Was blieb? Clouzot wurde Journalist. Er freundete sich mit Henri Jeanson an und der brachte ihn als Cutter, später auch als Autor zum Film.

Berlin in den Dreißigerjahren, Clouzot ist Assistent bei Anatole Litvak und E. A. Dupont. Doch bevor er seinen ersten eigenen Film drehen konnte, erkrankte er schwer und konnte erst fünf Jahre später seine Arbeit fortsetzen, zunähst als Drehbuchautor. Dann endlich 1942 realisiert er seinen ersten eigenen Film "Dr. Mörder wohnt in Nr. 21". 1943 entstand der zynisch-sarkastische Thriller "Der Rabe", der auch heute noch als kontrovers diskutierter Meilenstein der französischen Filmgeschichte gilt. Während der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen entstanden (die unter deutscher Kontrolle stehende Continental Films produzierte), diente eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1922 als Vorlage für dieses Verwirrspiel. Nur drei Wochen nach der Premiere wurde "Der Rabe" jedoch aus den französischen Kinos verbannt, da die Deutschen dem Film unterstellten, er kommentiere versteckt die Besetzung Frankreichs und die seinerzeit übliche Praxis der Denunziation. Doch auch die Franzosen und insbesondere die Résistance verurteilte Clouzets Regiearbeit, da man ihn als Kollaborateur ansah und ihm vorwarf, die Darstellung der Franzosen sei antifranzösische Propaganda. Gegen Clouzet erging nach der Befreiung Frankreichs ein lebenslanges Berufsverbot, das erst 1947 aufgehoben wurde. Die beiden Hauptdarsteller Pierre Fresnay und Ginette Leclerc waren sogar zeitweise inhaftiert.

Clouzot gilt als Meister des effektvoll intelligenten Thrillers und er wartet immer wieder mit allerlei Überraschungen auf. Als bei uns "Lohn der Angst" und "Die Teuflischen" ins Kino kamen, ging es Clouzot wie seinerzeit Alfred Hitchcock mit seinen Filmen "Cocktail für eine Leiche", "Immer Ärger mit Harry" und "Vertigo": Er und sein Werk wurden missverstanden und vielfach verrissen. Weitere Filme von und mit Henri-Georges Clouzot: "Unter falschem Verdacht" (1947), "Miquette" (1950), "TKX antwortet nicht" (1955, Koautor), "Spione am Werk" (1957), "Die Wahrheit" (1960), "Giuseppe Verdi: Requiem" (1967), "La Prisonnière" (1968), "Die Hölle von Henri-Georges Clouzot" (Dokumentation, mit Archivmaterial, 2009).


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