Szenen einer Ehe – und ganz am Ende die Frage, was Liebe ist. Ein alltagstauglicher Volkswagen, oder doch das Glück, nebeneinander sitzen zu können und zu schweigen?

Szenen einer Ehe – das musste wieder mal sein. Nicht jeder hat schließlich vor Kurzem beim 3sat-Preis Matthias Brandt und Catrin Striebeck in "Toulouse" gesehen – eine Zimmerschlacht im Nobelhotel am Mittelmeer, letzte Zuckungen einer Ehe, die nicht mehr zu retten ist. Jetzt also die andere Variante, hyperrealistisch bis auf die Knochen. Marc und Sonja (Ronald Zehrfeld, Laura Tonke) sind auf einer Fahrt in die Vergangenheit. Es geht zum schönen alten Haus, wo einst ihre Ehe so glücklich begann. Jetzt wollen sie es verkaufen. Ein benachbartes Ehepaar (Eleonore Weisgerber und Günther Maria Halmer) wartet schon auf die beiden. Regisseur Max Zähle dreht in "Bist du glücklich?" das Rad der Zeit vor und zurück, dass es eine wahre Wonne ist (Drehbuch: David Ungureit). Ganz schwindlig wird man dabei gespielt.

Auf ihrer (Heim-) Reise besuchen die beiden beispielsweise ein entlegenes Restaurant. Damals, vor vielen Jahren, haben sie nach einem Gewitter das schier unvergleichliche Chili con Carne genossen. Jetzt wollen sie es noch einmal essen. Doch man ahnt: Es ist nicht mehr so. Marc hört gar nicht mehr auf, mit dem Salzstreuer herumzufummeln. Der Salzstreuer war in der Ehe der beiden schon immer ein Problem: Marc hätte ihn gern immer auf dem Tisch gehabt, Sonja lieber im Regal. So was kann nach Jahren Anlass für aufreizende Wortgefechte geben. In einer kaputten Ehe wird einem schließlich ständig das Wort im Mund umgedreht.

In diesem Sport steht das betagte Philemon-und-Baucis-Paar, das im alten Haus im Taunus wartet, den beiden in nichts nach. Auch im Dauerstreit: Ist man ihn erst gewohnt, lässt es sich ganz gut damit leben. Vergeblich allerdings versuchen die Alten, eine Ehe wie die ihre Marc und Sonja schmackhaft zu machen. Doch auch die letzte Nacht im alten Haus wird böse enden: Zuerst wird die heikle Frage, wer das Gästezimmer belegen darf, ausgeknobelt. Und dann, ganz am Ende des Films wird Marc auch noch die Socken entdecken, die Sonjas Seitensprung hinterlassen hat.

Die Dialoge einer schwierigen Ehe sind genau beobachtet, die Verletzungen, die kleinen und die großen Lügen, sie fördern sich wie von selbst zutage. Kleine psychologische Szenen, short cuts, könnten so für sich stehen, wenn da nicht noch die Geschichten von früher wären, die sich zwischen die Dialoge drängen. Wie einst Martha im Klassiker "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" trägt Sonja ein Problem mit sich herum: Ein Kind wäre ihr größter Wunsch, doch es gibt keins, vielleicht weil es Marc nicht so wichtig findet. "Ich hätte gern ein Kind mit dir, aber es muss nicht sein!" sagt Marc. Und Sonja kontert: "Vielleicht liegt's ja gerade an dieser Einstellung, dass es nicht klappt!"

Mit den Einblendungen früherer Verhältnisse der beiden verliert der psychologische Dauerkrieg an Konzentration. Natürlich hat Marc eine Jüngere, Susanne, die er am Arbeitsplatz kennengelernt hat. Sonja zahlt es ihm mit einem Ersatzmann zurück. Allen erdenklichen Klischees weicht der Film (Drehbuch: David Ungureit) nicht aus, er lässt seine Figuren bis zum bitteren Ende stets mit ihnen spielen. Zwei sind auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Sie haben Schmerzen, aber sie gestehen sich das nicht ein.

Was ist Liebe? fragen sie sich am Ende. Für Marc ist Liebe wie ein alltagstauglicher Volkswagen, der dabei hilft, über die Macken des anderen wegzukommen. Für Sonja, im Film immer die Härtere, bedeutet Liebe, "nebeneinander sitzen zu können und froh zu sein, dass der andere da ist". Der Zuschauer hat die Qual der Wahl. Er mag sich entscheiden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst