Zum Pride Month: Queere Liebesgeschichten zum Dahinschmelzen

16.06.2026
Queere Liebe steht im Pride Month im Fokus: Diese LGBTQI+-Liebesgeschichten erzählen von Nähe, Mut und dem Glück, endlich gesehen zu werden.
Zum Pride Month: Queere Liebesgeschichten zum Dahinschmelzen
Heartstopper  Fotoquelle: Netflix

Queere Liebe im Film und in Serien ist längst mehr als das Drama des Versteckens. Viele Geschichten handeln von ersten Gefühlen, Familienkonflikten, gesellschaftlichem Druck und dem Wunsch nach einem Leben, das zur eigenen Identität passt. Unsere Auswahl reicht von leisen Coming-of-Age-Serien bis zu preisgekrönten Kinodramen.

Heartstopper (2022)

Charlie Spring (Joe Locke) ist an seiner Schule bereits geoutet und hat nach Mobbing-Erfahrungen gelernt, vorsichtig zu sein. Als er im Unterricht neben Nick Nelson (Kit Connor) sitzt, entsteht zwischen dem stillen Schüler und dem beliebten Rugbyspieler eine enge Freundschaft. Charlie verliebt sich schnell, hält seine Gefühle aber zurück, weil Nick zunächst als heterosexuell gilt. Während Nick seine eigene Sexualität besser versteht, begleiten Freunde wie Tao (William Gao), Elle (Yasmin Finney), Tara (Corinna Brown) und Darcy (Kizzy Edgell) die beiden durch Schulalltag, Unsicherheit und erste Liebe.

Die britische Netflix-Serie wurde für ihren warmen Ton, die ruhige Erzählweise und die respektvolle Darstellung junger queerer Figuren gelobt. Besonders hervorgehoben wurden die Chemie von Joe Locke und Kit Connor, die Nähe zur Graphic-Novel-Vorlage von Alice Oseman und der Einsatz kleiner Animationen, die Gefühle sichtbar machen, ohne die Szenen zu überladen.

3 Fakten zu Heartstopper:

  • Die Serie basiert auf den Webcomics und Graphic Novels von Alice Oseman.
  • Alice Oseman schrieb selbst mehrere Drehbücher der Serienfassung.
  • Yasmin Finney wurde durch die Rolle der Elle einem internationalen Publikum bekannt.

Young Royals (2021)

Prinz Wilhelm (Edvin Ryding) wird nach einem Skandal auf das Internat Hillerska geschickt. Dort soll er Disziplin lernen und Abstand vom Königshaus gewinnen. In der neuen Umgebung begegnet er Simon Eriksson (Omar Rudberg), der nicht zur Elite des Internats gehört und mit seiner Schwester Sara (Frida Argento) als Stipendiat zwischen Klassenunterschieden und Vorurteilen steht. Zwischen Wilhelm und Simon wächst eine Beziehung, die von echter Nähe, aber auch von öffentlichem Druck geprägt ist. Als Wilhelms Stellung in der Thronfolge wichtiger wird, muss er entscheiden, wie viel Wahrheit sein Leben zulässt.

Die schwedische Serie überzeugte mit ihrer Mischung aus Internatsdrama, royaler Öffentlichkeit und intimer Liebesgeschichte. Kritik und Publikum lobten vor allem die glaubwürdige Darstellung von jugendlicher Unsicherheit, die klare Haltung zu Klassenfragen und die zurückgenommene Inszenierung. Edvin Ryding und Omar Rudberg wurden oft für ihr Zusammenspiel genannt.

3 Fakten zu Young Royals:

  • Die Serie wurde in Schweden produziert und erschien weltweit bei Netflix.
  • Omar Rudberg war vor der Serie bereits als Sänger bekannt.
  • Die dritte Staffel schloss die Haupthandlung 2024 ab.

Love, Victor (2020)

Victor Salazar (Michael Cimino) zieht mit seiner Familie nach Atlanta und beginnt an der Creekwood High. Dort versucht er, seinen Platz zu finden, während seine Eltern Isabel (Ana Ortiz) und Armando (James Martinez) mit eigenen Konflikten kämpfen. Victor fühlt sich zu Benji Campbell (George Sear) hingezogen, beginnt aber zunächst eine Beziehung mit Mia Brooks (Rachel Hilson). Über Nachrichten sucht er Rat bei Simon Spier, dessen Coming-out an derselben Schule bekannt wurde. Victor muss lernen, ehrlich mit seinen Gefühlen umzugehen und die Erwartungen seiner Familie von seiner eigenen Identität zu trennen.

Die Serie wurde als zugängliche Fortführung des Kinofilms "Love, Simon" aufgenommen. Gelobt wurden der leichtere Ton, die Coming-of-Age-Erzählung und die stärkere Einbindung von Familie, Religion und Herkunft. In späteren Staffeln gewann die Serie an Breite, weil sie auch Nebenfiguren mehr Raum gab und Victors Umfeld nicht nur als Kulisse nutzte.

3 Fakten zu Love, Victor:

  • Die Serie spielt im selben Universum wie der Film "Love, Simon".
  • Nick Robinson, der Simon im Kinofilm spielte, ist als Erzähler zu hören.
  • Die Serie lief über drei Staffeln.

Carol (2015)

Therese Belivet (Rooney Mara) arbeitet in den 1950er-Jahren in einem New Yorker Kaufhaus und führt ein unsicheres Leben zwischen Fotografie, Freundschaften und einer Beziehung, die sie nicht erfüllt. Dort begegnet sie Carol Aird (Cate Blanchett), einer eleganten Frau aus wohlhabenden Verhältnissen, die sich gerade von ihrem Mann Harge (Kyle Chandler) trennt. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine vorsichtige Nähe, die sich während einer gemeinsamen Reise vertieft. Carols Sorgerechtsstreit und die gesellschaftlichen Regeln der Zeit machen die Beziehung jedoch zu einem Risiko.

Todd Haynes inszenierte "Carol" als fein beobachtetes Liebesdrama, das viel über Blicke, Gesten und unausgesprochene Spannung erzählt. Die Kritik lobte die Ausstattung, die Kameraarbeit von Edward Lachman und die Leistungen von Cate Blanchett und Rooney Mara. Der Film erhielt sechs Oscar-Nominierungen und gewann in Cannes einen Darstellerpreis für Rooney Mara.

3 Fakten zu Carol:

  • Der Film basiert auf Patricia Highsmiths Roman "The Price of Salt".
  • Phyllis Nagy arbeitete viele Jahre an der Drehbuchfassung.
  • Die Handlung wurde vor allem in Cincinnati und Umgebung gedreht.

Call Me by Your Name (2017)

Elio Perlman (Timothée Chalamet) verbringt den Sommer 1983 mit seinen Eltern in Norditalien. Sein Vater, Professor Perlman (Michael Stuhlbarg), nimmt den amerikanischen Doktoranden Oliver (Armie Hammer) als Assistenten auf. Elio beobachtet Oliver zunächst mit Distanz, fühlt sich aber immer stärker zu ihm hingezogen. Zwischen Gesprächen, Musik, Ausflügen und Momenten der Unsicherheit entsteht eine Beziehung, die beide vorsichtig ausloten. Elios Freundin Marzia (Esther Garrel) und seine Eltern bleiben Teil dieses Sommers, der für Elio zu einer prägenden Erfahrung wird.

Luca Guadagninos Film wurde weltweit als sinnliches, behutsames Liebesdrama wahrgenommen. Besonders Timothée Chalamet erhielt viel Anerkennung für seine Darstellung eines Jugendlichen zwischen Neugier, Stolz und Verletzlichkeit. James Ivory gewann den Oscar für das adaptierte Drehbuch. Auch Musik, Licht und der Schauplatz Norditalien prägten die starke Resonanz.

3 Fakten zu Call Me by Your Name:

  • Die Vorlage stammt von André Aciman.
  • James Ivory war bei seinem Oscar-Gewinn 89 Jahre alt.
  • Sufjan Stevens schrieb mehrere Songs für den Film.

Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019)

Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) reist Ende des 18. Jahrhunderts auf eine abgelegene Insel in der Bretagne. Sie soll heimlich ein Porträt von Héloïse (Adèle Haenel) anfertigen, damit deren zukünftiger Ehemann das Bild vor der arrangierten Ehe sehen kann. Héloïse verweigert sich dem Porträtieren, weil sie nicht heiraten will. Marianne gibt sich daher zunächst als Begleiterin aus und merkt sich Héloïses Gesicht bei Spaziergängen. Aus Beobachtung wird Vertrauen, aus Nähe wird Liebe. Die Haushälterin Sophie (Luàna Bajrami) verbindet die beiden Frauen zusätzlich durch ein eigenes Geheimnis.

Céline Sciammas Film wurde für seine klare Inszenierung, die strenge Bildgestaltung und den konzentrierten Blick auf weibliche Selbstbestimmung gefeiert. In Cannes gewann der Film den Preis für das beste Drehbuch und die Queer Palm. Die Rezeption hob hervor, wie präzise das Drama Begehren, Erinnerung und künstlerisches Sehen miteinander verbindet.

3 Fakten zu Porträt einer jungen Frau in Flammen:

  • Céline Sciamma schrieb auch das Drehbuch.
  • Der Film verzichtet fast vollständig auf Filmmusik.
  • Die Kamerafrau Claire Mathon wurde für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet.

Saving Face - Liebe und was noch? (2004)

Wilhelmina Pang (Michelle Krusiec) ist Ärztin in New York und hält ihre Beziehung zu Frauen vor ihrer chinesisch-amerikanischen Familie geheim. Als ihre verwitwete Mutter Hwei-Lan (Joan Chen) schwanger wird und von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wird, zieht sie bei Wil ein. Wils Leben wird dadurch komplizierter, denn sie verliebt sich in die Tänzerin Vivian Shing (Lynn Chen). Zwischen Krankenhaus, Familienfeiern und unausgesprochenen Erwartungen versucht Wil, ihrer Mutter beizustehen und zugleich eine Beziehung zu leben, die sie nicht länger verstecken möchte.

Alice Wus romantische Komödie wurde für ihren leichten Ton und den genauen Blick auf Familie, kulturelle Erwartungen und queere Selbstfindung geschätzt. Der Film gilt bis heute als wichtiger Titel für asiatisch-amerikanische Repräsentation im queeren Kino. Besonders die Balance aus Humor, Alltagsnähe und ernsthaften Konflikten sorgte für eine lange Nachwirkung.

3 Fakten zu Saving Face - Liebe und was noch?:

  • "Saving Face" war Alice Wus erster Langfilm als Regisseurin.
  • Joan Chen war international bereits durch "Der letzte Kaiser" bekannt.
  • Alice Wu kehrte später mit "Nur die halbe Geschichte" zu Netflix zurück.

Better Than Chocolate (1999)

Maggie (Karyn Dwyer) lebt in Vancouver und arbeitet in einem queeren Buchladen. Sie hat gerade die Künstlerin Kim (Christina Cox) kennengelernt, als ihre Mutter Lila (Wendy Crewson) nach einer Trennung überraschend bei ihr einzieht. Maggie versucht, ihre neue Beziehung und ihr Leben in der queeren Community vor der Mutter zu verbergen. Gleichzeitig geraten der Buchladen, die Drag-Künstlerin Judy (Peter Outerbridge) und Maggies Freundeskreis unter Druck. Aus einer heimlichen Romanze wird ein Konflikt um Offenheit, Akzeptanz und die Frage, wer über das eigene Leben bestimmen darf.

Die kanadische Komödie wurde Ende der 1990er-Jahre zu einem beliebten Titel des lesbischen Kinos. Kritik und Publikum reagierten besonders auf den offenen Umgang mit queerer Kultur, den Humor und die positive Energie des Films. Manche Motive wirken aus heutiger Sicht deutlich zeitgebunden, doch als warmherzige Liebeskomödie blieb der Film für viele Zuschauerinnen ein wichtiger Bezugspunkt.

3 Fakten zu Better Than Chocolate:

  • Der Film wurde in Kanada produziert.
  • Regisseurin Anne Wheeler gehört zu den bekannten kanadischen Filmemacherinnen ihrer Generation.
  • Der Film lief auf mehreren LGBTQ-Filmfestivals.

Eine Hochzeit zu dritt (2006)

Rachel (Piper Perabo) heiratet in London ihren langjährigen Freund Heck (Matthew Goode). Bei der Feier begegnet sie Luce (Lena Headey), die als Floristin für die Hochzeit gearbeitet hat. Rachel spürt eine Verbindung, die sie zunächst nicht einordnen kann. Während Heck merkt, dass in der Ehe etwas fehlt, treffen Rachel und Luce immer wieder aufeinander. Die Situation wird für alle Beteiligten schwieriger, weil Freundschaften, Familienerwartungen und das frisch geschlossene Eheversprechen im Raum stehen. Rachel muss entscheiden, ob sie ihre vertraute Zukunft aufgibt.

Die britisch-amerikanische romantische Komödie wurde vor allem für ihren charmanten Ton und die Chemie zwischen Piper Perabo und Lena Headey bekannt. Der Film folgt klassischen Romcom-Mustern, verschiebt sie aber in eine queere Liebesgeschichte. Gerade diese Mischung aus Vertrautheit, Humor und offenem Happy-End machte ihn zu einem oft wiederentdeckten Wohlfühlfilm.

3 Fakten zu Eine Hochzeit zu dritt:

  • Der Originaltitel des Films lautet "Imagine Me & You".
  • Ol Parker schrieb das Drehbuch und führte Regie.
  • Lena Headey wurde später durch "Game of Thrones" weltweit bekannt.

God's Own Country (2017)

Johnny Saxby (Josh O'Connor) arbeitet auf dem abgelegenen Hof seiner Familie in Yorkshire. Nach einem Schlaganfall seines Vaters Martin (Ian Hart) trägt er viel Verantwortung, begegnet dieser aber mit Alkohol, Wut und Rückzug. Für die Lammzeit stellt die Familie den rumänischen Saisonarbeiter Gheorghe (Alec Secăreanu) ein. Zwischen den beiden Männern entsteht zunächst Misstrauen, dann eine körperliche Beziehung und schließlich echte Nähe. Gheorghe bringt Ruhe und Erfahrung mit, während Johnny lernen muss, Verantwortung nicht nur als Last zu begreifen.

Francis Lees Debütfilm wurde für seine raue Landschaft, die genaue Milieuschilderung und die langsame Entwicklung der Liebesgeschichte gelobt. Josh O'Connor und Alec Secăreanu erhielten viel Anerkennung für ihr zurückhaltendes Spiel. Der Film gewann mehrere Preise bei britischen und internationalen Festivals und wurde oft mit "Brokeback Mountain" verglichen, erzählt aber klar aus einer eigenen ländlichen Gegenwart.

3 Fakten zu God's Own Country:

  • Francis Lee wuchs selbst auf einer Farm in Yorkshire auf.
  • Josh O'Connor lernte für die Rolle praktische Arbeiten auf einem Hof.
  • Der Film war Großbritanniens Beitrag in mehreren internationalen Festivalprogrammen.

Brokeback Mountain - Liebe ist eine Naturgewalt (2005)

Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhaal) arbeiten im Sommer 1963 als Schafhirten in Wyoming. Aus der gemeinsamen Zeit in den Bergen entsteht eine Beziehung, die beide Männer nicht in ihr Alltagsleben übertragen können. Ennis heiratet Alma (Michelle Williams), Jack gründet mit Lureen (Anne Hathaway) eine Familie. Trotzdem treffen sich die beiden über Jahre hinweg immer wieder. Ihre Liebe bleibt von Angst, gesellschaftlicher Gewalt und persönlichen Grenzen bestimmt, während beide versuchen, ein Leben zu führen, das nach außen akzeptiert wird.

Ang Lees Drama wurde zu einem der einflussreichsten queeren Filme des Mainstream-Kinos. Die Kritik lobte die leise Inszenierung, Gustavo Santaolallas Musik und besonders Heath Ledgers zurückgenommenes Spiel. Der Film gewann drei Oscars, darunter für Regie, adaptiertes Drehbuch und Filmmusik, und löste breite Debatten über Sichtbarkeit und Anerkennung queerer Geschichten aus.

3 Fakten zu Brokeback Mountain - Liebe ist eine Naturgewalt:

  • Die Vorlage ist eine Kurzgeschichte von Annie Proulx.
  • Gedreht wurde zu großen Teilen in der kanadischen Provinz Alberta.
  • Gustavo Santaolalla gewann für die Musik einen Oscar.

Rafiki (2018)

Kena (Samantha Mugatsia) lebt in Nairobi und hilft im Laden ihres Vaters John (Jimmy Gathu), der für ein politisches Amt kandidiert. Ziki (Sheila Munyiva) ist die Tochter des politischen Gegners. Trotz der Rivalität ihrer Familien kommen sich die beiden jungen Frauen näher. Ihre Freundschaft wird schnell zu einer Liebesgeschichte, die in ihrem Umfeld nicht akzeptiert wird. Zwischen familiären Erwartungen, religiösem Druck und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben suchen Kena und Ziki nach Momenten, in denen sie offen miteinander sein können.

Wanuri Kahius Film wurde international als farbenfrohes und mutiges Liebesdrama wahrgenommen. "Rafiki" war der erste kenianische Film, der in der Reihe Un Certain Regard in Cannes gezeigt wurde. Die Rezeption hob hervor, dass der Film trotz harter gesellschaftlicher Bedingungen auf Lebensfreude, Popfarben und Zärtlichkeit setzt.

3 Fakten zu Rafiki:

  • Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "Jambula Tree" von Monica Arac de Nyeko.
  • "Rafiki" bedeutet auf Swahili "Freund".
  • Der Film wurde in Kenia zeitweise verboten.

Moonlight (2016)

Chiron wächst in Miami auf und wird in drei Lebensphasen gezeigt. Als Kind, gespielt von Alex Hibbert, sucht er Schutz bei Juan (Mahershala Ali) und Teresa (Janelle Monáe), weil seine Mutter Paula (Naomie Harris) mit Suchtproblemen kämpft. Als Jugendlicher, gespielt von Ashton Sanders, erlebt er Mobbing und eine vorsichtige Nähe zu Kevin (Jharrel Jerome). Als Erwachsener, gespielt von Trevante Rhodes, hat Chiron sein Leben verändert, trägt aber alte Verletzungen weiter. Ein späteres Wiedersehen mit Kevin (André Holland) zwingt ihn, über Begehren, Angst und Einsamkeit zu sprechen.

Barry Jenkins' Drama wurde als ungewöhnlich poetischer und zugleich sehr klar erzählter Film gefeiert. Die Kritik würdigte die dreiteilige Struktur, die Kamera von James Laxton und die leisen Leistungen des Ensembles. "Moonlight" gewann den Oscar als bester Film sowie Auszeichnungen für Mahershala Ali und das adaptierte Drehbuch.

3 Fakten zu Moonlight:

  • Der Film basiert auf einem unveröffentlichten Theaterstück von Tarell Alvin McCraney.
  • Naomie Harris drehte ihre Szenen in wenigen Tagen.
  • Die Oscar-Verleihung 2017 wurde durch die vertauschte Bekanntgabe des besten Films berühmt.

Blau ist eine warme Farbe (2013)

Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist Schülerin in Lille und versucht, ihre Erwartungen an Liebe, Zukunft und Erwachsenwerden zu ordnen. Als sie Emma (Léa Seydoux) begegnet, einer Kunststudentin mit blauen Haaren, gerät ihr Bild von sich selbst ins Wanken. Die beiden Frauen beginnen eine Beziehung, die Adèle zum ersten Mal eine intensive Form von Nähe erleben lässt. Während Emma sich in einer künstlerischen Welt bewegt, sucht Adèle ihren Weg in Beruf, Freundeskreis und Alltag. Die Unterschiede zwischen den beiden werden zunehmend Teil ihrer Beziehung.

Abdellatif Kechiches Film gewann in Cannes die Goldene Palme und machte Adèle Exarchopoulos international bekannt. Gelobt wurden die emotionale Direktheit und die langen, beobachtenden Szenen. Zugleich wurde die Produktion kontrovers diskutiert, unter anderem wegen Berichten über schwierige Dreharbeiten und wegen der Darstellung von Sexualität.

3 Fakten zu Blau ist eine warme Farbe:

  • Die Vorlage ist die Graphic Novel "Le bleu est une couleur chaude" von Jul Maroh.
  • Die Goldene Palme wurde 2013 auch den beiden Hauptdarstellerinnen zugesprochen.
  • Der französische Originaltitel lautet "La Vie d'Adèle".

Eine fantastische Frau (2017)

Marina Vidal (Daniela Vega) lebt in Santiago de Chile und arbeitet als Sängerin sowie Kellnerin. Sie ist mit Orlando (Francisco Reyes) zusammen, einem deutlich älteren Mann, der sie liebt und ein gemeinsames Leben mit ihr plant. Als Orlando plötzlich stirbt, wird Marina von seiner Familie und von Behörden nicht als Partnerin akzeptiert. Orlandos Ex-Frau Sonia (Aline Küppenheim) und sein Sohn Bruno (Nicolás Saavedra) drängen sie aus der Trauerfeier und aus der gemeinsamen Wohnung. Marina muss um Würde, Erinnerung und das Recht trauern zu dürfen kämpfen.

Sebastián Lelios Drama wurde international für Daniela Vegas Präsenz und die klare Haltung gegenüber Transfeindlichkeit gelobt. Der Film gewann den Oscar als bester internationaler Film und trug dazu bei, Daniela Vega als wichtige Stimme im lateinamerikanischen Kino sichtbar zu machen. Die Inszenierung verbindet Liebesgeschichte, Trauerdrama und gesellschaftliche Beobachtung ohne laute Anklage.

3 Fakten zu Eine fantastische Frau:

  • Daniela Vega war ursprünglich auch als Beraterin für den Film beteiligt.
  • Der Film stammt aus Chile.
  • Daniela Vega präsentierte bei der Oscar-Verleihung 2018 einen Programmpunkt.

Matthias & Maxime (2019)

Matthias (Gabriel D'Almeida Freitas) und Maxime (Xavier Dolan) sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. In ihrem Freundeskreis in Montreal wirkt vieles vertraut, laut und routiniert. Für einen studentischen Kurzfilm sollen die beiden Männer eine Kussszene drehen. Der Moment verändert ihre Wahrnehmung voneinander und bringt unausgesprochene Gefühle an die Oberfläche. Matthias steht vor beruflichen Entscheidungen und lebt in einer Beziehung mit Sarah (Marilyn Castonguay). Maxime plant, nach Australien zu gehen, während seine schwierige Beziehung zu seiner Mutter Manon (Anne Dorval) ihn weiterhin belastet.

Xavier Dolans Film wurde als Rückkehr zu einem persönlicheren, kleineren Erzählraum aufgenommen. Die Kritik reagierte gemischt, lobte aber besonders die Vertrautheit innerhalb des Ensembles, die starken Gruppenszenen und Anne Dorvals Auftritt. Als Liebesgeschichte setzt der Film auf Unsicherheit, Nähe und die Frage, was ein einziger Moment verändern kann.

3 Fakten zu Matthias & Maxime:

  • Xavier Dolan übernahm neben Regie und Drehbuch auch die Rolle des Maxime.
  • Anne Dorval arbeitete bereits mehrfach mit Dolan zusammen.
  • Der Film lief 2019 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

The Danish Girl (2015)

Der Künstler Einar Wegener (Eddie Redmayne) lebt mit seiner Frau Gerda (Alicia Vikander) im Kopenhagen der 1920er-Jahre. Als Gerda ihn bittet, für ein Porträt Frauenkleidung zu tragen, wird ein Prozess sichtbar, der weit über ein künstlerisches Spiel hinausgeht. Einar erkennt sich zunehmend als Lili Elbe. Gerda unterstützt Lili, muss aber zugleich den Verlust der bisherigen Ehe und die Veränderung ihres gemeinsamen Lebens verarbeiten. Ärzte, Freunde und die Pariser Kunstszene begleiten eine Geschichte über Identität, Partnerschaft und den Wunsch nach Anerkennung.

Tom Hoopers Drama wurde vor allem wegen Alicia Vikanders Darstellung stark beachtet. Sie gewann dafür den Oscar als beste Nebendarstellerin. Der Film wurde für Ausstattung, Kostüme und die klassische Inszenierung gelobt, zugleich aber auch kritisch diskutiert, weil die Rolle der trans Frau Lili Elbe mit einem cis Schauspieler besetzt wurde.

3 Fakten zu The Danish Girl:

  • Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Ebershoff.
  • Lili Elbe gehört zu den früh dokumentierten Personen, die geschlechtsangleichende Operationen vornehmen ließen.
  • Die Kostüme von Paco Delgado erhielten eine Oscar-Nominierung.

Ungehorsam (2018)

Ronit Krushka (Rachel Weisz) lebt als Fotografin in New York und kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre orthodox-jüdische Gemeinde in London zurück. Dort trifft sie Esti Kuperman (Rachel McAdams) wieder, mit der sie früher eine heimliche Beziehung hatte. Esti ist inzwischen mit Dovid (Alessandro Nivola) verheiratet, einem angesehenen Schüler von Ronits Vater. Die Rückkehr bringt alte Gefühle und verdrängte Entscheidungen zurück. Zwischen religiöser Ordnung, Ehe und persönlicher Freiheit müssen Ronit und Esti klären, ob ihre Verbindung nur Vergangenheit ist.

Sebastián Lelios Film wurde für die konzentrierte Inszenierung und die Leistungen von Rachel Weisz, Rachel McAdams und Alessandro Nivola gelobt. Die Kritik hob hervor, dass das Drama die religiöse Gemeinschaft nicht als reine Kulisse nutzt, sondern als System aus Nähe, Pflicht und Kontrolle zeigt. Die Liebesgeschichte bleibt dabei eng mit Fragen nach Glauben und Selbstbestimmung verbunden.

3 Fakten zu Ungehorsam:

  • Die Vorlage stammt von der britischen Schriftstellerin Naomi Alderman.
  • Rachel Weisz war auch als Produzentin beteiligt.
  • Sebastián Lelio drehte zuvor "Eine fantastische Frau".

All of Us Strangers (2023)

Adam (Andrew Scott) lebt zurückgezogen in einem fast leeren Hochhaus in London und arbeitet an einem Drehbuch über seine Vergangenheit. Eines Abends begegnet er seinem Nachbarn Harry (Paul Mescal), der ebenfalls einsam wirkt und Kontakt sucht. Zwischen den beiden Männern entsteht eine vorsichtige Beziehung. Gleichzeitig fährt Adam in das Haus seiner Kindheit und trifft dort auf seine verstorbenen Eltern (Claire Foy und Jamie Bell), die so erscheinen, wie er sie als Kind verloren hat. Die neue Liebe und die Begegnungen mit der Vergangenheit zwingen Adam, alte Verletzungen auszusprechen.

Andrew Haighs Film wurde für seine leise Kraft, die emotionale Genauigkeit und die vier zentralen Darsteller gelobt. Besonders Andrew Scott erhielt starke Resonanz für seine Darstellung von Einsamkeit, Sehnsucht und später Offenheit. Der Film verbindet queere Liebesgeschichte mit Trauer, Erinnerung und Familiengesprächen, ohne die romantische Linie aus dem Blick zu verlieren.

3 Fakten zu All of Us Strangers:

  • Der Film ist lose von Taichi Yamadas Roman "Strangers" inspiriert.
  • Andrew Haigh führte Regie und schrieb das Drehbuch.
  • Die Dreharbeiten fanden unter anderem in London statt.

Royal Blue (2023)

Alex Claremont-Diaz (Taylor Zakhar Perez) ist der Sohn der US-Präsidentin Ellen Claremont (Uma Thurman). Nach einem öffentlichen Zwischenfall mit Prinz Henry (Nicholas Galitzine) soll er aus politischen Gründen eine Freundschaft mit dem britischen Royal vortäuschen. Aus Pflichtterminen und Nachrichten wird langsam eine echte Nähe. Beide Männer stehen unter Beobachtung: Alex wegen des Wahlkampfs seiner Mutter, Henry wegen der Erwartungen des Königshauses. Ihre Beziehung muss sich zwischen öffentlicher Rolle, privatem Glück und der Angst vor einem politischen Skandal behaupten.

Die Prime-Video-Romanze wurde als moderne, sehr zugängliche queere Romcom aufgenommen. Viele Reaktionen hoben die klassische Wohlfühlstruktur, das Tempo und die Chemie der Hauptdarsteller hervor. Der Film setzt weniger auf Realismus als auf Glanz, Dialogwitz und ein optimistisches Bild davon, wie öffentliche Figuren ihre Liebe behaupten können.

3 Fakten zu Royal Blue:

  • Die Vorlage ist der Bestseller "Red, White & Royal Blue" von Casey McQuiston.
  • Matthew López führte Regie und war am Drehbuch beteiligt.
  • Der Film erschien weltweit bei Prime Video.