Tödliche Schatten
13.09.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Thriller
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Originaltitel
Tödliche Schatten
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Fernsehfilm, Thriller

Der größte Feind steckt im eigenen Körper

Von Susanne Bald

Walter Sittler als Ermittler in einem Thrillerdrama mit ernstem Thema: Nach dem Mord an zwei Polizisten arbeitet Nabrow mit seiner Tochter Elisa zusammen. Als er die erschütternde Diagnose Demenz erhält, drängt Nabrow Elisa, es nicht seinem Vorgesetzten zu melden und damit Regeln zu brechen.

Die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern ist eine ganz besondere, sagt man. Der Vater vergöttert seine Prinzessin – im besten Fall -, möchte ihr alles ermöglichen und sie vor Bösem beschützen. Die Tochter verehrt den Vater wie einen Helden und stellt ihn auf ein Podest mit großer Fallhöhe. Das ist schön, solange das Kind noch jung ist, später allerdings kann es zu echten Konflikten führen. So auch im ungewöhnlichen Thrillerdrama "Tödliche Schatten" am Samstagabend im Ersten.

Elisa (Hannah Ehrlichmann) eiferte ihrem Vater Philip Nabrow (Walter Sittler), Mordermittler beim Berliner LKA, schon immer nach, auch beruflich. Derzeit arbeitet sie beim Drogendezernat, ihr Ziel aber ist die Mordkommission. Die kurz nacheinander verübten Morde an zwei Polizisten führen nun erstmals zur Zusammenarbeit des Duos. Einziger Schnittpunkt der Opfer scheint der Polizei-Boxclub zu sein, in dem beide trainierten – und in dem vermutlich illegal mit ebenjenen Muskelaufbaupräparaten gehandelt wird, die Nabrow bei einem der Toten findet. Dass seine Tochter Kollegen verdächtigt, missfällt dem erfahrenen Ermittler. Doch schon bald wird er es selbst tun ...

Denn Nabrow stellt fest, dass jemand die Tatwaffe im zweiten Mordfall bei ihm zu Hause versteckt hat. Nur ein Tipp bei der Polizei und er wäre der Hauptverdächtige. Wer könnte das wollen und warum? Hat es mit einem alten Fall zu tun, der nun wieder aufgerollt werden soll, wie Nabrow von seinem Chef und Freund Keitel (Uwe Preuss) erfährt? Oder bildet sich Nabrow alles nur ein und hat die Waffe selbst versteckt? Erinnert er sich nur nicht? Eine berechtigte Frage.

Nabrows größter Gegner: die Demenz

Die Anzeichen mehren sich: Nabrow vergisst Dinge, hat Visionen und Albträume, fühlt sich verfolgt, hört Geräusche und Stimmen. Bei einer Festnahme nässt er sich ein, ist verwirrt. Er selbst schiebt es auf zu wenig Schlaf und Stress. Elisa wundert sich anfangs nur. Bis sie ein Heft mit Erinnerungsstützen findet, darunter rot umrandet: "Elisa Nabrow ist meine Tochter!"

Elisa setzt den Vater unter Druck, einen Neurologen aufzusuchen. Die erschütternde Diagnose: vaskuläre Demenz. Nabrow ist verpflichtet, das seinem Arbeitgeber zu melden, doch er weigert sich – und stürzt seine Tochter in einen schweren Konflikt: Sie möchte eine so rechtschaffene Polizistin sein wie sie glaubt, dass ihr Vater einer ist. Elisa weiß aber auch, dass er nie wieder mit ihr reden würde, wenn sie ihn verrät.

Doch sie ist besorgt: "Was, wenn du einen Fehler machst, auf einmal nackt im Büro stehst?" Vater und Tochter finden einen Kompromiss: Nabrow holt Elisa für die Ermittlungen in sein Team, so kann sie auf ihn aufpassen. Und schon bald machen sie einen Verdächtigen aus: Hartmut Jenke (Rainer Wöss), Polizist der alten Schule mit krimineller Vorgeschichte. Der erweist sich als schwieriger Gegner für Nabrow und Elisa ...

Anschauliche Darstellung von Demenz in einem spannenden Kriminalfall

So spannend und vielschichtig der Kriminalfall in "Tödliche Schatten" (Buch: Grimme-Preisträger Christoph Busche) auch ist: Zu etwas Besonderem im Krimi-Dschungel wird der Film durch die geschickt damit verwobenen anderen Themen: die Vater-Tochter-Beziehung und Nabrows Erkrankung.

Diese wird nicht etwa oberflächlich angekratzt, als Erklärung für die Aussetzer, die Nabrow zu einem unzuverlässigen Helden machen. Sie und Nabrows Angst und Verunsicherung werden ernst genommen. Walter Sittler, der hier ganz anders agiert als sein ZDF-Kommissar in "Der Kommissar und das Meer", spielt das nuanciert mit einer Mischung aus Verleugnung, Furcht und Trotz. Ein Mensch wie Nabrow, sagt Sittler, "der so in der realen Welt verwurzelt ist, braucht Zeit, so eine Diagnose sehen zu wollen".

Auch die Veranschalichung der Symptome der Demenz wurden von Regisseur Alexander Diebach und Kameramann Ian Blumers, die bereits bei den Krimireihen "Stralsund" und "Helen Dorn" zusammenarbeiteten, so einfallsreich wie beklemmend inszeniert. Visuell durch verzerrte, verschwommene Bilder. Hinzukommen akustische Elemente, bedrohliche Geräusche und Melodien. Die Zuschauer stecken in diesen Szenen in Nabrows Körper, erleben die erschreckenden Symptome durch seine Augen mit. Anschaulicher kann man das nicht gestalten.

Tödliche Schatten – Sa. 13.09. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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