„Was kann ich noch gegen meinen hohen Blutdruck tun?“, fragte mich eine 60-jährige Patientin vor ein paar Monaten in meiner Sprechstunde. Sie leidet an einer Erkrankung, die ihren Alltag zunehmend belastete: Bluthochdruck. Jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist davon betroffen. Vielen geht es wie meiner Patientin: Trotz gesunder Lebensweise und mehrerer Medikamente bleibt ihr Blutdruck erhöht. Stattdessen geraten sie in eine Spirale aus Nebenwirkungen wie Schwindel, Herzrasen und Unsicherheit beim Gehen. Das Blutdruckmessgerät schlägt weiter Alarm. Die Lebensqualität leidet. Die Sorge wächst.
Zu Recht, denn Bluthochdruck ist tückisch. Er hinterlässt leise Schäden, die sich oft erst bemerkbar machen, wenn es zu spät ist. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Sehstörungen bis zur Erblindung sind Folgen, die wir in der Klinik täglich sehen. Allesamt vermeidbar, wenn rechtzeitig gehandelt wird. Das Dramatische: Nur etwa ein Viertel der Betroffenen ist optimal medikamentös eingestellt. Hinzu kommt, dass nach etwa einem Jahr die Hälfte die Einnahme beendet. Die Gründe: zu viele Tabletten, zu viele Nebenwirkungen, zu kompliziert. Sogenannte Kombinationspräparate – Tabletten, die mehrere Wirkstoffe enthalten – werden deshalb zwar als Lösung empfohlen, aber noch immer zu selten verschrieben. Doch es gibt auch Fälle, in denen selbst das nicht ausreicht. So wie bei meiner Patientin.
Für diese Patientengruppe kann die Nierennervenablation neue Hoffnung bringen. Das Verfahren ist nicht neu, geriet jedoch nach frühen, mangelhaften Studien in die Kritik. Zu Unrecht, wie wir heute durch neue Studien wissen. „Die Methode wirkt und ist sicher. In der Nierenarterie werden gezielt Nervenfasern verödet, die eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation spielen. Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Katheter in der Leiste, dauert meist weniger als 30 Minuten, erfordert keine Operation und keine Vollnarkose. In der Regel geht es am Folgetag wieder nach Hause“, erklärte ich der 60-Jährigen damals.
Das Besondere ist die blutdrucksenkende Wirkung, unabhängig von Tageszeit oder Medikamenteneinnahme. Das ist besonders wichtig, weil Herzinfarkte und Schlaganfälle häufig in den frühen Morgenstunden auftreten, wenn der Blutdruck natürlicherweise ansteigt.
Heute, neun Monate nach dem Eingriff, benötigt die Patientin nur noch ein Medikament. Ihre Blutdruckwerte sind im Zielbereich. Die Nierennervenablation hat nicht nur ihr Risiko für Folgeerkrankungen gesenkt, sondern ihr auch etwas zurückgegeben, das sie lange vermisst hatte: Lebensqualität.