Vielfalt und Identität

Yared Dibaba: "Ich möchte mich einbringen, in den Dialog gehen"

18.05.2026, 02.00 Uhr
Yared Dibaba reflektiert in seinem neuen Buch „Bin da, wer noch?“ über seine persönliche Reise von Äthiopien nach Deutschland und die Bedeutung von Vielfalt und Identität.

Yared Dibabas Buch „Bin da, wer noch? Für eine Zukunft, in der das Wir gewinnt, das bei bene! erschienen ist, ist eine warmherzige, humorvolle und zugleich tiefgreifende Auseinandersetzung mit Identität und der Frage, wie wir ein echtes „Wir-Gefühl“ in einer vielfältigen Gesellschaft schaffen können. Im Interview erzählt der bekannte Moderator über seine ganz persönlichen Lebenserfahrungen. 

prisma: Unser Gespräch dreht sich um Ihr neues Buch. Der Verlag hat mir ein Exemplar geschickt, inklusive eines Flyers, der auf Ihre Termine hinweist. Ist das eigentlich eine Lesereise?

Yared Dibaba: Nein, es ist keine Lesereise. Es ist eine Bühnenshow, mit der ich unterwegs bin.

Wie ist der Auftakt bisher verlaufen? Es gab ja bereits einige Termine.

Yared Dibaba: Ich bin sehr zufrieden. Die Veranstaltungen waren ausverkauft, das Publikum war sehr aufmerksam und die Resonanz war gut, es gab Applaus. Das Konzept ist so aufgegangen, wie ich es mir vorgestellt hatte, darüber freue ich mich sehr.

Applaus ist in der Regel ein gutes Zeichen.

Yared Dibaba: Auf jeden Fall. Es hätte auch anders laufen können.

Sie haben bereits mehrere Bücher veröffentlicht, vor allem mit humoristischem Schwerpunkt und mit Bezug zum Plattdeutschen. Das neue Buch ist deutlich persönlicher. Was war für Sie der Auslöser, es zu schreiben?

Yared Dibaba: Der Ausgangspunkt war die Bühnenshow. Ich habe mich intensiv mit den Themen Vielfalt und Diversität beschäftigt und mich bei „Eine Welt der Vielfalt“ zum Diversity-Trainer ausbilden lassen. Während der Ausbildung wurden mir die Inhalte so wichtig und so eindrücklich, dass ich dachte: Dieses Thema gehört auf die Bühne. Es sollte viel mehr Menschen erreichen. So wie Eckart von Hirschhausen gesellschaftliche Themen auf die Bühne bringt oder Martin Rütter das Thema Hund, kann man auch mit Vielfalt auf die Bühne gehen und Menschen Lust auf Vielfalt machen. Als ich begann, Ideen für die Show zu entwickeln, wurde mir klar: Ein Buch sollte dazugehören. Auf der Bühne hat man etwa 90 Minuten – in einem Buch kann ich Themen vertiefen, Hintergründe erläutern und auch Biografisches erzählen.

Besonders spannend ist Ihr Weg von der Kindheit in Äthiopien bis zu Ihrer Ankunft in Deutschland. Welche Erinnerungen tragen Sie aus dieser Zeit besonders in sich? Und war es überraschend, wie emotional das Schreiben wurde?

Yared Dibaba: Es war sehr emotional. Ich habe mich seelisch nicht darauf vorbereitet, dass es mich so stark bewegen würde. Ich bin eher jemand, der beginnt und dann schaut, was passiert. Beim Schreiben kommen Erinnerungen wieder hoch, und man berührt Themen, die man lange beiseitegelegt hat. Das hat viel mit mir gemacht. Ich habe mich zudem mit Menschen ausgetauscht, etwa mit meiner Mutter, um Dinge nachzufragen, und mit meinen Geschwistern, um Einzelheiten abzugleichen. Wenn man darüber spricht, wird es erneut präsent. Teilweise hat mich das so beschäftigt, dass ich nachts davon geträumt habe. Es gab Phasen, in denen ich nicht weiterschreiben konnte, weil zu viel auf einmal hochkam.

Viele Autorinnen und Autoren berichten, dass beim Schreiben aus einzelnen Erinnerungen plötzlich ein großer Zusammenhang entsteht.

Yared Dibaba: Ja, das kann ich bestätigen.

Wie war Ihre Vorgehensweise? Wie sind Sie an das Buch herangegangen? Haben Sie einfach begonnen zu schreiben, oder gab es zunächst eine Struktur?

Yared Dibaba: Am Anfang stand die Frage, welche Themen ich unbedingt aufnehmen möchte. Ich habe das Buch gemeinsam mit Annie Heger geschrieben. Sie ist selbst Autorin und arbeitet in vielen Bereichen ähnlich wie ich. Das war hilfreich: Sie konnte Inhalte zuspitzen und hat zu einigen Aspekten zusätzlich recherchiert. Für mich war es wertvoll, eine Perspektive von außen zu haben. Mir war wichtig, Vielfalt und Diversität nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern auch praktisch und persönlich. Deshalb erzähle ich meine Geschichte: was es bedeutet, auf der Flucht zu sein, die Heimat zu verlassen, in einem neuen Land anzukommen – und dort gleichzeitig willkommen zu sein und Ablehnung zu erleben. Diese Erfahrungen sind vielschichtig. Es gibt nicht einfach „gut“ oder „schlecht“. Oft passieren unterschiedliche Dinge parallel.

Wie war das in Ihrem Fall?

Yared Dibaba: Ich könnte sagen: Es war schlimm, nach Deutschland zu kommen, weil ich Rassismus, Ausgrenzung in der Schule und solche Erfahrungen gemacht habe. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Ich habe einen guten Beruf, ich hatte auch Glück, ich lebe in Frieden und Sicherheit, und ich habe viele Menschen getroffen, die mich unterstützt haben. Deshalb ist mir die differenzierte Sicht wichtig. Beim Schreiben habe ich mich immer gefragt: Was haben die Menschen davon, die das lesen? Es soll nicht nur meine Biografie sein. Ich möchte Leserinnen und Leser ermutigen, neugierig zu bleiben, offen für Vielfalt zu sein und mit den schnellen Veränderungen unserer Zeit besser umgehen zu können.

Das spürt man: Sie benennen Probleme, aber Sie wirken dabei dialogorientiert. Viele Menschen haben derzeit das Gefühl, dass Positionen sich verhärten und kaum noch miteinander gesprochen wird.

Yared Dibaba: Ich glaube, wir müssen lernen, wie wir Dinge aussprechen und wie wir sie formulieren. Unsere gesellschaftliche Wirklichkeit hat sich verändert, und damit verändert sich auch Sprache. Wenn wir verstehen, dass wir in einer vielfältigen Gesellschaft leben, verändert sich das Miteinander. Was früher selbstverständlich war, muss geprüft werden: Passt das noch? Brauchen wir andere Wege, vielleicht auch eine andere Sprache? Denn heute sitzen Menschen mit am Tisch, die früher nicht beteiligt waren. Und die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.

Durch die Digitalisierung kann heute jede und jeder überall die eigene Meinung äußern – das war früher anders.

Yared Dibaba: Gleichzeitig hört man oft den Satz: „Man kann ja nichts mehr sagen.“

Das wirkt widersprüchlich.

Yared Dibaba: Das finde ich auch. Beim Buch war mir wichtig, Themen aus meiner Ausbildung und Arbeit als Diversity-Trainer aufzunehmen, sie mit persönlichen Erlebnissen zu verbinden und Menschen Mut zu machen, konstruktiv und optimistisch miteinander umzugehen – mehr das Gemeinsame zu sehen und zu stärken.

Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung betrachtet, hat sich gleichzeitig viel verbessert – auch wenn es Zeit braucht.

Yared Dibaba: Da stimme ich Ihnen zu. Das sollten wir anerkennen und wertschätzen. Das Bewusstsein für psychische Gesundheit und Selbstfürsorge ist heute viel stärker als vor Jahrzehnten. Beim Thema Gleichberechtigung hat sich ebenfalls viel bewegt. Das heißt nicht, dass wir uns ausruhen dürfen. Aber es ist wichtig, zu sehen, was gelungen ist und wer sich engagiert. Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen – in Vereinen, Initiativen, Organisationen –, sollten wir stärker würdigen. Probleme müssen benannt werden, ohne sie zu beschönigen. Zugleich ist es gerade in schwierigen Zeiten wichtig, auch den Zusammenhalt zu sehen, der vielerorts vorhanden ist.

Sie beschreiben die Neugier als eine Art Muskel, den man trainieren kann. Gab es Situationen, in denen Neugier für Sie besonders viel Mut erfordert hat?

Yared Dibaba: Schon das Buch zu schreiben war eine solche Situation, weil ich sehr Persönliches preisgebe – und damit dann auf die Bühne zu gehen, verstärkt das noch. Auf der Bühne gibt es unmittelbare Reaktionen. Es ist kein reines Comedy-Programm. Humor ist Teil davon, aber ich spreche auch über ernste Themen wie Diskriminierung und Rassismus. Viele kennen mich als plattdeutsch sprechenden Unterhaltungsmenschen, der leichte, freundliche Themen bedient. Für mich war es eine bewusste Entscheidung, mehr Facetten zu zeigen. Das erforderte Mut und Neugier. Ein weiteres Beispiel ist die Moderation einer sexpositiven Sendung beim WDR. Das war öffentliches Lernen: über Sexualität offen zu sprechen, die richtigen Worte zu finden – auch das verlangt Neugier und Mut.

Mir ist kürzlich in der Düsseldorfer Altstadt ein großes Geschäft aufgefallen, das sich „Satisfyer“ nennt und in dem Selbstbefriedigungs-Produkte offen in einer Art Boutique angeboten werden – zwischen all den Modegeschäften dort. Das wäre früher kaum denkbar gewesen.

Yared Dibaba: Genau darin zeigt sich Fortschritt. Solche Läden hätte es vor 30 oder 40 Jahren in dieser Form vermutlich nicht gegeben.

Sie deuten es als Enttabuisierung?

Yared Dibaba: Ja. Es zeigt auch, dass Frauen stärker auf sich achten, darauf, was ihnen guttut – und dass es dafür Angebote und einen Markt gibt. Das kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen.

Sie greifen im Buch immer wieder Humor auf – etwa im Umgang mit Alltagsrassismus. Gleichzeitig beschreiben Sie den Punkt, an dem manches nicht mehr lustig ist. Sie schildern zum Beispiel eine Szene in einem Fernsehstudio, in dem Sie als Moderator tätig sein sollten, dann aber vom Portier automatisch in Richtung Küche verwiesen wurden. Erleben Sie solche Situationen heute noch?

Yared Dibaba: Ich persönlich erlebe das heute nicht mehr in dieser Form.

Weil Sie sehr bekannt sind.

Yared Dibaba: Das spielt sicher eine Rolle. Dennoch können solche Situationen weiterhin vorkommen – vielleicht nicht bei mir, aber bei anderen Menschen. Solche Szenen zeigen, wie Alltagsrassismus funktionieren kann. In manchen Bereichen ist viel passiert: mehr Sensibilität, mehr Wissen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die noch nicht so weit sind. Auch das gehört zur Vielfalt: unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten.

Sie sprechen davon, zwei Heimaten zu haben – Äthiopien und Deutschland.

Yared Dibaba: Ja, das stimmt.

Ist das eher ein Gefühl von „zwischen den Stühlen“ – oder eher ein Geschenk?

Yared Dibaba: Für mich ist es ein Geschenk. Allerdings musste ich dahin erst kommen: zu verstehen, dass ich nicht zwischen zwei Stühlen sitze, sondern zwei Stühle habe. Ich kann aus zwei Kulturen schöpfen und Situationen aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Leider kann ich aufgrund der politischen Lage aktuell nicht nach Äthiopien reisen. Es gibt Regionen mit bewaffneten Konflikten. Außerdem engagieren wir uns als Familie für Menschenrechte, und das ist nicht ungefährlich. Deshalb war ich in 46, 47 Jahren nur zweimal dort. Die Sehnsucht, das Heimweh und die Identifikation mit der Heimat sind aber sehr stark. Ich habe zwei Heimaten.

Im Buch ist der Odaa-Baum ein wiederkehrendes Symbol. Was bedeutet er?

Yared Dibaba: Der Odaa-Baum ist der Ort, an dem sich Älteste und Entscheidungstragende treffen, beraten und verhandeln, an dem Streit geschlichtet wird. Man kommt im Schatten dieses Baumes zusammen und spricht miteinander. Die Oromos kennen eine sehr alte Form von Basisdemokratie, das Gadaa-System: In verschiedenen Bereichen und Altersgruppen werden Führungspersonen alle acht Jahre gewählt, die dann für acht Jahre Verantwortung übernehmen. Das ist eng mit dem Symbol des Odaa-Baums verbunden. Er ist auch auf der Flagge der Oromos zu sehen. Es gibt in Oromia heilige Orte, etwa Harar, wo ein solcher Baum steht. Wer dort ist, spürt eine besondere Atmosphäre.

Das passt zu Ihrer Idee des Dialogs und des Aushandelns.

Yared Dibaba: Ja. Es geht um einen Ort, an dem man in Kontakt bleibt, Spielregeln des Miteinanders kennt und versucht, auch Schwieriges zu verhandeln.

Der Titel Ihres Buchs lautet „Bin da, wer noch?“. Sind Sie angekommen?

Yared Dibaba: Ich würde sagen: Ja. Das ist natürlich auch ein Gefühl. Ich lebe seit 47 Jahren in Deutschland, ich sehe Deutschland als meine Heimat. „Bin da“ meint aber auch: Ich möchte mich einbringen, in den Dialog gehen, Vielfalt mitgestalten und Verantwortung übernehmen. „Wer noch?“ ist die Einladung an andere: Wer hat ebenfalls Lust, sich zu engagieren? Ich versuche das in verschiedenen Bereichen: in Organisationen, in der Kirche, in der Menschenrechtsarbeit, zum Beispiel bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. Und ich versuche es auch über Fernsehsendungen – etwa, wenn ich durch Dörfer reise oder bei Formaten, die Vereinsarbeit sichtbar machen. Mir geht es darum, das Gemeinschaftliche zu stärken – generationsübergreifend, geschlechterübergreifend und auch international gedacht.

Das wirkt in Ihrem Buch sehr zugänglich, nicht belehrend. Viele Bücher zu gesellschaftskritischen Themen wirken schnell didaktisch oder besserwisserisch. Das ist bei Ihnen anders.

Yared Dibaba: Belehren ist nicht mein Ziel. Vieles in meinem Leben habe ich mir nicht selbst ausgesucht: dass ich meine Heimat verlassen musste, dass ich diesen Weg gehen musste. Auch dass ich mich in sehr unterschiedlichen Lebenswelten bewege, hat sich nicht vollständig planen lassen. Dadurch habe ich, vielleicht unfreiwillig, Kompetenzen entwickelt, die hilfreich sein können. Die möchte ich teilen. Ich arbeite im Buch mit einem einfachen Bild: einem Ampelsystem. Grün bedeutet: Das kann ich gut. Gelb: Das ist herausfordernd, aber möglich. Rot: Das ist mir zu viel – dann lasse ich es zunächst. Wichtig ist: ausprobieren, offenbleiben. Und wenn man etwas nicht möchte, sollte man zumindest anderen ihr Leben lassen.

Diversität ist inzwischen ein häufig verwendeter Begriff. Manche empfinden die Debatten als sehr empfindlich, manchmal zu empfindlich geführt. Sie sagen aber: Man kann üben, respektvoll zu sprechen, ohne dass es einem etwas nimmt.

Yared Dibaba: Ich sehe das aus zwei Perspektiven. Wenn jemand sagt: „Ich nutze keine Pronomen“, dann ist das für viele zunächst ungewohnt. Oft heißt es ganz praktisch: Ich spreche die Person mit ihrem Namen an. Das ist eine Übung, die Konzentration braucht – und ich mache dabei selbst Fehler. Meine Erfahrung ist: Menschen, die keine Pronomen nutzen, reagieren in der Regel offen, wenn man sich verspricht. Niemand „springt einem an die Gurgel“. Es geht um Lernen. Das kostet nicht viel, außer Aufmerksamkeit. Es ist eine Form von Wertschätzung und nimmt mir nichts weg. Wenn ich mich bewusst weigere, muss ich damit rechnen, dass ein respektvoller Dialog nicht gelingt.

Dann entstehen wieder Fronten.

Yared Dibaba: Genau.

Sie haben ein Bild verwendet: Fitness und Training – nicht jeden Tag Höchstleistung, aber dranbleiben.

Yared Dibaba: Ja, denn im Umgang miteinander ist es wie beim Sport: Man kann nicht jeden Tag maximal trainieren. Manche Tage sind stärker, andere schwächer. Entscheidend ist, dass man im Training bleibt. Wenn wir ein stabiles Niveau halten – körperlich und mental – ist viel gewonnen. Man kann sich auch entscheiden, nichts zu tun: kein Interesse an Digitalisierung, keine Lust auf gesellschaftliche Veränderungen. Das ist möglich. Irgendwann merkt man aber, dass man mit Entwicklungen schlechter zurechtkommt und die Welt weniger versteht. Deshalb möchte ich Menschen ermutigen, offen und neugierig zu bleiben.

Sie haben auch den Vergleich zwischen 2006 und 2024 gezogen, weil Sie beide Male das Fan-Fest in Hamburg moderiert haben.

Yared Dibaba: Ja. 2006 war gigantisch, vieles war neu, das Format war innovativ. Auf dem Heiligengeistfeld waren damals etwa 75.000 Menschen, und es ging ein sehr positiver Geist durchs Land. 2024, bei der EM, waren bei einzelnen Spielen ebenfalls Zehntausende dort – aber die Stimmung war anders. Auffällig war: Es waren viel mehr Frauen und junge Mädchen dabei. Insgesamt war das Publikum vielfältiger, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen waren präsent. Auch das Rahmenprogramm war diverser: Angebote für queere Menschen, für Inklusion, Behindertensport – etwa beim FC St. Pauli. Zudem gab es Awareness-Teams. In diesen 18 Jahren hat sich sichtbar viel verändert, und das fand ich beeindruckend.

Zum Schluss: Gibt es ein Kapitel oder eine Passage, auf die sich Leserinnen und Leser besonders freuen können?

Yared Dibaba: Mir liegt besonders das Kapitel „Neugier, Lust auf Neues – wer noch?“ am Herzen. Neugier ist aus meiner Sicht ein Motor, der Menschen lange aktiv hält. Ich beobachte das gerade bei älteren Menschen. Meine ehemalige Plattdeutschlehrerin ist kürzlich 95 geworden, sie ist sehr fit und aktiv. Ihre Tochter sagte mir auf die Frage, wie sie das macht: „Meine Mutter war immer neugierig.“ Das passt: Als wir damals ins Dorf zogen, lud sie meine Eltern sofort zum Essen ein, holte meinen Bruder und mich in den plattdeutschen Kinderchor und meine Mutter in den Schützenverein – aus Interesse, aus Offenheit. Meine Mutter wird dieses Jahr 80 und ist ebenfalls neugierig. Und auch ein Freund, der früher mein Chef war, bleibt offen für Neues: Er fragt nach Trends, nach KI, nach Entwicklungen. Diese Haltung fasziniert mich. Neugier hilft, im Leben beweglich zu bleiben.

Ich kenne das als Kontrast in meiner Familie sehr gut: Manche bleiben technisch und geistig sehr präsent, andere wirken, als sei die Welt 1970 stehen geblieben.

Yared Dibaba: Menschen sind darin sehr unterschiedlich, und jeder hat sein eigenes Tempo und seine eigenen Interessen.

Ihr Buch ist seit Anfang März auf dem Markt. Sind Sie zufrieden mit dem Start?

Yared Dibaba: Ja, ich bin zufrieden. Natürlich wünscht man sich immer noch mehr, aber es läuft gut an. Ich war auch auf der Leipziger Buchmesse, das war sehr interessant. Der Verlag macht einen sehr guten Job, ich bin wirklich zufrieden.