Die besten Coming-of-age Filme

29.04.2026
Coming-of-age: Vom schönen und schmerzhaften Moment, nicht mehr ganz dieselbe Person zu sein.
Die besten Coming-of-age Filme
"Stand by me" ist einer der bekanntesten Coming-of-age-Dramen, in der vier Jungs auf nicht nur nach einer Leiche suchen, sondern auch nach sich selbst.  Fotoquelle: Sony Pictures Home Entertainment

Coming-of-age-Filme erzählen von etwas, das nur zu realistisch ist: Der Moment, in dem man merkt, dass Kindheit, Leichtigkeit oder alte Gewissheiten nicht einfach für immer bleiben. Es geht um erste Lieben, enge Freundschaften, peinliche Fehltritte, stille Verluste, neue Freiheiten und die langsame Erkenntnis, dass Erwachsenwerden selten in einem großen Schritt passiert. 

Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986)

Vier Freunde aus einer Kleinstadt in Oregon machen sich auf den Weg, um die Leiche eines vermissten Jungen zu finden. Gordie (Wil Wheaton), Chris (River Phoenix), Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell) ziehen los – und merken unterwegs langsam, dass diese Reise mehr mit ihnen selbst zu tun hat als mit dem, was am Ende der Strecke liegt. Stand by Me erzählt das nicht groß oder pathetisch, sondern mit diesem sehr genauen Gefühl, das nur Filme haben, die verstehen, wie sich Freundschaft in einem bestimmten Alter anfühlt.

Gut zu wissen:

- Der Film basiert auf Stephen Kings Novelle The Body von 1982 – also ausgerechnet nicht auf einer seiner Horror-Geschichten, sondern auf einer seiner menschlichsten.
- Gedreht wurde größtenteils in Oregon, was viel zu diesem staubigen, sommerlichen Unterwegs-Gefühl beiträgt.
- Der Titelsong „Stand by Me“ von Ben E. King bekam durch den Film noch einmal einen enormen Schub und stieg 1986 erneut in die Charts ein.

Club der toten Dichter (1989)

An der strengen Welton Academy beginnt für eine Gruppe Schüler ein neues Schuljahr, durchgetaktet und mit klaren Erwartungen von Eltern und Schule. Dann kommt John Keating (Robin Williams), der neue Englischlehrer, und bringt plötzlich Gedichte, Ungehorsam und eigene Gedanken in einen Alltag, der eigentlich nur Leistung und Disziplin vorsieht. Für Neil (Robert Sean Leonard), Todd (Ethan Hawke) und die anderen wird daraus keine harmlose Inspiration, sondern ein ziemlich direkter Zusammenstoß mit dem Leben, das für sie längst geplant wurde.

Gut zu wissen:

- Tom Schulman gewann für das Drehbuch den Oscar für das beste Originaldrehbuch; der Film war außerdem unter anderem für Best Picture, Best Director und Robin Williams als Hauptdarsteller nominiert.
- Gedreht wurde vor allem an der St. Andrew’s School in Delaware, die im Film zur Welton Academy wurde.
- Regisseur Peter Weir hielt den jungen Cast auch abseits der Kamera bewusst in diesem strengen Schulmodus und verbot sogar moderne Slang-Ausdrücke, um das Internatsgefühl stärker zu verankern.

My Girl – Meine erste Liebe (1991)

Vada Sultenfuss (Anna Chlumsky) ist elf, lebt im Bestattungsinstitut ihres Vaters und beschäftigt sich lieber mit Tod, Gedichten und großen Fragen als mit unbeschwerter Kindheit. Ihr bester Freund ist Thomas J. (Macaulay Culkin), der immer da ist, wenn alles andere zu seltsam wird. Als Vadas Vater Harry (Dan Aykroyd) sich neu verliebt und der Sommer langsam weiterzieht, kippt etwas in dieser kleinen Welt. My Girl erzählt das nicht laut, sondern mit genau dem richtigen Gespür für die Mischung aus Neugier, Scham, Nähe und Verlust, die dieses Alter so besonders macht.

Gut zu wissen:

- Anna Chlumsky gab mit My Girl ihr Debüt in einer großen Kinorolle.
- Gedreht wurde vor allem in Bartow und Sanford, Florida, obwohl die Geschichte in Pennsylvania spielt.
- Der Film war ein großer Publikumserfolg: Er spielte weltweit rund 121,5 Millionen US-Dollar ein und bekam 1994 mit My Girl 2 eine Fortsetzung.

Clueless – Was sonst! (1995)

Cher Horowitz (Alicia Silverstone) ist reich, beliebt, bestens angezogen und ziemlich überzeugt davon, das Leben ihrer Mitmenschen optimieren zu können. An ihrer Highschool in Beverly Hills verkuppelt sie Lehrer, nimmt die neue Mitschülerin Tai (Brittany Murphy) unter ihre Fittiche und verteilt gute Ratschläge als Schicksalsmanagerin. Erst langsam merkt Cher, dass sie zwar bei allen anderen gern eingreift, bei sich selbst aber längst nicht alles verstanden hat. Und das hat natürlich nicht zuletzt etwas mit Josh zu tun…

Gut zu wissen:

- Der Film ist eine sehr freie, sehr neunzigerhafte Adaption von Jane Austens Emma.
- Regisseurin Amy Heckerling beobachtete für die Dialoge echte Schüler:innen an der Beverly Hills High School und übernahm von dort Slang und Tonfall.
- Aus dem Überraschungshit mit rund 88 Millionen Dollar weltweitem Einspiel wurde ein echter Popkultur-Klassiker.

Almost Famous – Fast berühmt (2000)

William Miller (Patrick Fugit) ist 15, schreibt über Musik und bekommt plötzlich den Auftrag, für den Rolling Stone mit einer Rockband auf Tour zu gehen. Also zieht er mit Stillwater los, beobachtet Musiker, Groupies, Ego-Trips und den ganzen schönen Wahnsinn einer Welt, die aus der Ferne nach Freiheit aussieht und von innen schnell deutlich chaotischer wird. An seiner Seite: Penny Lane (Kate Hudson), die nicht einfach nur Muse oder Mitläuferin ist, sondern eine der Figuren, an denen der Film besonders genau wird.

Almost Famous ist Coming-of-age, ohne sich jemals wie eine Schablone anzufühlen. William lernt hier nicht einfach nur das Leben kennen, sondern auch Enttäuschung, Loyalität, Pose und den Unterschied zwischen dem, was cool wirkt, und dem, was einen wirklich prägt.

Gut zu wissen:

- Der Film ist halb autobiografisch und basiert lose auf Cameron Crowes eigener Zeit als jugendlicher Journalist beim Rolling Stone.
- Kate Hudson wurde mit Penny Lane endgültig zum Star und bekam dafür einen Golden Globe sowie eine Oscar-Nominierung.
- Der Film gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch; an der Kinokasse lief er zunächst eher mäßig, wurde später aber zum echten Kultfilm.

Juno (2007)

Juno MacGuff (Elliot Page) ist 16, klug, trocken, ziemlich unerschrocken – und plötzlich schwanger. Statt daraus ein tränenreiches Problemstück zu machen, folgt der Film einer Jugendlichen, die erstaunlich pragmatisch an eine ziemlich große Sache herangeht. Juno will das Kind nicht selbst großziehen und sucht nach Adoptiveltern. Dabei muss sie sich nicht nur mit Paulie Bleeker (Michael Cera), ihren Eltern und einem sehr erwachsenen Thema herumschlagen, sondern auch mit der Frage, wie cool man eigentlich noch wirken kann, wenn das eigene Leben gerade sichtbar komplizierter wird.

Gut zu wissen:

- Das Drehbuch von Diablo Cody gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch.
- Elliot Page wurde für die Hauptrolle für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.
- Der Film kostete nur rund 7,5 Millionen Dollar und wurde trotzdem ein riesiger Überraschungserfolg.

Vielleicht lieber morgen – The Perks of Being a Wallflower (2012)

Charlie (Logan Lerman) ist neu an der Highschool, still, vorsichtig und eher jemand, der alles beobachtet, als sich sofort irgendwo reinzuwerfen. Dann lernt er Sam (Emma Watson) und Patrick (Ezra Miller) kennen – zwei ältere Außenseiter mit genug Charme und Chaos, um sein Leben ziemlich gründlich umzubauen. Aus dieser Freundschaft wird kein typischer Teenie-Spaß, sondern ein Film über Nähe, Unsicherheit, Sehnsucht und die Dinge, die man lange nicht in Worte fassen kann.

Gut zu wissen:

- Stephen Chbosky adaptierte hier seinen eigenen Roman und führte selbst Regie – kein ausgelagerter Stoff, sondern sehr nah an der eigenen Vorlage gebaut.
- Die Tunnel-Szene mit „Heroes“ wurde zum ikonischen Moment des Films und ist bis heute das Bild, das viele als Erstes mit Vielleicht lieber morgen verbinden.
- Der Film feierte beim Toronto International Film Festival 2012 Premiere und bekam dort eine Standing Ovation.

Boyhood (2014)

Mason (Ellar Coltrane) ist sechs Jahre alt, als Boyhood beginnt, und am Ende steht er kurz vor dem College. Dazwischen liegen Scheidungen, Umzüge, neue Partner der Eltern, Geschwisterstreit, erste Freundschaften, erste Liebe und all die kleinen Verschiebungen, aus denen Erwachsenwerden tatsächlich besteht. Patricia Arquette und Ethan Hawke spielen seine Eltern, nicht als große Filmfiguren, sondern als Menschen, die selbst älter werden, Fehler machen und irgendwie mitwachsen müssen.

Gut zu wissen:

- Gedreht wurde tatsächlich über zwölf Jahre hinweg mit demselben Hauptcast – von 2002 bis 2014.
- Richard Linklater begann das Projekt ohne fertiges Drehbuch und schrieb die neuen Teile jeweils auf Grundlage dessen, wie sich die Darsteller in der Zwischenzeit verändert hatten.
- Boyhood war 2014 einer der am stärksten gefeierten Filme des Jahres; unter anderem gewann Patricia Arquette später den Oscar für ihre Nebenrolle.

Lady Bird (2017)

Christine nennt sich selbst lieber Lady Bird, weil schon der eigene Name nicht nach dem Leben klingt, das sie führen will. Sie lebt in Sacramento, streitet sich mit ihrer Mutter, träumt von Colleges an der Ostküste und versucht mit aller Kraft, interessanter, freier und irgendwie größer zu werden, als ihr Alltag gerade hergibt. Saoirse Ronan spielt sie nicht als coole Rebellin, sondern als junge Frau, die dauernd zwischen Selbstbehauptung, Unsicherheit und peinlich menschlichen Fehlentscheidungen pendelt.

Lady Bird ist scharf beobachtet, sehr witzig und an den richtigen Stellen erstaunlich zart. Der Film erzählt nicht von einem einzelnen großen Umbruch, sondern von vielen kleinen Reibungen: mit der Mutter, mit Freundinnen, mit Jungs, mit Herkunft und Selbstbild.

Gut zu wissen:

- Greta Gerwig wurde für Lady Bird unter anderem für den Oscar für Regie und den Oscar fürs Originaldrehbuch nominiert.
- Bei Rotten Tomatoes hielt der Film zeitweise einen Rekord für die meisten positiven Kritiken in Folge und galt 2017 schnell als Kritikerliebling.
- Viele Details fühlen sich autobiografisch an, auch wenn Gerwig immer wieder betont hat, dass Lady Bird kein direktes Selbstporträt ist.

Call Me by Your Name (2017)

Elio (Timothée Chalamet) verbringt den Sommer 1983 mit seiner Familie in Norditalien. Dann kommt Oliver (Armie Hammer), ein amerikanischer Doktorand, der für einige Wochen bei Elios Vater arbeitet. Zwischen Musik, Hitze, langen Tagen und vorsichtigen Annäherungen entsteht eine erste große Liebe, die den Film nie künstlich auflädt. Call Me by Your Name lebt von dem Gefühl, wie intensiv ein kurzer Sommer werden kann, wenn plötzlich alles offener, schöner und verletzlicher wirkt.

Der Film ist sinnlich, still und sehr präzise darin, wie Begehren, Unsicherheit und Aufbruch ineinandergreifen. Elio wird hier nicht einfach älter, sondern erfährt, wie schnell ein Mensch durch Liebe, Sehnsucht und Verlust verändert werden kann. Luca Guadagnino erzählt das ohne große Gesten, aber mit Bildern und Stimmungen, die lange hängen bleiben.

Gut zu wissen:

- Basiert auf dem gleichnamigen Roman von André Aciman.
- James Ivory gewann für das Drehbuch den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch; insgesamt war der Film für vier Oscars nominiert.
- Timothée Chalamet wurde für Elio für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert und war damit der jüngste Nominierte in dieser Kategorie seit 1939.

Eighth Grade (2018)

Kayla Day (Elsie Fisher) ist 13, geht in die achte Klasse und versucht irgendwie durch die letzte Woche vor dem Wechsel auf die Highschool zu kommen. Online gibt sie sich in kleinen Motivationsvideos erstaunlich sortiert, im echten Leben ist sie schüchtern, unsicher und ständig damit beschäftigt, auf sich selbst genauso hart zu schauen wie alle anderen gefühlt auch. Eighth Grade macht daraus einen Film, der sehr genau versteht, wie anstrengend dieses Alter sein kann. Vor allem, wenn das eigene Selbstbild permanent mit Social Media kollidiert.

Der Film ist fast unangenehm ehrlich, ohne seine Hauptfigur bloßzustellen. Kayla ist weder coole Außenseiterin noch überzeichnetes Problemkind, sondern einfach ein Mädchen in einem Lebensabschnitt, in dem schon ein Gespräch, eine Party oder ein Blick aufs Handy reichen, um alles ins Wanken zu bringen.

Gut zu wissen:

- Eighth Grade war das Spielfilm-Regiedebüt von Bo Burnham, der auch das Drehbuch schrieb.
- Elsie Fisher wurde für die Hauptrolle unter anderem für den Golden Globe nominiert und gewann den Gotham Award als Breakthrough Actor.
- Der Film startete 2018 als kleiner Indie und wurde dann zu einem der am meisten gelobten Coming-of-age-Filme des Jahres.

Booksmart (2019)

Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) waren in der Schule immer die Klugen, Fleißigen und Zielstrebigen. Kurz vor dem Abschluss merken sie dann, dass auch die anderen ziemlich gute Colleges geschafft haben, obwohl sie dabei offenbar sehr viel mehr Spaß hatten. Also beschließen die beiden, in einer einzigen Nacht alles nachzuholen, was sie sich in vier Highschool-Jahren verkniffen haben. Aus dem Plan wird schnell eine wilde, peinliche und ziemlich großartige Odyssee durch Partys, Missverständnisse und sehr viele schlechte Entscheidungen.

Gut zu wissen:

- Booksmart hatte seine Weltpremiere beim SXSW Film Festival.
- Regie führte Olivia Wilde; es war ihr Spielfilmdebüt.
- Der Film bekam bei den Independent Spirit Awards 2020 den Preis für den Best First Feature.