Jules Dassin

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Hatte Schwierigkeiten in der McCarthy-Ära: Jules Dassin
Jules Dassin
Geboren: 18.12.1911 in Middletown, Connecticut, USA
Sternzeichen: Schütze
Gestorben: 31.03.2008 in Athen, Griechenland

Oscar Wildes "Das Gespenst von Canterville" - hier in den zweiten Weltkrieg versetzt: Der grausame Papa von Sir Simon de Canterville lässt 1934 den armen, furchtsamen Sprössling im Schloss einmauern, weil der sich pazifistisch gebärdet und einem Lanzenduell entflieht. Niedere Instinkte treiben den unmenschlichen Vater überdies zur Verfluchung seines Sohnes. So hofft der unselige Simon seit 310 Jahren, dass einer seiner Nachfahren etwas Tapferes tut und ihn für die kühle Familiengruft freigibt. Doch von Jahrhundert zu Jahrhundert werden die Chancen immer geringer, bis eines Tages wirklich einer der Sippe als amerikanischer G. I. im Schloss auftaucht und den Armen von den Qualen des wöchentlichen Spukens erlöst.

Jules Dassin hat die Regie der schrulligen Gespenstersaga von Norman McLeod übernommen und mit flotter Kamera und dem vorzüglichen Charles Laughton verfilmt, eine herrliche Parodie auf die alten Gespenstergeschichten von damals. Doch Dassin war mit dem Debüt später nicht zufrieden, weil er die versprochenen Änderungen am Drehbuch nicht hat vornehmen können.

Als Sohn eines jüdischen Friseurs und dessen Frau, die 1909 aus Russland emigriert sind, kommt er in Middletown zur Welt. Einer seiner Vorfahren, Jean-Christophe Dassin, wurde 1812 als Offizier Napoleons nach Russland verschlagen. Mit sieben Geschwistern wächst der Junge in Harlem auf, in der Bronx geht er auf die Morris High School und macht mit elf erste Bühnenerfahrungen: Er spielt bei einer Schulaufführung einen Weihnachtsbaum! 1934 bis 1936 reist er durch Europa und jobbt bald als Schauspieler, bald als Dekorationsmaler. Dabei studiert er auch mal ein paar Semester Dramaturgie. Nach New York zurückgekehrt, ist er zeitweilig Mitglied der jüdischen Theatercompany und nimmt an verschiedenen linkspolitischen, avantgardistischen Bühnenexperimenten teil. Er besucht Workshops des Artef Players Collective, spielt dort den braven Soldaten Schweijk und inszeniert Stücke. Ende der Dreißigerjahre ist er kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei, aus der er 1939 austritt.

Nach dem Gespenster-Debüt, das er bereits als Vertragsregisseur für MGM realisiert, dreht er eine Reihe von B-Filmen, von denen "The Nazi Agent" von 1942 der interessanteste ist. Dassin kann sich aber dann nach einvernehmlicher Vertragslösung mit dem unabhängigen Produzenten Mark Hellinger zusammentun. Oft schreibt er für die Filme, die er nach 1944 dreht, die Drehbücher selbst: den Gefängnisfilm "Zelle R 17" (1947) gemeinsam mit Richard Brooks, "Die nackte Stadt" (1948) mit Albert Maltz. "Gefahr in Frisco" (1949) und "Die Ratte von Soho" (1949/50) entstehen nach fremden Büchern.

Mit diesen Gangsterfilmen leistet Dassin einen wesentlichen Beitrag zur Düsternis im amerikanischen Film noir. "Die nackte Stadt" entsteht ausschließlich auf den Straßen von New York. Der realistische Stil und das authentische Milieu ist vielen nicht geheuer: Zu viel Kritik an der amerikanischen Gesellschaft klingt an. 1950 kommt Dassin vor das Komitee des verbissenen Kommunistenjägers McCarthy, gegen "unamerikanische Umtriebe". Edward Dmytryk und Frank Tuttle haben ihn denunziert (Quelle: Berlinale-Dokumentation der Stiftung Deutsche Kinemathek, 1984). Dassin wird gezwungen, Hollywood zu verlassen. Er geht nach Paris und wird gleich mit seinem ersten europäischen Film international bekannt.

Der Film heißt "Rififi" (1954) und beruht auf einem Roman von Auguste le Breton. Es ist ein kleiner Krimi von verblüffend Einfachheit: Eine Gruppe liebenswürdiger Gauner plant einen Juwelenraub und führt ihn durch. Höhepunkt ist eine halbstündige Sequenz, in der ohne jeden Dialog der Einbruch detailliert vorgeführt wird. Dassin selbst spielte unter dem Pseudonym Perlo Vita die Rolle des César. Auf dem Festival in Cannes erhielt er den Preis für die beste Regie und lernte die griechische Schauspielerin Melina Mercouri kennen. Einen weiteren großen Erfolg hatte Dassin mit dem Film "Der Mann, der sterben muss" (1956), in dem Mercouri zum ersten Mal bei ihm spielte.

1966 heirateten die beiden in der Schweiz, ihr gemeinsamer Film "Sonntags nie!", 1959 für 500000 Mark gedreht, wird ein riesiger Erfolg und begründete Mercouris Starruhm. 1963 wiederholte sich mit "Topkapi", einem weiteren Einbruchsfilm, der kommerzielle Erfolg. In dieser Eric-Ambler-Verfilmung plant ein Gangsterpaar einen raffiniert ausgeklügelten Einbruch ins Istanbuler Topkapi-Museum, um der Welt größte Smaragde zu stehlen. Gewissenhaft wird der große Coup vorbereitet. Doch Dassin meint es diesmal nicht gar so ernst, er überzeichnet die Typen. Peter Ustinov ist ein kauzig-tollpatschiger Schelm, und der vornehm reservierte Robert Morley greift mit seinen feinen Mechanikerhänden wortwörtlich in die Räder des Geschehens ein. Auch Melina Mercouri als liebes- und juwelentolle Gangsterkönigin sowie Prinzgemahl Maximilian Schell, der smarte Schweizer, spielen hinreißend. Dassin parodierte sich selbst, seine Sujets und Einfälle von früher, vor allem aber - auf besonders gelungene Art - seinen "Rififi"-Einbruch. Wieder mit seiner Frau Mercouri entstand drei Jahre später das sträflich unterschätzte Drama "Halb elf in einer Sommernacht" (1966).

Dassin arbeitete aber auch weiterhin für die Bühne. 1967 inszenierte er am Broadway eine Musicalversion von "Sonntags nie" mit Melina Mercouri in der Hauptrolle, und sie spielte auch die Jenny in seiner griechischen Version der "Dreigroschenoper". Gegenüber den hart realistischen US-Gangsterfilmen der 40er/50er Jahre repräsentierten seine europäischen Gesellschaftskomödien und Gaunerparodien eine andere Farbe in Dassins Schaffen. 1968 kehrte Dassin in die USA zurück und drehte ein Remake von John Fords "Der Verräter" unter dem Titel "Black Power", das er vor dem Hintergrund revolutionärer Aktivitäten des schwarzen Amerikas ansiedelte. 1997 erhielt Jules Dassin, dem bereits 1984 in Berlin eine Retrospektive gewidmet war, den Cine Merit Preis des Münchner Filmfests.


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