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    Willy Millowitsch

    • * Freitag, 8. Januar 1909 in Köln, Deutschland
    • † Montag, 20. September 1999 in Köln, Deutschland

    Willy Millowitsch in seiner Paraderolle als Kommissar Klefisch 
    ¿T?
    Eine Epoche, die sich im Werk von Politikern, von Staaten und großen Erfindungen spiegelt, das kennt man. Aber ein Volksschauspieler, der ein paar Maschen am Mantel der Geschichte mitgewebt hat? Willy Millowitsch, größter Schauspieler des volkstümlichen Fachs hat gewebt, spielte in über 60 TV- und Kinoproduktionen, leitete sein über die Grenzen von Köln bekanntes "Millowitsch-Theater" an der Aachener Straße und zog als treusorgender Familienvater seine Kinder groß, die wie Peter und Mariele Millowitsch in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters traten.

    Kaum einer, der wie Willi so nachhaltig die rheinische Unterhaltung dieses Jahrhunderts geprägt hat, wie der Spross aus alter Schauspielerfamilie. Willy auf der Bühne, in Fernsehen, Film und Schlagerradio - Jahrzehnte verkörperte er das, was man heutzutage Multimedia nennt. Wie immer die Nachrichten jener Tage lauteten, Willy Millowitsch trug seine ganz persönlichen Schlagzeilen zu jedem Jahrzehnt bei.

    Bereits in den frühen Fünfzigerjahren sah man ihn in Filmen wie "Mönche, Mädchen und Panduren" und "Der fröhliche Weinberg" (beide 1952). Dann 1953, die Zeit des Arbeiteraufstand in der DDR und das Jahr der Krönung von Elisabeth II. Das Kölner Volkstheater Millowitsch erobert das Fernsehen, das Medium wird zur Unterhaltung: Meilenstein auf diesem Weg ist "Dr Etappenhas". Der beliebte Schwank aus dem Militärleben von Karl Bunje war bereits Hunderte Male über die Bühne gegangen. Doch im Fernsehen? Willy als kölscher Spaßvogel irgendwo im Programm, dafür waren die NWDR-Macher gerade noch zu haben.

    Aber ein ganzes Stück direkt über den Äther schicken: Revolution! "Mäht nix", so oder ähnlich hat Millowitsch wohl die Fernsehbosse überzeugt. Am 27. Oktober 1953 ist es soweit. Zwar zählt man erst 10000 Fernsehgeräte hierzulande. Doch der Auftakt ist gemacht, das neue Medium in den Dienst des Volkstheaters gestellt. Willy wird zum Fernsehstar, seine Bühne bundesweit bekannt. Danach sieht man Willi immer wieder auch beim Film, so etwa 1957 in Kurt Meisels Gaunerkomödie "Drei Mann auf einem Pferd", in Alfred Weidenmanns Liebeskomödie "Scampalo" (1957) mit der jungen Romy Schneider, sowie im gleichen Jahr in Géza von Bolvárys Komödie "Zwei Herzen im Mai" und neben Heinz Ehrhardt in der Komödie "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958). Danach folgten Helmut Weiss' Heimatfilm "Alle Tage ist kein Sonntag" (1959), Géza von Cziffras Musikkomödie "Die Fledermaus"(1961) mit Peter Alexander und Marianne Koch sowie Hans Deppes Heimatkomödie "Robert und Bertram" (1961).

    1962, das Jahr der Sturmflut in Hamburg und das Jahr, in dem Vera Brühne zu lerbenslanger Haft verurteilt wird. Das Jahrzehnt wird Zeuge von Willys Aufstieg zum Multimedia-Star. "Schnaps, das war sein letztes Wort" verkauft sich 900000 mal, die Komödie "Tante Jutta aus Kalkutta" erzielt eine Sehbeteiligung von 88 Prozent. Dass ihm "Bravo" den "Goldenen Otto" verleiht, mag heutige Leser der Boygroup-Postille erstaunen, zeigt aber, dass Witz und Klamauk damals noch nicht Sache von Sparten und Zielgruppen sind.

    Und auch vom Film kann Willi nicht lassen: Die Komödie "Die drei Scheinheiligen" (1964) zeigt ihn an der Seite von Harald Juhnke, in Kurt Hoffmanns "Herrliche Zeiten im Spessart" (1967) sind Liselotte Pulver, Gila von Weitershausen und Hannelore Elsner seine Partnerinnen, die Komödien "Heubodengeflüster in Oberbayern" und "Paradies der flotten Sünder" (beide 1967) sind zwei der zahlreichen Regiearbeiten von Rolf Olsen, in denen Willi mitwirkt.

    1968, die Zeit der Studentenunruhen, Willi spielt weiter drauflos: Werner Jacobs besetzt ihn - wieder neben Peter Alexander und Hannelore Elsner - in "Die Lümmel von der ersten Bank - Zum Teufel mit der Schule" und Franz Antel in der Verwechslungskomödie "Otto ist auf Frauen scharf" mit Gunther Philipp. 1971, der TV-Krimi "Das Halstuch" wird zum Straßenfeger und Erich Honecker kommt an die Macht. Wer hoch hinauskommt, kann tief fallen. Das muß Millowitsch erleben, als er mit der Serie "Hei-Wi-Tip-Top" baden geht. Kritikerspott ergießt sich kübelweise über ihm, verfolgt ihn fortan mit dem Zerrbild des Königs der Klamotte. Zugleich wächst der Mime über die Grenzen seiner kölschen Frohnatur hinaus, umgibt sich zunehmend mit prominenten Schauspielern: Hansi Kraus, Günter Lamprecht und Werner Kreindl.

    Und immer weiter Filme, Filme, Film... In Franz Antels "Die lustigen Vier von der Tankstelle" (1972) spielt Willi neben Uschi Glas und dem Eiskunstlaufstar Hans-Jürgen Bäumler, "Alter Kahn und junge Liebe" (1973) ist ein Heimatfilm mit Roy Black, "Unsere Tante ist das Letzte" (1973) eine Komödie mit Eddie Arent. In beiden Filmen ist übrigens die junge Jutta Speidel zu sehen. Schließlich besetzt ihn Regisseur Franz Josef Gottlieb in der Hauptrolle der Komödie "Der Geheimnisträger" (1975). 1980, das Jahr, in dem die Welt um John Lennon trauert und 13 Tote bei dem Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest gezählt werden. Wer genau hingehört hatte, kennt ihn so schon lange: den Willy der leisen und nachdenklichen Töne. Zum Beispiel als Rat Neruda in "Der gestohlene Kaktus". Aber so richtig interessierte sich dafür kaum jemand. Das Publikum will sich am liebsten auf die Schenkel klopfen, erwartet ihren Ulk-Willy als melkende Zenzi oder in Unterhosen. Erst die Achtzigerjahre bescheren dem Schauspieler eine anerkannte Abrundung seines Lebenswerks.

    Als Herr Jourdain in Molières "Der Bürger als Edelmann" (1980) feiern ihn anspruchsvolle Theaterkritiker, Jürgen Flimm verfilmt mit Millowitsch Else Lasker-Schülers "Wupper", und Regisseur Rudolf Noelte holt ihn für den Totengräber im "Hamlet" ans Bonner Theater. Zudem unterstreichen zwei Ereignisse die Bedeutung Willy Millowitschs als einer urkölschen Institution: das 50-jährige Bestehen des Theaters an der Aachener Straße (1986) sowie die Verleihung der Ehrenbürgerschaft (1989). Doch auch die Achtzigerjahre halten neben anspruchsvollen Theaterrollen weitere Komödien-Rollen für Willi Millowitsch bereit: Unter Peter Zadeks Regie spielt er in "Die wilden Fünfziger" (1982), eine Hauptrolle folgt in "Ein dicker Hund" (1982), und sogar in der US-Komödie "Hilfe, die Amis kommen" (1985) mit Chevy Chase und Beverly D'Angelo hat Willi einen Gastauftritt.

    1990, Deutschland vereinigt und Fußball-Weltmeister. Dieses Jahr sollte einen ganz neuen Willy bescheren: den "Kommissar Klefisch". Millowitsch hatte zuvor den Wunsch geäußert, einen gestandenen Kommissar spielen zu wollen. Für den WDR schreibt daraufhin Hans Werner Kettenbach, Journalist und Krimiautor, das maßgeschneiderte Drehbuch. Der erste Klefisch-Krimi, "Ein Fall für Onkel", wird 1990 ausgestrahlt; es folgen weitere, etwa "Dienstvergehen" (1991) und "Klefischs schwerster Fall" (1995). Jetzt hat Millowitsch die junge Garde des deutschen Films auf seiner Seite: Claudia Messner, Christian Berkel, Dietmar Bär. Auch wenn Willy es nicht glauben mochte: Auf der Bühne oder vor der Kamera wird er nicht wieder stehen. Er mischte aber bis zu seinem Tod im bunten Treiben der Stadt mit: auf dem Eisenmarkt, wo er bereits zu Lebzeiten als Denkmal stand.

    Foto: WDR/B. Spauke


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