Heilende Lieder

Tarja Turunen über ihr neues Album "Frisson Noir"

01.06.2026, 02.00 Uhr
Tarja Turunen spricht über ihre Erfahrungen mit der Rock-Meets-Classic-Tour, die Produktion ihres neuen Albums "Frisson Noir" und ihre Meinung zu Musiklabels.
Tarja Turunen in einem schwarzen Kleid mit lila Schleppe.
Tarja Turunen Fotoquelle: Tim Tronckoe

prisma: Tarja, du bist kürzlich mit der Rock-Meets-Classic-Show durch Deutschland gereist. Wie hast du die täglichen Auftritte mit Leuten wie Joey Tempest, Michael Schenker, Eric Martin, Ronnie Atkins oder Robert Hart erlebt? 

Tarja Turunen: Es war unglaublich. So viele wunderbare Künstler, ein tolles Orchester und jeden Abend die Gewissheit, nur Mega-Hits zu performen. 

Kollidierten diese Konzerte nicht mit der Produktion deines neuen Albums „Frisson Noir“? 

Oh nein. Das Album ist vorher fertig geworden. Und nun konzentriere ich mich ganz auf andere Dinge wie beispielsweise klassischen Gesang. Ich schaue einfach, dass Stimme und Körper gesund bleiben, damit die anstehenden Aufgaben auch bewältigt werden können. Im Oktober startet die Tour zu diesem Album, auf die ich mich sehr freue. 

Es ist ein wirklich hartes und dunkles Album, das sehr an deine Ex-Band Nightwish erinnert. 

Na ja, ich habe diese wirklich starke Band mit sehr viel Power. Und wenn ich live mit dieser Band performe, dann spürt man das auch. Das wollte ich gerne einfangen. Ich liebe das, denn es passt zu meiner Stimme. Aber irgendwie ging diese Power auf meinen früheren Alben während der Produktion immer verloren. Wir haben ein paar Mal etwas ähnliches ausprobiert, aber ich war am Ende immer unzufrieden. Daher suchte ich nach einem Engineer, der diese Power, diese Heavyness dieses Mal aus dem Material herauskitzelt. Und Neal Avron war dieser Mann. Ich könnte gar nicht glücklicher mit dem Ergebnis sein. Dabei spielte es keine Rolle, dass es eine große räumliche Distanz zwischen uns gab.                        

Es gibt mehrere Gastbeiträge auf dem Album. Am beeindruckendsten finde ich den von Dani Filth (Cradle Of Filth) Er klingt ganz anders als sonst und lässt sich komplett auf die Musik ein.

Das ist wunderbar, oder? Dani hat keine Angst vor Experimenten und zieht sein Ding genauso durch wie ich. Dazu passt der Songtitel „I Don’t Care“ auch ganz gut. Und das Ergebnis ist überwältigend.

Die Musikindustrie steckt neue Alben aus Marketingzwecken ja gerne in Schubladen…

Ja, ich weiß. Aber das tangiert mich ehrlich gesagt nicht. Am Ende geht es nicht darum, welches Label auf das Produkt gedruckt wird, sondern welche Gefühle zum Ausdruck gebracht werden. Am Ende des Tages geht es um Kunst.

Also kannst du auch nicht viel mit dem Begriff „Female Fronted Metal“ anfangen? 

Um Gottes Willen. Das ist solche ein dummer und antiquierter Ausdruck. Er reduziert Bands völlig verschiedener Stilrichtungen nur auf die Tatsache, dass sie eine Sängerin in ihren Reihen haben. Ich hasse diesen Begriff. 

Wie würdest du die Musik auf dem Album denn beschreiben? 

Als kraftvollen Metal. Die Stücke auf dem Album sind für mich eine Art Therapie und erinnern mich daran, wie heilsam Musik sein kann.