Schattenmord: Unter Feinden
03.12.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Schattenmord: Unter Feinden
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Ein ARD-Film mit Konfliktpotenzial

Von Susanne Bald

Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus innerhalb der Polizei: Es sind brisante Themen, die das aufrüttelnde, gut besetzte Krimidrama behandelt. Im Zentrum steht der Mord an einem jüdischen Oberstaatsanwalt, mit dessen Aufklärung eine arabischstämmige Kommissarin betraut wird.

"Wir haben immer hinter Defne gestanden. Wir haben sie geliebt. Aber es ist einfacher, Menschen in Schubladen zu stecken und sie vorzuverurteilen", erklärt Aylin Tufan (Beo Yalcin), Schwester der vor einigen Jahren ermordeten Journalistin Defne Tufan, der jungen Hauptkommissarin Nadirah Abaza (Sabrina Amali, "Die Notärztin"). Defne habe damals über ein Neonazi-Netzwerk recherchiert und sei von Rechtsradikalen bedroht worden. Das habe die Polizei jedoch ignoriert und die Tat stattdessen der Familie als Ehrenmord in die Schuhe geschoben. – Es ist nur eine von vielen eindringlichen, schockierenden Szenen von Brisanz, mit denen das ARD-Krimidrama "Schattenmord – Unter Feinden" am Mittwochabend aufwartet.

Im Zentrum des knapp 90-minütigen Films steht der Mord an Oberstaatsanwalt Frank Leuw (Dani Levy). Er war der Mentor von Nadirah Abaza, die nun von ihrem Chef (Max Urlacher) mit den Ermittlungen betraut wird. Eine Araberin, die im Mord an einem Juden ermittelt? Das möchte die neue Oberstaatsanwältin (Helene Grass) sofort unterbinden – es gehe schließlich um die "Außenwirkung".

Ist es riskant oder mutig von der ARD, zu politisch aufgeladenen Zeiten wie diesen einen durchaus kritischen Film (Drehbuch und Regie: Raquel Stern und Damir Lukačević) zu Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus auszustrahlen? Vermutlich ist es beides.

Täter oder Maulwurf bei der Polizei?

Nadirah und ihr Kollege Erik Stoibel (Nikolaus Sternfeld) verdächtigen den Drogenboss Ali Sakka (Kida Khodr Ramadan), den sie vor wenigen Wochen hinter Gitter bringen konnten, woraufhin er Leuw gedroht haben soll. Laut seinem engen Freund, dem Rabbiner Samuel Rivkin (Garry Fischmann), habe sich Leuw vor seinem Tod verfolgt gefühlt. Sakka allerdings beteuert seine Unschuld.

Auf Videoaufnahmen aus der Überwachungskamera kann man zwei Einbrecher erkennen, die Leuw fesseln und ausrauben. Aufgrund des ermittelten Todeszeitpunkts können sie aber nicht die Mörder sein. Eine dritte Person auf dem Video ist kaum zu sehen, sie muss von der Kamera gewusst haben – stammt der Täter oder die Täterin aus Leuws Umfeld? Oder aus Polizeikreisen?

In Verdacht gerät die Ermittlerin Katharina Hauser (Anja Schneider), die regelmäßig durch rechtsextreme Tendenzen auffällt. Die Filmemacher greifen hier ein reales Thema auf: Im Mai 2025 schrieb das Magazin "Stern" nach einer Nachfrage bei den Innenministerien der Bundesländer von fast 200 Disziplinarverfahren gegen deutsche Polizeibeamte "wegen Verdachts auf eine rechtsextremistische Gesinnung und/oder Verschwörungsideologie". Die Zahl soll allerdings um einiges höher liegen, da drei Länder keinen eindeutigen aktuellen Zahlen lieferten, wie es hieß.

Ein weiterer Verdacht in Richtung Polizei kommt hinzu, als dort nicht nur Waffen verschwinden, sondern auch Dateien auf dem in Polizeigewahrsam befindlichen Computer Leuws. Einige können wiederhergestellt werden. Sie führen unter anderem zum anfangs erwähnten Fall der ermordeten Journalistin Defne Tufan sowie einer rechtsextremen Stiftung, die einen sofortigen Zuzugstop von Zuwanderern fordert.

"Das fühlt sich alles so aussichtslos an ..."

Auf die richtige Spur kommt Nadirah schließlich durch die tatkräftige Unterstützung von Frank Leuws Vertrautem Samuel. Aber ist es die richtige Spur? So ganz sicher mag man sich auch nach dem wendungsreichen Finale nicht sein, das einem das Gefühl gibt, dass da noch mehr ist. Und man würde durchaus gerne auch noch mehr von diesem ungewöhnlichen Ermittlerduo sehen, über das es noch viel Interessantes zu erfahren gäbe.

Durch sie und ihr privates und berufliches Umfeld bekommt man einen winzigen Eindruck davon, was es bedeutet, in der heutigen Zeit in Deutschland jüdisch oder muslimisch zu sein. Nadirahs Mann Kamil (Hassan Akkouch) macht sich ebenso Sorgen um seine Frau wie Samuels Ehefrau Hannah (toll: Morgane Ferru) um ihn und sich selbst: "Ich weiß nicht mehr, ob's Sinn macht, hier zu bleiben. Das fühlt sich alles so aussichtslos an ..." – ein weiterer dieser beklemmenden Momente des Films.

"Schattenmord – Unter Feinden" – Mi. 03.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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