Theo Lingen

"Traurich, traurich, traurich" - Schuldirektor Taft 
mit ‘nem Lümmel von der ersten Bank: Theo Lingen, 
Hansi Kraus  Vergrößern
"Traurich, traurich, traurich" - Schuldirektor Taft mit ‘nem Lümmel von der ersten Bank: Theo Lingen, Hansi Kraus 
Franz Theodor Schmitz
Geboren: 10.06.1903 in Hannover, Deutschland
Gestorben: 10.11.1978 in Wien, Österreich

Franz Theodor Schmitz, wie der hager-aufgeschossene Sohn eines Justizrats bürgerlich hieß, verkörperte mehr als jeden anderen den peniblen Typen oder Sonderling, wie ihn sich jeder "Lümmel in der ersten Bank" als Lehrer wünscht, um sich nach Herzenslust in Spott zu üben. Eine Schönheit nach gängigen Maßstäben war der lange Lingen (Namenswahl nach der Geburtsstadt seines Vaters) wirklich nicht. Die Ohren, Nase und eine hohe, näselnde Stimme bewirkten ein Übriges.

Lingen - Bühnendebüt als 18-jähriger Unterprimaner - machte recht bald aus seiner Figur eine gute, und konzentrierte sich nach ernster Theaterarbeit in Hannover, Halberstadt, Münster und Frankfurt a.M. seit 1932 auf Kabaretts und Revuen am Kurfürstendamm. Gustaf Gründgens, der Lingens komische Ader in Berlin entdeckte, bestärkte ihn im Komödienfach.

Schon 1930 fasste Lingen auch in Film-Komödien und musikalischen Lustspielen ("Dolly macht Karriere", 1930) Fuß. In den Fritz Lang-Krimis "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) und "Das Testament des Dr. Mabuse" (1933) gab er noch den (freundlichen) Schurken, ab 1933 ist Lingen dann aber fast nur noch in komischen Rollen gefragt, so etwa in E.W. Emos Edgar-Wallace-Verfilmung "Der Doppelgänger" (1934). Gern provozierte er diese Situationskomik, indem er in aussichtslosen Situationen Etikette bewies oder korrekt vom Scheitel bis zur Sohle daherkam, während um ihn herum alles durcheinander lief. Er war dann der steife Stock in der Brandung.

Im Zusammenspiel mit dem nuschelnden Österreicher Hans Moser hatten sich bald darauf zwei Komiker in schwieriger (NS-)Zeit gefunden, Aus dieser Zeit resultieren u.a.: "Der Mann, von dem man spricht", "Die unruhigen Mädchen", "Die verschwundene Frau" (alle 1937), "Es leuchten die Sterne" (1938), "Opernball" (1939), "Sieben Jahre Pech" (1940), "Der ungetreue Eckehart" (1940), "Rosen in Tirol" (1940), "Sieben Jahre Glück" (1942), "Wiener Blut" (1942)... Gern wird über den Klamauk wie "Um eine Nasenlänge" (1949), "Der Theodor im Fußballtor" (1950), "Der Doppelbräutigam" (1934) oder wie in den "Lümmel"-Filmen aus den Sechzigerjahren übersehen, dass Lingen als Regisseur von fast 20 Spielfilmen (z.B. "Hauptsache glücklich" 1941, mit Heinz Rühmann), ferner als TV-Moderator, Karikaturist und als Verfasser eigener Bühnenstücke und Operettenlibretti so etwas wie ein kleiner Medienprofi war, der allerdings nie die politische Öffentlichkeit suchte.

Theo Lingen galt in der Presse als äußerst schwierig, weil zugeknöpft. Wichtig war ihm nur seine Familie. "Während sich mein Vater Fremden gegenüber sehr abgekapselt und verschlossen gibt, ja manchmal unfreundlich wirkt, ist er zuhause ein rührender Familienvater. Er liebt die Einsamkeit und hasst jeglichen Rummel", charakterisierte ihn seine Tochter Ursula - selbst Schauspielerin - aus der Ehe mit der Sängerin Marianne Zoff, die Ex-Frau von Bertolt Brecht. Nach 1945 zog Lingen mit der Familie nach Wien, dazu gehörte auch die 1923 geborene Brechttochter Hanne Hiob. Während der Hitler-Herrschaft hatte Lingen seine halbjüdische Gattin und die Kinder über alle Anfeindungen und mit Hilfestellung Gustaf Gründgens durch die Zeit gebracht und sich arrangiert.

1946 nahm Lingen die österreichische Staatsbürgerschaft an und spielte ab 1948 am Burgtheater, später dann auch wieder in der Bundesrepublik und in der Schweiz. Im Film gesellten sich dann später immer neue Spaßvögel um Lingen: Eddi Arent, Ilja Richter, Heinz Reincke, Otto Schenk, Werner Finck, Karl Lieffen ... So sorgte häufig mindestens ein Trio für Heiterkeit. Seit Anfang der Sechzigerjahre dann verstärkt auch Rollen für das Fernsehen.

Weitere Filme mit Theo Lingen: "Die Nacht vor der Premiere" (1959), "Die Gans von Sedan" (1960), "Eine Frau fürs ganze Leben" (1960), "Der Teufel hat gut lachen" (1960), "Pension Schöller" (1960), "Drei schräge Vögel" (1960), "Bei Pichler stimmt die Kasse nicht" (1961), "Der Musterknabe" (1963, als Prof. Dr. Liebreich), "Tonio Kröger" (1964), der ernst zu nehmende TV-Film "Minna von Barnhelm" (1964), "Hilfe - meine Braut klaut" (1964), "Die fromme Helene" (1965), TV-Serie "Die Donau Geschichten" (1966), "Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche" (1967), "Das große Glück" (1967), "Die Lümmel von der ersten Bank - Zur Hölle mit den Paukern" (1967), "Zum Teufel mit der Penne" (1968), "Pepe, der Paukerschreck" (1969), "Hurra, die Schule brennt" (1969), "Die Feuerzangenbowle" (1970), "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne" (1970), "Wer zuletzt lacht, lacht am besten" (1971), "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut" (1971), "Tante Trude aus Buxtehude" (1971), "Morgen fällt die Schule aus" (1971), "Hilfe, die Verwandten kommen" (1971), "Hauptsache Ferien" (1972), "Die tollen Tanten schlagen zu" (1972), "Immer Ärger mit Hochwürden" (1972), "Betragen ungenügend" (1972), der TV-Film "Im Hause des Kommerzienrates" (1975), "Der Geheimnisträger" (1976), "Lady Dracula" (1977).

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