Fettlebergefahr

Fettleber ohne Alkohol – wenn der Stoffwechsel die Leber angreift

18.05.2026, 02.00 Uhr
Eine 60-Jährige aus Rheinland-Pfalz kämpft mit einer stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung. Trotz fehlender Symptome kann diese Krankheit schwerwiegende Folgen haben, wie erhöhte Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Intensive Betreuung im Leberzentrum Mainz und eine Ernährungsumstellung helfen ihr, die Krankheit in den Griff zu bekommen.
Dr. Julia Fischer lacht.
Dr. Julia Fischer moderiert mittwochs um 20.15 Uhr die SWR-Gesundheitssendung „Doc Fischer“, ist Buchautorin und medizinische Expertin in Talkshows. Als Host des ARD Gesund YouTube-Kanals erklärt sie anschaulich medizinische Themen. Fotoquelle: SWR

„Das will man nicht wissen. Das will man auch nicht zugeben, bis es irgendwann oben Klick macht“ – so beschreibt die Betroffene aus meiner Sendung, eine 60-Jährige aus Rheinland-Pfalz, wie sie jahrelang über ihr Essverhalten hinweggesehen hat. Am Ende wog sie 132 Kilo, konnte keine längere Strecke am Stück laufen und bekam sofort Luftnot, wenn sie sich bewegte.

Dass dabei auch ihre Leber längst Schaden genommen hatte, wusste sie nicht. Erst eine Kontrolluntersuchung beim Hausarzt brachte es ans Licht: ein hoher Blutzucker und extrem schlechte Leberwerte. Im Leberzentrum der Uniklinik Mainz lautete die Diagnose: stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung – eine Form, die nichts mit Alkohol zu tun hat und die viele Betroffene nicht kennen, weil sie über Jahre symptomlos bleibt. Professor Dr. Peter R. Galle, Leiter des Leberzentrums in Mainz, erklärt, warum die Erkrankung so gefährlich ist: Die Entzündung, die das Fett in der Leber auslöse, bleibe nicht lokal. „Diese Entzündung, die primär durch das Fett in der Leber stattfindet, weitet sich auf den ganzen Körper und auch auf die Blutgefäße aus. Damit wird das Atherosklerose-Risiko erhöht und es steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfälle.“ Im schlimmsten Fall führt die Entzündung zu Vernarbungen – und schließlich zur Leberzirrhose.

Ein Ultraschall zeigt: Die Leber der Betroffenen ist bereits chronisch verändert, deutlich verfettet und weist Bindegewebsschäden auf. Eine vollständige Heilung der Leber ist in diesem Stadium selten. Ziel der Behandlung ist es nun, den jetzigen Zustand zu erhalten und wenn möglich zu verbessern. Sie wird im Leberzentrum intensiv begleitet: mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und einer gezielten Ernährungsberatung. Empfohlen wird vor allem die mediterrane Ernährung in ihrer ursprünglichen Form: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und Olivenöl. Besonders wichtig sei der Verzicht auf Einfach- und Zweifachzucker – also nicht nur Süßigkeiten und Kuchen, sondern auch zuckerreiche Obstsorten, Fruchtsäfte und gesüßte Getränke.

Die Betroffene hat sich die Tipps zu Herzen genommen. Sie führt ein Ernährungstagebuch, geht täglich spazieren, macht Reha-Sport. Im vergangenen halben Jahr hat sie 20 Kilo abgenommen. „Ich bin stolz auf mich“, sagt sie. Ihr nächstes Ziel: die 100-Kilo-Marke knacken. Langsam und gesund.