„Sind diese Ablagerungen gefährlich?“, fragte mich kürzlich besorgt eine Patientin Anfang 60 mit leichtem Bluthochdruck. Sie war sichtlich beunruhigt, nachdem ich ihr erklärt hatte, dass sie Plaques in ihren Blutgefäßen hat. In ihrem Fall konnte ich Entwarnung geben: „Nicht alle Ablagerungen in Gefäßen sind gefährlich. Aber manche schon. Dank moderner Technik können wir das heute schon früh sehr genau erkennen.“
Plaques bestehen aus einer Mischung aus Fett, kleinen Blutgerinnseln, Bindegewebe, Kalk oder Kalzium. Sie lagern sich über Jahre unbemerkt an Gefäßwänden ab. Dort können sie die Gefäße langsam verengen und verhärten. Man kann sich das ein wenig wie Kalk-
ablagerungen in einer Wasserleitung vorstellen. Passiert das an den Herzkranzgefäßen, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, spricht man von einer koronaren Herzerkrankung. Sie gehört in Deutschland zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unbehandelt drohen Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall oder plötzlicher Herztod.
Dank neuer Technologien können wir Plaques heute viel früher erkennen und behandeln. Beim intravaskulären Ultraschall (IVUS) wird ein winziger Ultraschallkopf über einen Katheter in das Herzkranzgefäß geschoben. So können wir direkt von innen sehen, wie dick die Gefäßwand ist, ob sich gefährliche Ablagerungen gebildet haben, und – falls ja – in welcher Form und Größe. Über diesen speziellen Katheter lässt sich mittels Infrarotlicht auch die Zusammensetzung der Plaques erkennen. Wir nennen dieses Verfahren Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS). Je mehr Fett enthalten ist, desto instabiler und damit gefährlicher sind die Plaques, weil sie leichter aufreißen können.
So können wir Risiken früh erkennen und gezielt behandeln, sogar noch bevor Beschwerden auftreten. In der Kardiologie der Universitätsmedizin Essen nutzen wir diese Verfahren häufig, weil wir ein interventionelles Herzzentrum sind. Das sind medizinische Zentren, die spezialisiert sind auf minimalinvasive Eingriffe am Herzen. Wer mit diesen neuen Techniken untersucht werden möchte, sollte aktuell noch ein solches Zentrum in seiner Nähe aufsuchen.
Bei meiner Patientin war keine weitere interventionelle Behandlung mit einem Katheter nötig. Wir haben ihr aber ans Herz gelegt, ihre Blutdruckmedikamente und Cholesterinsenker regelmäßig einzunehmen. Außerdem haben wir ihr empfohlen, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen. So kann sie vermeiden, dass die vorhandenen Ablagerungen in den Gefäßen weiterwachsen oder neue entstehen.